Was generell zu beachten ist

Augen auf beim Gebrauchtwagen-Kauf ‒ Die Odyssee eines Münchners wegen eines neuen Autos

Manuel Ziegler hat beim Kauf eines gebrauchten „Minis“ viel Geld, Zeit und Nerven eingebüßt.
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Manuel Ziegler hat beim Kauf eines gebrauchten „Minis“ viel Geld, Zeit und Nerven eingebüßt.
  • Ursula Löschau
    VonUrsula Löschau
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Es macht einen Unterschied, ob man ein Auto vom Händler oder einer Privatperson kauft. Hallo München und die Verbraucherzentrale Bayern klären über den Gebrauchtwagenkauf auf.

Manuel Ziegler hat nach schlechten Erfahrungen vom Gebrauchtwagenkauf erstmal die Nase voll. Acht Monate lang ärgerte er sich zunächst darüber, dass Mängel am Auto nicht wie versprochen beseitigt wurden und er dabei Zeit, Geld und Nerven einbüßte.

Dann habe sich ein zugesagter Rückkauf wochenlang ergebnislos hinausgezogen. Inzwischen hat er das Auto weiterverkauft. Was bleibt, ist ein finanzieller Verlust und das Gefühl, getäuscht worden zu sein.

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Augen auf beim Gebrauchtwagen-Kauf - Die Odyssee eines Münchners

Der 42-jährige Projektmanager ging nämlich davon aus, den damals knapp neun Jahre alten „Mini“ von einem Autohaus im Münchner Westen erworben zu haben. Der Verkäufer dagegen – der für dieses Autohaus tätig ist – erklärt: „Ich habe das Auto privat an Herrn Ziegler verkauft.“ Und das mache beim Gebrauchtwagenkauf einen großen Unterschied aus, wie Simone Bueb von der Verbraucherzentrale Bayern auf Hallo-Anfrage erklärt (siehe Kasten unten).

Doch zurück zu Zieglers Odyssee: Alle persönlichen Kontakte hätten in dem Auto­haus stattgefunden, von der Besichtigung des Wagens über die Vertragsunterzeichnung und Übergabe bis hin zu zwei Terminen, die eigentlich der Mängelbeseitigung hätten dienen sollen. Dabei sei es hauptsächlich um ein defektes Soundsystem und ein Problem bei der elektronischen Einparkhilfe gegangen.

„Ich bin davon ausgegangen, dass ich das Auto über den Händler beziehe.“ Als Indiz dafür kann der Harlachinger einen „Kaufvertrag für den Verkauf eines gebrauchten Kraftfahrzeuges von einem Unternehmer an Privat“ vorweisen. Darin übernimmt der Verkäufer für ein Jahr die Haftung wegen Sachmängeln.

Manuel Ziegler

Ziegler war das wichtig. „Ohne eine Gewährleistungspflicht hätte ich dort nie ein Auto gekauft.“ Allerdings taucht in der Spalte „Verkäufer“ nicht die Firma auf, sondern Name und Privat­anschrift des besagten Mitarbeiters. Dieser habe sich dann an diverse Zusagen und Versprechen nicht gehalten, selbst auf Schreiben von Zieglers Anwalt habe er nicht reagiert. „Auf mich macht es den Eindruck, als ob diese Hinhaltetaktik schon ein bisschen Methode hat“, so der 42-Jährige.

Das weisen sowohl der Verkäufer als auch der Auto­hausbetreiber gegenüber Hallo entschieden zurück. Letzterer erklärt: „Damit haben wir als Firma nichts zu tun. Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen.“ Er habe die Angelegenheit jetzt seinem Anwalt übergeben.

Der Verkäufer beteuert, als Privatmann gehandelt zu haben. Im Zuge eines regen E-Mail- und Chat-Verlaufs schreibt er an Ziegler: „Wie das Ganze gelaufen ist, tut mir sehr leid.“ In der gleichen E-Mail von Mitte Oktober sichert er zu, den Wagen für 8285 Euro (7500 Euro Kaufpreis plus weitere Unkosten) zurückzukaufen. Als Ziegler bis Weihnachten kein Geld sieht, verkauft er den „Mini“ für 4300 Euro an einen „privaten Bastler“.

Das rät die Verbraucherzentrale Bayern beim Gebrauchtwagen-Kauf

Simone Bueb von der Verbraucherzentrale rät: „Grundsätzlich sollten Verbraucher gerade bei solchen Fällen genau im Vertrag schauen, wer ihr Vertragspartner ist. Der äußere Anschein, es könnte gewerblich sein, reicht leider nicht aus.“

Ihre Kollegin Julia Zeller ergänzt: „Für den konkreten Fall ist das Verhältnis zwischen dem (Privat-)Verkäufer und dem Autohaus nicht von Bedeutung. Es kommt entscheidend darauf an, wie das Verhältnis zwischen Verkäufer und Käufer gestaltet ist und ob es sich hier um einen Privatkauf handelt oder nicht. Allein die Tatsache, dass der Verkäufer beruflich als Autoverkäufer tätig ist, schließt einen Privatkauf nicht aus.“

Manuel Ziegler bleibt enttäuscht. „Mir war der Passus mit der Gewährleistung wichtig. Auf die Adresse des Verkäufers habe ich dabei leider nicht geachtet. Das passiert mir künftig nicht mehr.“ Erstmal verzichtet er jedoch auf ein eigenes Auto.

Händler oder privat: Die Unterschiede – was generell zu beachten ist

Simone Bueb vom Referat Markt und Recht der Verbraucherzentrale Bayern erklärt die Unterschiede beim Kauf eines gebrauchten Fahrzeugs von privat oder von einem Gewerbetreibenden: „Private Verkäufer eines Gebrauchtwagens schließen meist die Haftung für Sachmängel vertraglich aus. Das ist möglich, außer sie verschweigen einen Mangel. Gewerbliche Händler dürfen das nicht ausschließen.“

Bei einem gewerblichen Händler werde innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Erwerb des Fahrzeuges vermutet, dass ein Mangel bereits vor dem Kauf vorlag. „Diese Vermutungsregelung gilt bei einem Privatkauf nicht. Hier muss der Käufer gegebenenfalls nachweisen, dass der Mangel bereits beim Kauf vorhanden war“, führt Bueb aus.

Gegenüber einem gewerblichen Händler kann der Käufer laut Verbraucherzentrale folgende Rechte einfordern: Behebung der Mängel innerhalb einer bestimmten Frist oder Minderung des Kaufpreises und wenn die Mängelbehebung zweimal scheitert, kann der Käufer auch vom Vertrag zurücktreten. Bei einem Privatkauf hingegen könne die Gewährleistung für Mängel auch vollständig ausgeschlossen werden, „sodass der Käufer möglicherweise gar keine Rechte zur Mängelbeseitigung hat“. Bueb ergänzt: „Dies ist nur anders, wenn der Verkäufer einen Mangel arglistig verschwiegen haben sollte.“ Dies war im aktuellen Fall (siehe oben) allerdings nicht das Problem.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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