Die Lady Gaga Münchens

200. Geburtstag von Lola Montez - Warum die Geliebte von König Ludwig ihrer Zeit weit voraus war

Lola Montez war laut Historikerin Prof. Dr. Krauss schon 1945 eine „erfolgreiche, emanzipierte Feministin“.
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Lola Montez war laut Historikerin Prof. Dr. Krauss schon 1945 eine „erfolgreiche, emanzipierte Feministin“.
  • Marie-Julie Hlawica
    vonMarie-Julie Hlawica
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Zum 200. Geburtstag von Lola Montez gibt es neue Erkenntnisse über die Geliebte von König Ludwig I. Über diese spricht Historikerin Prof. Dr. Marita Krauss in Hallo.

Schamlose Mätresse, gewiefte Hochstaplerin, infame Betrügerin – wenig lobende Worte gab es 1848 für Lola Montez, die Geliebte des Königs Ludwigs I, bei Ihrer Flucht aus München.

Die Starnberger Historikerin Prof. Dr. Marita Krauss rückt mit ihrer neuen Biografie über die gebürtige Britin Elisabeth Gilbert und selbsternannte Tänzerin Lola Montez, in ein ganz anderes Licht: „Als erfolgreiche, emanzipierte Feministin, die es heute locker mit einer Lady Gaga oder Madonna aufnehmen könnte.“

Krauss ist alle Quellenaufzeichnungen erneut durchgegangen. Ihre Erkenntnis: „Lola war aus heutiger Sicht eine echte Medienspezialistin. Sie nutzte Presse und Journalistenkontakte und wusste genau, wie sie sich in Szene setzen und die Werbetrommel für sich rühren musste. Sie hat bewusst polarisiert!“

Historikerin Prof. Dr. Marita Krauss rückt Lola Montez mit ihrer neuen Biografie in ein ganz anderes Licht.

Denn die Engländerin hat dem bayrischen Herrscher nicht nur komplett den Kopf verdreht, sondern durch ihren politischen Einfluss in der Landeshauptstadt auch für eine politische Revolution gesorgt, die mit Lolas überstürzten Flucht aus München endete.

Die Autorin Krauss ist überzeugt: „Heute wäre Lola damit ein Star in allen Social Media Kanälen, hätte vielleicht eine Live-Show.“

Ein Rückblick: Um nach London, Warschau und Paris auch in München auftreten zu können, wandte sich die 25-jährige Tänzerin im Oktober 1846 frech direkt an König Ludwig I.

Er verliebte sich als 60-Jähriger Hals über Kopf in die junge Lola, beschenkte und verehrte sie. Die Münchner Gesellschaft störte sich an der emanzipierten Lola und warf ihr vor, was der König an ihr liebte.

Trotzdem – oder gerade deswegen – hat Lola bis heute Spuren an der Isar hinterlassen (siehe unten). Die offensichtlichste ist das Lola-Montez-Haus – heute eine Event-Location, die man mieten kann. 

Das Lola-Montez-Haus an der Menterschwaige war einst das Liebesnest von Ludwig I. und Lola.

Krauss weiß aus ihrer Recherche: „Sie war blitzgescheit, charmant, faszinierend und mit ihren Tabubrüchen als Frau weit ihrer Zeit voraus.“

Die talentierte Selbstdarstellerin war 1847 das Gespräch der Stadt. Ihr erotischer Tanz, der nichts mit französischer Ballettschule gemein hatte, irritierte zudem: „Sie verfügte über eine elektrisierende Bühnenpräsenz, inszenierte ihre Kunstfigur brillant.“

Als Frau entsprach Lola nicht den üblichen Erwartungen: „Sie sprach, weitgereist, mehrere Sprachen, hatte Witz und Bildung, rauchte öffentlich Zigarillos und nahm sich, was sie wollte: Männer, Geld, Ruhm und Popularität.“

Der gehobenen Gesellschaft in München war sie nicht willkommen: „Kaum einer konnte sich ihrer außergewöhnlichen Persönlichkeit und faszinierenden Präsenz entziehen. Wenige haben sie geliebt, viele haben sie gehasst.“

Aus München vertrieben: Lola floh nach New-York

Als der König Lola zur Gräfin Landsfeld in den Adelstand erhob und sie selbst politisch aktiv wurde, gab es einen Aufstand: Ludwig musste ihr die bayerische Staatsbürgerschaft aberkennen und sie zur Fahndung ausschreiben.

Lola wurde 1848 aus München vertrieben, kurz darauf brach die Revolution aus und Ludwig I, gekränkt durch Lolas Vertreibung und die Revolution, trat zurück.

Lola floh nach New York, baute sich dort als Schauspielerin, Tänzerin, Autorin und als Unternehmerin eine Karriere auf, starb mit 39 Jahren an einer Lungenentzündung.

Marita Krauss hätte Lola gerne kennengelernt, mit ihr gesprochen: „Man muss sie bewundern für ihre physische und psychische Leistung: Reisen, Auftritte, das hohe Tempo, das sie in ihrem kurzen Leben an den Tag legte. Lebte sie heute, würde man sagen: Was für eine Powerfrau!“

Zu Fuß auf Lolas Spuren in München 

Elizabeth Rosanna Gilbert, am 17. Februar 1821 in Schottland geboren, zieht 1846 als „spanische Tänzerin Lola Montez“ nach München in den Bayerischen Hof am Promenadeplatz.

Sie spricht bei König Ludwig I. vor, tritt erstmals am 10. Oktober 1846 im damaligen Hoftheater am heutigen Max-Joseph-Platz vor ihm auf. Der König schenkt ihr verliebt das Palais Barer Straße 19 und verleiht ihr den Grafentitel.

Lola ist tags in der Residenz, trifft ihre Burschenschaft im Rottmann’schen Kaffeehaus, gegenüber Luigi Tambosis Hofgartencafé.

Lolas Porträt hängt in der „Schönheitengalerie“ im Nymphenburger Schloss, einer ihrer Zigarettenstummel, bei ihrer Flucht 1848 von Graf Arco-Zinneberg gesammelt, ist im Münchner Stadtmuseum ausgestellt. Das Liebesnest von Lola und Ludwig I. liegt an der Isarhochleite 71.

mjh

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