Blaues Kreuz München hilft

Die dunkelsten Seiten von Corona – Die Krise fördert die Sucht

Der Alkoholkonsum in der Corona-Krise ist sprunghaft gestiegen. Das Blaue Kreuz München hilft Suchtkranken und -gefährdeten - auch wenn es in der Pandemie schwierig ist.

  • Die Corona-Krise wird zur Gefahr für Suchtkranke.
  • Das Blaue Kreuz München meldet gestiegenen Alkoholkonsum.
  • Der Suchtverein kann Mitglieder zur Zeit nur am Telefon betreuen..

Isolation, Einsamkeit, Existenzsorgen, Zukunftsängste: Für Suchtkranke und -gefährdete können diese Begleiterscheinungen der Corona-Krise zum gefährlichen Cocktail werden. Das erleben Bernd Zschie­sche (74), Vorsitzender vom Blauen Kreuz München, und seine Mitstreiter in dem Suchthilfeverein gerade. 

Bei Bernd Zschiesche und seinem Team vom Blauen Kreuz rufen zur Zeit 20 Prozent mehr Hilfesuchende an als sonst.

„Der Alkoholkonsum ist sprunghaft gestiegen“, sagt der Unterhachinger. „Sie brauchen bloß die vollen Glascontainer anzuschauen.“ Ein noch stärkeres Indiz ist für ihn die steigende Zahl an Hilfesuchenden: „Wir haben 20 Prozent mehr Erstgespräche.“ Normalerweise würden diese Menschen in eine der 60 Selbsthilfegruppen des Vereins vermittelt werden. Doch diese sind nach jetzigem Stand noch bis 10. Mai geschlossen. 

Ein Indiz für den gestiegenen Alkoholkonsum in Corona-Zeiten: überfüllte Containerinseln wie hier an der Herthastraße in Nymphenburg.

Das heißt: Es ist nicht nur schwierig, neue Mitglieder aufzunehmen. Auch die Betreuung der rund 800 Suchtkranken ist nun meist nur telefonisch möglich. „Viele unserer Klienten sind allein und vereinsamen in solch einer Situation. Das Rückfallrisiko steigt da stark“, sorgt sich Zschie­sche, der seit 30 Jahren trocken und ebenso lange in der Selbsthilfe tätig ist. 

Blaues Kreuz München hilft Süchtigen auch in der Corona-Krise

Seine Erfahrung zeigt: „Alkoholismus und Arbeitslosigkeit hängen eng zusammen.“ Acht bis zehn Prozent der Arbeitslosen seien betroffen. Eine Krise wie jetzt löse bei vielen vergleichbare Existenzängste aus. Wer dann Alkohol als eine Art „Medizin“ konsumiere, sei schnell auf dem Weg zur Sucht. Das passiere völlig unabhängig von der sozialen Stellung oder dem Alter. 

So nutzen derzeit Menschen von Mitte 20 bis 90 die Angebote des Vereins. Die ehrenamtlichen Gruppenleiter telefonieren jede Woche mindestens einmal mit ihren Teilnehmern. „Bei Leuten, die nah an der Flasche sind, gibt es auch mehrere Gespräche pro Woche“, weiß der 74-Jährige. 

Dennoch könnten Telefonate oder Video-Chats nie den persönlichen Kontakt und Erfahrungsaustausch in der Gruppe ersetzen. Zschie­sche hofft daher, dass die Treffen bald wieder möglich sind. Vor Ort wird jeweils nach größeren Räumen gesucht, um Abstände einhalten zu können. Erreichbar ist das Team unter 38 88 88 73. 

+++ Aktuelle Informationen zu Corona in München und Bayern, lesen Sie in unserem ständig aktualisierten Ticker.+++

ul

Rubriklistenbild: © BKM

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Krach um Panzerteststrecke – Antrag von Krauss-Maffei Wegmann löst Proteste aus
Krach um Panzerteststrecke – Antrag von Krauss-Maffei Wegmann löst Proteste aus
Platz der Freiheit: BA-Mehrheit jetzt für Denkmal-Erhalt
Platz der Freiheit: BA-Mehrheit jetzt für Denkmal-Erhalt
Kultur genießen ohne Mundschutz  – Lockerung der Maskenpflicht bei Veranstaltungen in Bayern
Kultur genießen ohne Mundschutz  – Lockerung der Maskenpflicht bei Veranstaltungen in Bayern
Schein-Sicherheit? –Grundschüler stellen Warnhinweise für Autofahrer auf
Schein-Sicherheit? –Grundschüler stellen Warnhinweise für Autofahrer auf

Kommentare