„Man muss viel Geduld mitbringen“

Familien in Not - Für Eltern und Kinder ist die Corona-Pandemie eine Herausforderung

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Soad Nettah macht mit ihren Kindern derzeit viele Ausflüge.

Die Corona-Pandemie ist für viele eine Herausforderung - auch für Eltern und Kinder. Wie Familien die Krise meistern, worauf Experten hoffen. 

  • Während der Corona-Pandemie müssen viele Kinder und Jugendliche zu Hause bleiben und können nicht in die Schule. 
  • Das stellt für viele Familien eine große Herausforderung dar. 
  • Für vernünftiges Home Schooling sind viele Kinder nicht richtig ausgestattet. 

München - Für Familien ist die Corona-Krise eine große Herausforderung. „Vielen geht es nicht gut“, weiß Yvonne Lüders, Leiterin der Offenen Familienhilfen des SOS-Kinderdorfes. Auch für Soad Nettah aus Ramersdorf-Perlach ist die Situation nicht leicht. Sie lebt mit ihren drei Kindern und ihrem Mann auf 60 Quadratmetern. „Man muss viel Geduld mitbringen“, sagt sie. Vor allem der Unterricht zuhause sei eine Herausforderung: „Ich kann den Kindern nicht alles erklären.“ Aber es gebe auch schöne Seiten: „Wir sind viel draußen und unternehmen Sachen, die wir normalerweise nicht machen. Wir bekommen es schon hin.“ 

Corona-Pandemie: Familien in der Not

Nicht überall läuft es so gut. „Manche Familien verlieren ihren Tagesrhythmus und kommen nicht mehr aus dem Bett. Sie sind so überfordert, dass sie den ganzen Tag verschlafen“, weiß Lüders. Andere litten unter ihren kleinen Wohnungen. „Wenn eine Familie mit kleinen Kindern in zwei Zimmern wohnt, funktioniert Home Office nicht. Man geht sich auf den Geist. Unsere Sorge ist, dass es dann schnell in Gewalt umschlagen könnte.“ Sozialreferentin Dorothee Schiwy und Jugendamtsleiterin Esther Maffei teilen diese Bedenken: „Wir vermuten, dass das ungewohnte Zusammensein eine große Belastung für viele Familien ist und wir vermehrt mit Fällen von Gewalt konfrontiert sein werden.“ Das werde allerdings erst sichtbar, wenn die Kinder und Jugendlichen wieder Kontakt mit Bezugspersonen außerhalb der Familien hätten. Schiwy kritisiert, dass die Interessen der Kinder und Jugendlichen in der Corona-Krise zu wenig berücksichtigt würden. „Es wäre schön, wenn ihre Perspektive bei weiteren Lockerungen einbezogen wird.“ Maffei ergänzt: „Wenn im Spitzenfußball wieder in Kleingruppen trainiert wird, sollten auch unsere Kinder und Jugendlichen wieder in Kleingruppen spielen können.“ Lüders wünscht sich, dass hochbelastete Familien mit finanziellen Problemen, engen Wohnungen oder vielen Kindern sowie berufstätige Eltern durch Notfallbetreuungen stärker entlastet werden.

Familien während Corona: Probleme beim Home Schooling

Mara Bertling engagiert sich im Verein "Dein München", der sich für benachteiligte Münchner Kinder und Jugendliche einsetzt. 

„Viele Kinder sind nicht so ausgestattet, dass sie vernünftig am Home Schooling teilnehmen können“, kritisiert Mara Bertling von „Dein München“. Der Verein setzt sich für benachteiligte Münchner Kinder und Jugendliche ein. Oft fehlen Computer oder Drucker. Auch ruhige Arbeitsplätze seien oft Mangelware. „Die Situation ist vor allem für diejenigen dramatisch, die sowieso schon hinterherhinken.“ Der Verein vermittelt deshalb Mentoren, die mit den Kindern und Jugendlichen Vokabeln üben oder ihnen bei den Hausaufgaben helfen. Allerdings reiche dies nicht. „Man muss alle möglichst schnell mit Computern ausstatten.“ Das Sozialreferat stellt Kindern aus Familien, die Sozialleistungen beziehen, dafür schon länger 250 Euro zur Verfügung. Im Zuge der Corona-Krise sei das Programm ausgeweitet. Bertling bezweifelt allerdings, ob 250 Euro ausreichend sind.

andy

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