Andrang beim Gassigehen

Corona löst Hunde-Boom in München aus – welche Probleme dadurch entstehen - was die Stadt tun will

Immer mehr Hundebesitzer tummeln sich mit ihren Tieren an wenigen Plätzen in München.
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Immer mehr Hundebesitzer tummeln sich mit ihren Tieren an wenigen Plätzen in München.
  • Romy Ebert-Adeikis
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2020 haben sich deutlich mehr Münchner als sonst einen Hund zugelegt. Was das für Probleme mit sich bringt und was die Stadt dagegen unternehmen will, lesen Sie hier.

München/Gräfelfing - In der Corona-Krise sind die Münchner auf den Hund gekommen: Nach Angaben der Stadtkämmerei, welche die Hundesteuer einzieht, ist die Gesamtzahl der Zamperl 2020 um 3100 Tiere gestiegen – und damit um mehr als drei Mal so viel wie in den Jahren zuvor.

Dass die Pandemie die Zahl der Vierbeiner massiv verstärkt hat, bemerkt auch Daniela Borsos. Die 39-Jährige arbeitet in Gräfelfing (Lkr. München) als Hundetrainerin. Vor allem 2020 sind die Anfragen für Trainings in ihrem Hunde-College gestiegen.

Zu viele Hunde für zu wenig freigegebene Grünflächen?

„Viele Familien, die schon vorher überlegt hatten, haben sich jetzt einen Hund angeschafft. Aber auch viele Kurzentschlossene“, sagt Borsos. „Die Frage ist: Wo sollen die ganzen Hunde eigentlich hin? In München und Umgebung gibt es kaum Platz, wo die Hunde frei toben können.“

Sie selbst sucht seit vier Jahren nach einem Grundstück, auf dem sie einen eingezäunten Hundeplatz für ihre Trainings einrichten kann. „Den könnten dann auch andere Hundebesitzer nutzen, damit sie mit ihren Vierbeinern nicht in die ohnehin schon überfüllten Parks gehen müssen“, sagt Borsos.

Doch sowohl die Stadt München als auch die Gemeinden im Würmtal, Gewerbetreibende oder Bauern in der Region haben bisher abgewunken: Es gebe keine geeigneten Flächen.

Stattdessen ist die Gräfelfinger­in für ihre Stunden daher in die Aubinger Lohe oder auf Grünflächen zwischen Gräfelfing und dem Gewerbegebiet Freiham ausgewichen. Doch auch dort nehmen die Zahl der Besucher und damit Müll und Hundekot zu. „Auf der Biotopwiese bei der Metro kann ich nicht mehr trainieren, so dreckig wie das dort ist.“

Bereits Konflikte wegen Hunde-Boom

Zwar hat München über 1200 städtische Grünanlagen, doch das Freilaufenlassen ist gemäß Satzung nur in den Bereichen erlaubt, die nicht als Kinderspielplatz, Spiel- und Liegewiese, Zieranlage oder Biotopfläche ausgewiesen sind.

Die Folge: Immer mehr Hundebesitzer tummeln sich mit ihren Tieren an wenigen Plätzen – etwa dem Gräfelfinger Paul-Diehl-Park, der im Norden im Pasinger Stadtpark mündet.

Dort sorgt der Hunde-­Boom bereits für Konflikte. Im Januar beklagte sich eine Pasingerin im örtlichen Bezirks­ausschuss über die Hunde-Situation im Stadtpark. „Die Halter zeigen oft nicht das mindeste Interesse, was ihr Tier treibt.“

Andere hätten keine Kontrolle über ihre Hunde. Im Umwelt­ausschuss hat man daher beschlossen, um einen verstärkten Einsatz von Grünanlagenaufsicht oder Polizei zu bitten.

Stadt sieht keinen Bedarf für neue Flächen und Tütenspender

Für Hundetrainerin Borsos ist klar, dass solche Probleme noch zunehmen könnten. Denn auch auf Tiere hat Corona einen deutlichen Einfluss. „Viele Junghunde, die im vergangenen Jahr angeschafft wurden, waren noch nie in einem Lokal, kennen es nicht, wenn Besuch ins Haus kommt.“

Gleichzeitig sind Hundeschulen wie ihre seit Dezember komplett geschlossen. Ratschläge per E-Mail oder Telefon könnten das nicht ersetzen, so die Gräfelfingerin. „Bei der Kommunikation zwischen Hund und Herrchen geht es auch viel um Körpersprache. Dafür brauche ich die Leute vor mir.“

In der fehlenden Sozialisierung der Hunde sieht auch das Münchner Tierheim Konfliktpotenzial, zumal vor allem junge Tiere beliebt seien. „Während der beiden Lockdowns ist die Anfrage gezielt nach Welpen gestiegen“, so Sprecherin Kristina Berchtold.

Hundetrainerin Daniela Borsos sucht seit vier Jahren nach einem geeigneten Trainingsplatz.

Bei der Stadt München versteht man die Aufregung um den Hunde-Boom nicht. Dem Kreisverwaltungsreferat, das die Einhaltung der Hundeverordnung kontrolliert, lägen bisher „keine Erkenntnisse vor, die auf einen größeren Andrang beim Gassigehen hindeuten“.

Zu einer mögliche Ausweisung neuer Hundeflächen heißt es im Baureferat, dass stadtweit grundsätzlich eine „hinreichend artgerechte Hundehaltung mit entsprechenden Auslaufmöglichkeiten“ möglich sei. Auch neue Tütenspender, derzeit 850 Stück, für Hundekot seien nicht geplant.

Hundezuwachs vor allem im Dezember

Insgesamt 40 543 Hunde waren Ende 2020 in der Landeshauptstadt gelistet. 5234 Abmeldungen standen 8134 Neuanmeldungen gegenüber. 2019 wurden noch gut 100 Vierbeiner mehr ab- als angemeldet.

Diesen Trend spiegeln auch die Zahlen des europäischen Hunderegisters Tasso wider. Dort ist deutschlandweit die Zahl der Neuanmeldungen 2020 um acht Prozent gestiegen.

Eine Steigerung sei zwar nicht ungewöhnlich, liege aber in der Regel „bei vier bis fünf Prozent“, so eine Sprecherin. In München ist der Zuwachs noch deutlich größer: 29 Prozent mehr Zamperl als im Vorjahr wurden bei Tasso angemeldet.

Interessant: Besonders groß war der Zuwachs im Dezember. Anstelle von 260 Tieren (2019) wurden 480 registriert.

In Gräfelfing hingegen sind 2020 nach Angaben der Gemeinde minimal weniger Hunde neu angemeldet worden (106) als im Jahr zuvor (107).

rea/sab/lea

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