„Nur den Hintern hoch kriegen“

Viel zu wenig Bewegung: Kinder- und Jugendbericht schlägt Alarm – Corona verschärft die Situation noch mehr

Mutter fährt mit Kindern Fahrrad.
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Wenn Eltern aktiv sind, überträgt sich das auf die Kinder.

Kinder und Jugendliche litten schon vor Corona an Bewegungsmangel. Corona macht die Situation komplizierter. Auch die Eltern müssen Bewegung stärker fördern.

  • Experten alarmiert: Bewegungsmangel bei Kindern wird durch Corona verschärft
  • Schulen bemühen sich um Angebote für zu Hause
  • Wie Eltern ihre Kinder fördern können

80 Prozent der Kinder in Deutschland bewegen sich weniger als eine Stunde pro Tag – das stellt der Kinder- und Jugendsportbericht fest. Das war vor Corona. „Die Situation ist in der Pandemie sehr viel schlechter geworden“, erklärt Berthold Koletzko, Professor für Kindermedizin in der Haunerschen Klinik (LMU) und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.

Prof. Berthold Koletzko

Eine aktuelle Umfrage mit 1000 Familien habe gezeigt: Besonders Kinder ab zehn Jahren haben sich um 60 Prozent weniger bewegt. Nun mussten Sportvereine wieder zusperren. Auch das Outdoor-Sportprogramm der Stadt musste abgesagt werden.

Sportvereine im Münchner Westen und Münchner Osten bieten mittlerweile Online-Angebote im Corona-Lockdown an.

Bewegungsmangel bei Kindern wird durch Corona verschärft - Angebote für zu Hause

Eine Forderung seit langem: Mehr Sport in der Schule. Aktuell bemühe man sich, den Sportunterricht aufrechtzuerhalten, heißt es aus dem Kultusministerium. Die „Sportstunde zuhause“, eine Internetseite mit Sportangeboten für den Distanzunterricht im Frühjahr entworfen, ist weiterhin verfügbar.

Die Bewegungsinitiative „Voll in Form“, bisher an Grundschulen umgesetzt, will regelmäßige spielerische Bewegungspausen in den Unterricht integrieren und wird nun an Mittelschulen weitergeführt. „Der Schlüssel ist, Kindern mit Bewegungsspielen zu vermitteln, dass Sport Spaß macht.

15 Prozent der Kinder sind übergewichtig, eine Hypothek für das weitere Leben“, mahnt Koletzko. Weitere Folgen des Bewegungsmangels sind Haltungsschäden und Koordinationsschwächen. Kinder hätten einen natürlichen Bewegungsdrang. „Und wir gewöhnen ihnen das ab.

Bewegung muss in den Alltag integriert werden - Eltern als Vorreiter

Klar ist aber auch: „Die Schule kann nicht alles richten.“ Es brauche mehr Bewegung im Alltag, wenn möglich sollte man zu Fuß gehen oder Rad fahren. Statt des „Elterntaxis“ gebe es andere Möglichkeiten für einen sicheren Schulweg, wie der „Walking Bus“, bei dem mehrere Kinder mit einem Erwachsenen zum Kindergarten oder zur Schule gehen. Die Familie habe großen Einfluss: „Wenn Eltern aktiv sind, hat das einen unwiderstehlichen Effekt auf Kinder.“

Besonders Mädchen bewegen sich zu wenig. „Der Bewegungsdrang ist bei Mädchen im Mittel geringer als bei Jungen.“ Alte Rollenbilder müssten aufgebrochen werden. Zudem brauche es Vorbilder.

Anders als im Frühjahr sind Spielplätze geöffnet – ebenso städtische Anlagen für Individualsport. Bei schlechtem Wetter könne man auch zuhause Bewegungsspiele machen. Damit das möglich ist, rät Koletzko: „Man sollte die Wohnung möglichst so gestalten, dass sich Kinder dort auch bewegen können. Man muss nur den Hintern hoch kriegen.“

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