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Anlaufstellen für Betroffene von Essstörungen in München seit Corona-Pandemie deutlich stärker nachgefragt

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Von: Sabina Kläsener

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In der Pandemie führten Einsamkeit und Isolation bei manchen Betroffenen zur Verschlechterung der Essstörung.
In der Pandemie führten Einsamkeit und Isolation bei manchen Betroffenen zur Verschlechterung der Essstörung. © dpa/Fabian Sommer

Seit Beginn der Corona-Pandemie fühlen sich mehr Personen einsam, mehr Personen suchten sich wegen Essstörungen Hilfe. Doch Therapie-Plätze in München sind rar gesät.

Das Gefühl, allein und isoliert zu sein, mehr Stress zu haben, aber weniger soziale Kontakte: So beschreiben Betroffene in den Therapiegruppen der Fachambulanz für Essstörungen der Caritas an der Arnulfstraße die Auswirkungen der Pandemie. Diese Gefühle sind nicht folgenlos geblieben, führten etwa zu häufigeren Essanfällen. Manche brachte die zwangsläufige Beschäftigung mit sich selbst aber auch dazu, sich Hilfe zu suchen.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Hilfe bei Esstörungen in München: Durch Corona deutlich längere Wartezeiten für Therapie

Seit Beginn der Pandemie steigen die Fallzahlen von Essstörungen. Das bestätigen auch die Münchner Therapieeinrichtungen. Besonders bei Minderjährigen und jungen Erwachsenen seien die Anfragen stark gestiegen, berichten die Schön Klinik und das Therapie-Centrum für Essstörung (TCE) im Klinikum Dritter Orden. Während die Schön Klinik vor allem neue verzeichnet, meldet die Fachambulanz mehr Rückfälle – im TCE gibt es keine Tendenz.

Mehr Anfragen bedeuten auch längere Wartezeiten. Die Schön Klinik bietet drei Einrichtungen für Betroffene. „Mehrmonatige Wartezeiten, insbesondere für stationäre Aufenthalte sind aktuell leider die Regel“, erklärt Ulrich Voderholzer, Ärztlicher Direkter der Schön Klinik Roseneck. Bei Plätzen in der Tagesklinik müsse man mit vier bis acht Wochen rechnen. „Um den gestiegenen Therapiebedarf zu decken, sind wir aktuell dabei, unsere Kapazitäten sowohl in Roseneck als auch in der Tagesklinik auszubauen.“

Hilfe bei Esstörungen in München: Mangel an ambulanten Therapieplätzen groß

Zwei Monate oder länger betrage derzeit die Wartezeit für Minderjährige beim TCE. Zeitnah erfolgen kann die klinische Aufnahme zum Kostaufbau und zur medizinischen Abklärung für Patienten, die für eine Therapie im TCE vorgesehen sind, erklärt Leiterin Karin Lachenmeir.

Karin Lachenmeir
Karin Lachenmeir © Frank Lübke

„Bei erheblichem Untergewicht oder bei Verdacht auf medizinische Komplikationen der Essstörung werden die Betroffenen auf einer Station aufgenommen, die zur Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums Dritter Orden gehört“, sagt Lachenmeir. Die Behandlung kann unabhängig von einer Therapie im TCE erfolgen oder dieser vorausgehen. Bei volljährigen Betroffenen werden im Juni Kapazitäten frei.

Aktuell fehle es laut der Fachambulanz der Caritas vor allem an ambulanten Plätzen. Schwierig sei es aber auch bei anderen Therapieformen. Die Ambulanz ist oftmals Anlaufpunkt für Betroffene, die die Wartezeit überbrücken wollen. Hier könne man nur helfen, wenn es die Kapazitäten zulassen. In akuten Fällen lautet auch hier der Rat: im Krankenhaus vorstellig werden.

Nähere Infos zum Thema unter www.bzga-essstoerungen.de.

Therapieangebot für Essstörungen in und um München

In der Schön Klinik Roseneck werden über 3300 Patienten ab zwölf Jahren stationär behandelt. In der Tagesklinik an der Einsteinstraße werden 35 Plätze für eine teilstationäre Behandlung angeboten. Die Tagesklinik in Prien am Chiemsee hat derzeit 20, ab Sommer 30 Therapieplätze ab 16 Jahren. Zudem gibt es mit „MindDoc“ ein videobasiertes Angebot. Im Therapie-Centrum für Essstörungen gibt es acht Plätze für zwölf- bis 15-Jährige, zehn für 16 bis 17-Jährige und 14 für volljährige Patienten. In der Fachambulanz für Essstörungen der Caritas können pro Jahr rund 330 Personen betreut werden.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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