Nein zum „Zeichen für Toleranz“

UEFA lehnt Allianz Arena in Regenbogenfarben zum EM-Spiel Deutschland-Ungarn ab - München plant Alternativen

Das Münchner EM-Stadion in Regenbogenfarben
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Die Allianz Arena in München wird zum EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn nicht in Regenbogenfarben leuchten, wie zum CSD im Jahr 2016.
  • Benedikt Strobach
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  • Tim Pohl
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UEFA lehnt den Wunsch der Stadt München ab, die Allianz Arena zum EM-Spiel Deutschland-Ungarn in Regenbogenfarben zu beleuchten. OB Reiter plant Alternativen.

  • Der Stadtrat Münchens und OB Dieter Reiter wollten die Allianz Arena zum EM-Spiel am Mittwoch in Regenbogenfarben leuchten lassen.
  • Es sollte ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz sowie ein Statement gegen Ungarns Regierung werden.
  • Die UEFA lehnt den Antrag jedoch ab. Die Stadt kündigt daraufhin Alternativen an.

Update: 22 Juni

UEFA lehnt Antrag von Stadtrat und OB Reiter ab, Allianz Arena in Regenbogenfarben zu beleuchten - München reagiert

Fröttmaning - Die UEFA hat den Wunsch der Stadt München abgelehnt, die „Fußball Arena München“, wie die Allianz Arena während der EM genannt wird, im letzten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn in Regenbogenfarben zu beleuchten.

Auf Hallo-Anfrage erklärte der Verband, er sei politisch und religiös neutral. Da die Anfrage der Stadt im Kontext zu einer Entscheidung des ungarischen Parlaments stehe, müsse man diese ablehnen. Man habe aber vorgeschlagen, die Arena zum „Christopher Street Liberation Day“ am 28. Juni oder zur Münchner „Pride Week“ in Regenbogenfarben leuchten zu lassen.

Stadtrat und OB Dieter Reiter hatten sich dafür stark gemacht, da Ungarn am 15. Juni ein Gesetz erlassen hatte, welches Informationen zu Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit verbietet, die für Kinder und Jugendliche zugänglich sein könnten. Reiter betonte, dass dies unter anderem gegen die EU-Grundrechtecharta und die UN-Kinderrechtskonvention verstoße und appellierte, die Beleuchtung zu erlauben, um ein „sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis zu senden.“

OB Reiter kündigt an: Rathaus in München wird mit Regenbogenfahnen beflaggt, Olympiaturm und Windrad bunt beleuchtet

Reiter sei von UEFA und DFB enttäuscht. Man werde das nicht tatenlos hinnehmen: „Wir werden nicht nur das Münchner Rathaus mit Regenbogenfahnen beflaggen, sondern auch das Windrad an der Arena bunt leuchten lassen und den Münchner Olympiaturm“, kündigt er an.

Nicht nur die Stadt will handeln: Das Münchner „Christopher Street Day“-Team hat angekündigt, regenbogenfarbene Flaggen vor dem Stadion zu verteilen. Die Idee: Bis zu 11 000 Fans setzen damit beim Spiel ein Zeichen gegen Homo- und Trans-Feindlichkeit. Die Organisatoren einer Online-Petition, die Arena in Regenbogenfarben leuchten zu lassen, haben die über 290.000 Unterzeichner aufgefordert, DFB-Präsident und UEFA-Exklusivkomitee-Mitglied Rainer Koch um Unterstützung zu bitten. Das Wohn- und Kulturzentrum „Bellevue di Monaco“ hat erklärt, sein Dachsport-Stadion „Kurt-Landauer-Platz“ in Regenbogenfarben leuchten zu lassen.

Auch BA Moosach will Zeichen für Toleranz setzen: Zebrastreifen in der Riesstraße soll in Regenbogenfarben markiert werden

Auch der BA Moosach möchte ein Zeichen für Toleranz setzen. Auf Initiative der Grünen fordert das Gremium, einen Zebrastreifen in der Riesstraße zur „Pride Week“ von 3. bis 11. Juli temporär in Regenbogenfarben zu markieren.

„In den Pandemie-Sommern konnte der Christopher Street Day nicht wie gewohnt stattfinden. Vielen Vereinen und Einrichtungen fehlt die wichtigste Plattform zur Präsentation der eigenen Arbeit“, heißt es. Auch, weil München sich 2026 als Austragungsort der „Gay Games“, einer globalen Sportveranstaltung speziell für homosexuelle Teilnehmer, bewirbt, wäre es ein wichtiges Zeichen.

Zwei Standorte sind vorgeschlagen: Der Osteingang des Olympia-Einkaufszentrums oder die Kreuzung zur Gneisenaustraße.

So könnten sich die Grünen im BA Moosach den Zebrastreifen an der Kreuzung Ries-/Gneisenaustraße zur „Pride Week“ in Regenbogenfarben vorstellen.

Das Mobilitätsreferat hält die Maßnahme jedoch nicht für umsetzbar. „Das Mobilitätsreferat als Straßenverkehrsbehörde darf Ge- oder Verbote ausschließlich nach den geltenden Vorschriften der Straßenverkehrsordnung anordnen“, erklärt Sprecherin Christina Warta auf Hallo-Nachfrage. Fußgängerüberwege, wie etwa Zebrastreifen, müssen in weiß markiert werden. „Von diesen rechtlichen Vorgaben kann die Behörde nicht abweichen.“

Zudem sei es aus Sicht des Referats für die Verkehrssicherheit wichtig, dass „Zebrastreifen im ganzen Stadtgebiet einheitlich markiert und beschildert werden und als solche sofort und klar erkennbar sind. Bunte Streifen und damit ein anderes Erscheinungsbild tragen nicht zur klaren Erkennbarkeit bei.“

Zudem verweist Warta auf einen ähnlichen Antrag des BA Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, den das Mobilitätsreferat in Zusammenarbeit mit Baureferat und KVR Anfang Juni beantwortet hat. Darin wird erklärt, dass temporäre Markierungen zwar nicht mit offiziellen Mitteln umsetzbar sind, aber beispielweise durch „handelsübliche wasserlösliche Markierungskreiden“ realisiert werden können. Dieses Vorhaben muss aber beim KVR angemeldet werden.

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Erstmeldung vom 21. Juni:

In einem fraktionsübergreifenden Antrag hat sich der Münchner Stadtrat dafür ausgesprochen, die EM-Arena in Fröttmaning zum Gruppenspiel Deutschland – Ungarn am Mittwoch in Regenbogenfarben zu beleuchten. Mit einem Schreiben an UEFA-Präsidenten Aleksander Čeferin und den Vizepräsidenten des Deutschen Fußball-Bunds, Dr. Rainer Koch, bittet Oberbürgermeister Dieter Reiter die beiden Verbände, dieses Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz zu unterstützen.

In dem Schreiben weist Dieter Reiter auf das Gesetz zum Informationsverbot über Homosexualität und Transsexualität für Jugendliche, welches vergangene Woche vom ungarischen Parlament verabschiedet wurde, hin. Dies sei ein homo-, sowie transphober Schritt, der unter anderem der EU-Grundrechtscharta widerspreche.

Dieter Reiter mit Brief an UEFA: Wünscht sich Regenbogenfarben für die Münchner Arena

„Ich bitte Sie deshalb, gemeinsam mit dem DFB an diesem Tag und während des Spiels eine Beleuchtung der Arena in Regenbogenfarben zu ermöglichen und so ein weithin sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis zu senden“, so Reiter im weiteren Verlauf des Schreibens. München wolle mit diesem Schritt einen Beitrag zur Weltoffenheit und Toleranz leisten. „Ich appelliere außerdem an die UEFA, sich auch darüber hinaus gerade aus Anlass der EURO2020 mit deren medialer Reichweite nachdrücklich und sichtbar für Toleranz und Gleichstellung einzusetzen.“

Die Reaktion der UEFA blieb bis jetzt noch aus. Davon unabhängig wird das Münchner Rathaus bereits ab morgen mit Regenbogenfarben geschmückt, um ein deutliches Zeichen zu setzen.

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