„So kann die Raumsituation an Schulen entzerrt werden“

Latein am Tresen pauken: Schulunterricht in der Disco, Kinderbetreuung im Club - worüber Gastronomie und Politik beraten

Dass in München bald Schulklassen die leer stehenden Clubs, Bars oder Eventhallen füllen, will ein Antrag im Stadtrat erreichen.
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Dass in München bald Schulklassen die leer stehenden Clubs, Bars oder Eventhallen füllen, will ein Antrag im Stadtrat erreichen.

Bars, Clubs und Eventhallen sind besonders von der Corona-Krise betroffen. Ein Antrag im Stadtrat fordert jetzt, dass die Räume an andere Nutzer vermietet werden. 

  • Stark von der Corona-Krise betroffen sind derzeit Bars, Clubs und Eventhallen
  • Im Münchner Stadtrat gibt es jetzt einen Antrag zur Umnutzung der Räumlichkeiten. 
  • Die Idee zielt darauf ab, dass künftig Schulen dort ihren Unterricht abhalten. 

München - Mathe lernen an der Bar oder Mittagsschlaf halten im Elektroclub – was im ersten Moment abwegig klingt, könnte bald auch in München Realität werden. „Bars, Clubs, Tanzhallen“, zählt Frank-Ulrich John auf, Geschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). „Sie stehen seit Monaten leer. Man sollte sie anders nutzen.“ Er verweist auf Bad Aibling, wo die Lokalpolitik vorschlug, Schulunterricht während der Corona-Pandemie in einer Eventhalle stattfinden zu lassen. „So kann die Raumsituation an Schulen entzerrt werden“, sagt John. Gespräche dazu gebe es bereits im Stadtrat.

Unterricht in Bars und Clubräumen:  Räume an andere Nutzer vermieten 

David Süß, Chef des Elektroschuppens Harry Klein und zugleich Grünen-Stadtrat beschäftigt sich derzeit mit den Belangen der Kneipen- und Musikclubszene, wie diese in ihrer Vielfalt erhalten bleiben kann. Die Idee: Die Clubräume entgeltlich an anderweitige Nutzer vermieten: „Wir haben einen Antrag gestellt, damit ein solches Konzept geprüft wird.“ Der Vorteil: Clubs haben funktionierende Lüftungsanlagen. Wie schnell der Antrag behandelt wird, ist offen. „Ich könnte mir vorstellen, dass es aktuell auch mal relativ schnell gehen könnte.“ Wenn das geklärt ist, will Süß seinen Szene-Kollegen ein konkretes Angebot machen. 

Ein neues Klassenzimmer im Harry Klein? Chef David Süß will alternative Nutzung der Räume prüfen lassen.

Corona in München: Krise in der Gastro noch nicht überstanden 

„Man muss abwarten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand nein sagen wird.“ Eine andere Idee des Kompetenzteams für Kultur- und Kreativwirtschaft: Die leerstehenden Räumlichkeiten zu Bandübungsräumen umfunktionieren. „Man muss schauen, ob Bands das zahlen könnten oder wie die Stadt unterstützen könnte.“ Dafür müsse man abwarten, wie sich das eben beschlossene Konjunkturpaket für die Kommunen auswirke, ob dadurch der Haushaltsstopp beendet werden kann und somit Investitionen möglich werden. „Wie in vielen Bereichen ist auf Sicht fahren die Devise.“ Das Konjunkturpaket sei ein vierteljährlicher Schutzschirm. „Wichtig ist, dass die Szene unterstützt werde, bis wieder geöffnet werden kann“, erklärt Süß. Nur so könne die Infrastruktur, das Personal et cetera erhalten bleiben. Denn überstanden ist die Krise der Gastro noch lange nicht. 

„Die Lage ist existenziell bedrohend für etliche Gastrobetriebe, die über Generationen hinweg bestehen“

In München gibt es demnach etwa 5000 Betriebe mit Konzession – vom kleinen Kiosk bis zum Fünf-Sterne-Hotel. „30 Prozent davon werden Insolvenz anmelden“, fürchtet John. Die Dehoga fordert deshalb von der Politik ein Rettungspaket „Die Lage ist existenziell bedrohend für etliche Gastrobetriebe, die über Generationen hinweg bestehen“, warnt der Verbandschef. „Und das, ohne, dass irgendjemand eine individuelle Fehlentscheidung getroffen hat oder Fehler gemacht hat. Die Lokale sind auf staatliche Anordnung hin geschlossen worden.“ 

Trotz Corona fährt das Kulturleben in der Landeshauptstadt hoch. Mit entsprechenden Abständen gibt es inzwischen wieder Konzerte, Theater und sogar ein Autokino

Hanni Kinadeter/Sabina Kläsener

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