Reichen unsere Blutkonserven?

Spender gesucht: Mit welchen Herausforderungen Blut- und Knochenmarkspende in der Corona-Krise zu kämpfen haben

Fünf Prozent der spendefähigen Menschen in Bayern spenden Blut.
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Fünf Prozent der spendefähigen Menschen in Bayern spenden Blut.

München: Die Corona-Pandemie wirkt sich auf auf die Zahlen der Blut- und Knochenmarkspenden aus - ein Spender berichtet von seinen Erfahrungen. 

  • Corona hat auch Auswirkungen auf Blutspenden: Zu Beginn der Pandemie sind die Zahlen eingebrochen. 
  • Auch die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern muss in dieser Zeit kämpfen. 
  • Ein Stammzellenspender berichtet von seinen Erfahrungen - und wie er ein Leben gerettet hat. 

München - Lockdown – das Blutspendemobil kann nicht fahren, Firmenaktionen fallen weg: „Die Spenden sind zu Beginn derCorona-Krise um 30 Prozent eingebrochen“, erklärt Patric Nohe, Sprecher des BRK-Blutspendedienstes. „Dann folgte eine große Welle der Sympathie, erfreulicherweise auch mit jungen Erstspendern.“ Ein wichtiger Nebeneffekt, denn die ersten aus der Babyboomer-Generation, die das Fundament bildet, stoßen an die Altergrenzen von einschließlich 72 Jahren. Daher brauche es nun jungeDauerspender

Weniger Blut- und Knochenmarkspender wegen Corona -  „Spender zu gewinnen bleibt ein täglicher Kampf“

Derzeit seien die Spenden am unteren Rand stabil. Zum Weltblutspendertag am 14. Juni will das BRK mehr Spender mobilisieren. Denn: In den Sommermonaten drohen Engpässe, da man mit anderen Freizeitaktivitäten konkurriert. Zudem werden wieder planbare OPs durchgeführt. 

Kämpfen muss auch die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB): 20 000 Registrierungen fehlen durch ausfallende örtliche Termine. „Solche Aktionen rütteln auf durch eine persönliche Betroffenheit“, erklärt Cornelia Kellermann vom AKB. Daher rufe man vermehrt zur Online-Registrierung auf, alle 15 Minuten bekommt jemand in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Doch: Nicht alle kostenlosen Testsets werden zurückgeschickt. Laut der DKMS, Deutschlands größter Spenderdatei, ist das zu 40 Prozent der Fall. „Spender zu gewinnen bleibt ein täglicher Kampf“, so Kellermann. 

Blutspenden ab 18 Jahren, Stammzellenspende ab 17 Jahren 

Seit Jahren besteht eine Kooperation zwischen dem BRK und dem AKB – der Vorteil: Wenn man Blut spendet, kann man sich gleich als Stammzellenspender registrieren lassen. Blut spenden kann jeder gesunde Mensch ab 18 Jahren. Erstspender ab 60 und Mehrfachspender ab 68 Jahren werden nach individueller ärztlicher Beurteilung zugelassen. Für die Stammzellenspende gehen die Altersangaben zur Registrierung auseinander – zwischen 17 und 45 (AKB) beziehungsweise 55 Jahren (DKMS). Mit 61 Jahren wird man aus der Kartei genommen.

Einfach ein Leben retten - ein Stammzellenspender aus München erzählt 

„Ich würde es wieder tun“, sagt Max Brand. Der Student aus Haidhausen spendete 2017 Stammzellen – und rettete einem 55-jährigen Amerikaner das Leben. „Ich wollte auf einfache Art helfen“. Daher ließ er sich mit einem Wangenabstrich registrieren. Als der Anruf der DKMS kam, er werde als Spender schnell gebraucht, da ein Patient akut gefährdet sei, denkt er: „Wow, da baut jemand auf mich.“ 

Stammzellenspender Max aus Haidhausen würde es wieder tun: 2017 spendete er Stammzellen und rettete dadurch ein Leben. 

Bevor er spendet, wird er medizinisch durchgecheckt. Mithilfe von Spritzen, die er sich vor der Entnahme selber setzen muss, werden Stammzellen in seinem Blut angereichert. Das kann grippeähnliche Symptome hervorrufen. Bei der Apharese, einem Blutreinigungsverfahren, werden die Zellen aus dem Blut gefiltert, was circa vier Stunden dauert. So können bei 80 Prozent die Zellen gewonnen werden. In den anderen Fällen wird unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Das Risiko dieser Entnahme ist gering und beschränkt sich laut DKMS im Wesentlichen auf das Narkoserisiko. Zwei Jahre war Brand für seinen Empfänger für einen Rückfall reserviert. Nun kann er erneut als lebensrettender ausgewählt werden.

Martin Mitterer kennt die andere Seite: Nach seiner Leukämie-Diagnose steht er wieder mitten im Leben - dank einer Stammzellenspende

Sabina Kläsener

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