Einmal Natur-Forscher sein

„Biotopia Lab“ gibt Vorgeschmack auf neues Museum – Hallo München gewährt exklusive Einblicke

Das „Biotopia Lab“ im Botanischen Garten in München.
+
Im „Biotopia Lab“ kann man den Seidenraupen beim Fressen zuhören, sich mit dem VR-Flugsimulator einmal wie ein Vogel fühlen, seine eigenen Nutzpflanzen anbauen oder einem rätselhaften Naturobjekt auf die Spur kommen.

Im „Biotopia Lab“ in München kann man Natur mittendrin erleben. Das Motto: „Mitmachen, ausprobieren, entdecken.“ Wie sich das Konzept zu altmodischen Museen abgrenzt...

  • Das „Biotopia Lab“ im Botanischen Garten zeigt Natur zum erleben.
  • Das Museum will sich von anderen abgrenzen.
  • Ein interaktives Konzept soll den Besucher zeigen, wie es um die Beziehung Mensch und Natur steht.

Lautes Knacken und Knistern, graue Würmer winden sich in einer mit Blättern ausgelegten Schale. Wie es klingt, wenn Seidenraupen Blätter fressen, kann man demnächst live im „Biotopia Lab“ im Botanischen Garten erleben. Eigentlich hätte es schon am 2. November eröffnen sollen, nun müssen sich die Besucher aufgrund der Corona-Beschränkungen noch ein wenig gedulden. Hallo zeigt aber bereits jetzt, wie spannend die Natur zum Anfassen wird.

Fotostrecke - Biotopia Lab

Mit dem VR-Flugsimulator kann man wie ein Vogel über das Berchdesgardener Land fliegen und die Perspektive wechseln. Das ist ab Anfang Dezember im Biotopia Lab möglich.
Mit dem VR-Flugsimulator kann man wie ein Vogel über das Berchdesgardener Land fliegen und die Perspektive wechseln. Das ist ab Anfang Dezember im Biotopia Lab möglich.  © Cordelia Schlederer
In der ersten Pop-Up Ausstellung „Fughi for Future“ erlangen Besucher Einblicke in die Welt der Pilze als besondere Organismen unserer Erde. Hier erfährt man unter anderem wie daraus Turnschuhe oder auch Lampen gemacht werden.
In der ersten Pop-Up Ausstellung „Fughi for Future“ erlangen Besucher Einblicke in die Welt der Pilze als besondere Organismen unserer Erde. Hier erfährt man unter anderem wie daraus Turnschuhe oder auch Lampen gemacht werden. © Cordelia Schlederer
Dr. Michael John Gorman ist der Leiter des zukünftigen Biotopia Naturkundemuseum Bayern, dass in vier bis fünf Jahren aufmacht. Bis dahin gibt das Biotopia Lab bereits einen Vorgeschmack.
Dr. Michael John Gorman ist der Leiter des zukünftigen Biotopia Naturkundemuseum Bayern, dass in vier bis fünf Jahren aufmacht. Bis dahin gibt das Biotopia Lab bereits einen Vorgeschmack. © Cordelia Schlederer
Im Biotopia Lab kann man Seidenraupen aus der Nähe beobachten und ihnen beim Fressen zuhören.
Im Biotopia Lab kann man Seidenraupen aus der Nähe beobachten und ihnen beim Fressen zuhören. © Cordelia Schlederer
Die Ausstellung „Funghi for Future“.
Die Ausstellung „Funghi for Future“. © Cordelia Schlederer
Nicht nur in der Pop-Up Ausstellung sind die verschiedenen Formen von Pilzen zu bewundern. Auch die Decke des Biotopia Lab ist aus echtem Pilz-Mycel. Das wirkt schalldämmend.
Nicht nur in der Pop-Up Ausstellung sind die verschiedenen Formen von Pilzen zu bewundern. Auch die Decke des Biotopia Lab ist aus echtem Pilz-Mycel. Das wirkt schalldämmend.  © Cordelia Schlederer
Direkt neben der Sonderausstellung, befindet sich die Dauerausstellung mit dem Flugsimulator und weiteren Informationen darüber, auf was sich die Besucher im großen Biotopia freuen können.
Direkt neben der Sonderausstellung, befindet sich die Dauerausstellung mit dem Flugsimulator und weiteren Informationen darüber, auf was sich die Besucher im großen Biotopia freuen können. © Cordelia Schlederer
Biotopia Leiter Dr. Gorman(li.) und Biotopia Lab Leiterin Dr. Dzvonyar (re.) vor dem Architekturmodell des zukünftig entstehenden Museums
Biotopia Leiter Dr. Gorman(li.) und Biotopia Lab Leiterin Dr. Dzvonyar (re.) vor dem Architekturmodell des zukünftig entstehenden Museums © Cordelia Schlederer
Die Beete des Biotopia Labs können vielseitig bepflanzt werden. Es gibt unter anderem ein barrierefreies Beet (li. vorne), an das man mit einem Rollstuhl oder ählichem ranfahren kann.
Die Beete des Biotopia Labs können vielseitig bepflanzt werden. Es gibt unter anderem ein barrierefreies Beet (li. vorne), an das man mit einem Rollstuhl oder ählichem ranfahren kann. © Cordelia Schlederer

Ende des Jahres wird das Museum Mensch und Natur geschlossen und der Umbau zum neuen Biotopia Naturkundemuseum Bayern gestartet. Das „Biotopia Lab“ soll in der Bauzeit von vier bis fünf Jahren „die Besucher über die Durststrecke hinweg versorgen und die Idee des neuen Biotopia greifbar machen“, so Leiterin Dr. Dora Dzvonyar.

Dr. Dora Dzvonyar 

„Biotopia Lab“ in München - Ein Museum für Mensch und Natur

Ob mit dem VR-Flugsimulator „Birdy“ wie ein Vogel über das Naturschutzgebiet des Berchtesgadener Lands fliegen oder die gelbe Wiesenameise dabei beobachten, wie sie sich die Blattlaus als Nutztier hält: Im „Biotopia Lab“ kann man Natur erleben. Das Motto: „Mitmachen, ausprobieren, entdecken.“

„Es handelt sich nicht direkt um ein Museum, mehr um ein ‚Do‘-seum, wo man auch Sachen tun kann und interaktiv mit der Natur sein kann“, erklärt Prof. Dr. Michael John Gorman, der Gründungsdirektor von Biotopia – Naturkundemuseum Bayern.

Prof. Dr. Michael John Gorman

Interaktive Erfahrungen im „Biotopia Lab“ - Die Besucher sind mittendrinn in der Natur

Der 350 Quadratmeter große Raum ist flexibel nutzbar. Neben einer Dauerausstellung, in der unter anderem Lebendexponate wie die Seidenraupen zu bestaunen sind, gibt es einen Pop-Up-Ausstellungsbereich (siehe Kasten). Den Anfang macht ein Lebewesen, das weder Tier noch Pflanze ist: der Pilz. „Zwei bis drei Mal im Jahr wird hier das Thema wechseln“, erklärt Dr. Dora Dzvonyar .

Im an die Ausstellung angrenzenden Workshop-Bereich können neugierige Besucher zum Beispiel aus einer Linse ein Mikroskop bauen, eine DNA isolieren oder die eigene Pilzzucht anlegen. In der Experimentierküche können Gruppen wie Schulklassen lernen, kleine Organismen zu verstehen.

Außerdem können die Klassen in Beeten des Botanischen Gartens ihre eigenen Nutzpflanzen anbauen. Laut Dzvonyar soll der Raum langfristig auch für Veranstaltungen genutzt werden: „In Zukunft wollen wir hier auch Hackathons und Science Slams organisieren.“

Mit dem Konzept von Biotopia will sich Gorman abgrenzen: „Wir sind nicht mehr das Naturkundemuseum des 19. Jahrhunderts, wo man als Besucher draußen steht, in die Natur guckt, wie schön das ist. Nein, jetzt sind wir auf einmal mittendrin. Wir beeinflussen die Natur.“ Es gehe um die Frage, wie unsere Beziehung als Mensch zur Natur ist und wie wir mit ihr in Zukunft umgehen wollen.

Pilze in ungewöhnlichen Formen

Pilze zum Anfassen: Das gibt es bei „Fungi for Future – Die (un)sichtbare Kraft der Pilze“, der ersten Pop-Up-Ausstellung des „Biotopia Lab“. Unter anderem wird darin erklärt, wieso die Pilze als Organismen wichtig für unsere Gegenwart und Zukunft sind. Wie man aus Pilzen Turnschuhe herstellt und warum sie auf Bananen eine zerstörerische Kraft entwickeln, erfährt man, wenn das „Biotopia Lab“, Menzinger Straße 65, voraussichtlich Anfang Dezember öffnet. Bis dahin bietet das Lab ein digitales Programm zum Experimentieren zuhause an – vom Flaschengarten bis zur heimischen Pilzzucht. Geplante Öffnungszeiten ab Dezember: montags bis freitags von 13 bis 16 Uhr und an Wochenenden von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos, weitere Infos auf www.lab.biotopia.net im Internet.

Cordelia Schlederer

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bund-Länder-Konferenz zur Corona-Krise ‒ Beratung zu längerem Lockdown mit weiteren Kontaktbeschränkungen
Bund-Länder-Konferenz zur Corona-Krise ‒ Beratung zu längerem Lockdown mit weiteren Kontaktbeschränkungen
Gartenhütte durch Feuer komplett zerstört ‒ Münchner müssen schwer verletzt ins Krankenhaus
Gartenhütte durch Feuer komplett zerstört ‒ Münchner müssen schwer verletzt ins Krankenhaus
Corona-Test in München und Landkreis – Wo man sich in der Stadt testen lassen kann
Corona-Test in München und Landkreis – Wo man sich in der Stadt testen lassen kann
Schulen in München: Mehr Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht in Corona-Hotspots
Schulen in München: Mehr Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht in Corona-Hotspots

Kommentare