So kann sich die Isolation auswirken

Depressionen und Gewalt als Folgen der Coronakrise: "Jetzt ist es noch schwieriger, Hilfe zu finden"

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Karolina de Valerio engagiert sich für das Münchner Bündnis gegen Depression und ist selbst Betroffene.

Corona in München: Für Depressive und Opfer häuslicher Gewalt kann die Zeit der Kontaktbeschränkungen zur wahrhaftigen Hölle werden. Zwei Experten berichten.  

  •  Kontaktbeschränkungen während der Coronakrise können vor allem psychisch Kranken zu schaffen machen
  • Frauenhaus München verzeichnet bisher keinen Anstieg, befürchtet aber, dass sich viele Frauen bei Gewalt auch während Corona nicht trauen, Hilfe zu suchen
  • Werden Münchner Hotels nun umfunktioniert, um die voll belegten Frauenhäuser zu entlasten?

Angst um die Liebsten, Sorge um den Job, wenige Kontakte: Die Coronakrise belastet.

„Corona wird auch in Deutschland einen Einfluss auf die Suizidraten haben“

 Für Menschen mit einer psychischen Krankheit  kann diese Zeit zur Hölle werden – wenn sie sich nicht rechtzeitig Hilfe suchen. „Corona wird auch in Deutschland einen Einfluss auf die Suizidraten haben“, sagt Karolina De Valerio. Die 58-Jährige hilft anderen im Münchner Bündnis gegen Depression, ist selbst betroffen.

Während Corona bieten viele Therapeuten in München nur Videosprechstunden oder Telefonate an

„Menschen, die psychisch krank  sind, entwickeln ein Rückzugsverhalten. Regelmäßige Kontakte mit Freunden, zum Sport zu gehen, das hilft und kommt jetzt zu kurz.“ Bei vielen Therapeuten gebe es nur Videosprechstunden oder Telefonate, das könne zusätzlich belasten.

Auch vor Corona musste man in München Wochen auf einen Therapieplatz warten

Abhilfe möchte zum Beispiel das Max-Planck-Institut mit einem „Verhaltenstherapeutischen Kurzprogramm für zuhause“ schaffen. De Valerio glaubt, dass das hilfreich sein kann. Zumindest für diejenigen, die auch vor Corona schon in Behandlung waren: „Die Versorgungslage war vorher schon nicht prickelnd. Man muss Wochen auf einen Therapieplatz warten. Wenn man jetzt eine Depression ausbildet, ist es noch schwieriger, Hilfe zu finden.“

Brauchen Sie Hilfe? 

  • So können Sie Karolina de Valerio und das Münchner Bündnis gegen Depression erreichen: Unter der Telefonnummer 0151 28925883 ist das Team Dienstag und Freitag jeweils von elf bis 13 Uhr zur Sprechstunde erreichbar.
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Wem die aktuelle Zeit zusetzt und Hilfe braucht, kann sich zur Entlastung folgende Angebote ansehen: Unsere Peer to Peer Beratung ist in Zeiten von Corona vier Stunden für Dich erreichbar. Bis auf Weiteres berät Dr. Karolina De Valerio am Beratungstelefon von Betroffenen für Betroffene am Dienstag und Freitag von 11-13 Uhr. Darüber hinaus kannst Du per E-Mail einen telefonischen Beratungstermin vereinbaren unter: info@muenchen-depression.de Das Online-Programm iFightDepression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe unterstützt Betroffene beim Umgang mit den Symptomen einer Depression und gibt praktische Hinweise für den Alltag. Normalerweise setzt iFightDepression eine Begleitung durch einen Arzt oder Psychotherapeuten voraus. Da viele Patienten durch das Corona-Virus Zuhause bleiben müssen, ist das Programm nun für 6 Wochen auch ohne Begleitung zugänglich. Betroffene können sich formlos über die E-Mail-Adresse ifightdepression@deutsche-depressionshilfe.de anmelden. Das Programm wird dann innerhalb von 24 Stunden für Dich frei geschalten. Das Max-Plack-Institut für Psychiatrie hat ein Verhaltenstherapeutisches Kurzprogramm für Zuhause entwickelt: Was hat sich verändert durch die aktuelle Krise, welche Gefühle und Gedanken kommen auf? Wie reagiert der Körper und wie verändert sich das Verhalten? Das Kurzprogramm greift sie auf und hilft, sie sich ohne Therapeut selbst zu stellen, um sich über die eigene Situation klar zu werden. Außerdem bietet es Hilfestellung, wie man bei Bedarf gegensteuern oder präventiv etwas tun kann. Das Programm gibts hier kostenlos: www.psych.mpg.de/interventionsprogramm Für Menschen, die sich aufgrund der bestehenden Pandemiesituation oder einer angeordneten Quarantäne psychisch belastet fühlen, bieten engagierte Psychotherapeuten in Bayern individuelle psychotherapeutische Unterstützung per Videosprechstunde. Diese wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Mehr dazu findest Du auf der Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern. In Notfällen und Krisen aller Art, wende Dich bitte telefonisch an den Krisendienst unter 0180 655 3000. Dort findest Du rund um die Uhr kompetente Ansprechpartner.

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Während Corona: Häusliche Gewalt gegen Frauen: Schutz im Hotel?

Das Frauenhaus der Frauenhilfe München war vor Corona schon voll belegt. Durchschnittlich liegt die Auslastung bei 98 bis 100 Prozent. Wie auch jetzt. Doch die Fälle häuslicher Gewalt könnten ansteigen, wie es zum Beispiel in Großbritannien bereits der Fall ist.

Auch schon vor Corona: Keine freien Plätze im Münchner Frauenhaus

Und damit auch die Zahl der Frauen, die bei Lydia Dietrich(Foto) und ihren Kollegen Hilfe suchen. Dietrich befürchtet, „dass die Frauen den Weg zu uns erst mal nicht finden.“ Doch auch wenn sie sich schließlich trauen, um Hilfe zu fragen, können die Betroffenen zwar beraten werden. Eine Aufnahme im Frauenhaus ist zur Zeit aber nicht möglich.

Lydia Dietrich ist Leiterin der Frauenhilfe München.

In Berlin gab es aus diesem Grund bereits erste Bestrebungen, Hotels als Unterstützung für die überlasteten Frauenhäuser  anzumieten. Und auch in München stellte die CSU-Fraktion im Stadtrat Ende April einen entsprechenden Antrag.

Münchner Hotels bieten während Corona ihre Hilfe an

Laut Dietrich sei es wichtig, Hotels als Ersatzunterkünfte vorzubereiten. Dennoch: „Pensionen und Hotels sind keine Frauenhäuser, das sind Behelfsangebote. Aber man kann es so organisieren, dass die Frauen und Kinder  dort übergangsweise Schutz finden.“ Einige Hotels hätten bereits ihre Hilfe angeboten.

Sophia Oberhuber

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