München ist aufs Huhn gekommen

Trend zum Huhn – Immer mehr Münchner Haushalte und Einrichtungen halten Hühner – die Hintergründe

Hellbraunes , japanisches Seidenhuhn.
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Die Zahl der Münchner Haushalte und Einrichtungen, die Hühner halten, hat sich verdoppelt

Der Trend zum Huhn nimmt in München zu. Die Zahl der Haushalte und Einrichtungen, in denen es gackert, hat sich in München in den letzten vier Jahren verdoppelt. Warum die Hühnerhalter ihre Tiere nicht mehr missen wollen...

München Die japanischen Seidenhühner in der Kinderkrippe in Obermenzing sind echte Feinschmecker: „Besonders gern mögen sie Banane, frischen Salat, Regenwürmer und Maden, das schmeckt ihnen“, sagt Bettina Walz (47), Leiterin der Kinderkrippe Gustav-
Meyrink-Straße der Diakonie Rosenheim.

Seit drei Jahren sausen sie im großen Garten der Krippe die drei flauschigen, hellbraunen Hühner mit dem lustigen Federbausch auf dem Kopf umher. Hühner mitten in der Stadt? Kein Einzelfall. Der „Trend zum Huhn“ nimmt in München zu.

Waren es vor vier Jahren noch nur knapp 200 Haushalte, sind es heute schon mehr als 400 dem KVR gemeldete private Hühnerhaltungen in der Landeshauptstadt. „Die überwiegende Mehrheit sind reine Hobbyhaltungen“, bestätigt Johannes Mayer, Sprecher des KVR, dem die Huhn-Haltung gemeldet werden muss.

Bettina Walz (47) mit den drei flauschigen, hellbraunen Hühner der Kindergrippe.

Feste Kooperation mit Tierarzt stellt Gesundheit sicher

Aber auch Altenheime oder Pädagogische Einrichtungen wie die Krippe in Obermenzing sind dabei. Für die Kinder der Krippe sind Uschi, Uschi und Uschi wie die drei optisch verwechselbaren Hühner der Einfachheit halber heißen, selbstverständlich. Sie lassen sie in Ruhe brüten, spielen behutsam mit ihnen fangen oder verstecken.

Bettina Walz: „Auf den Hahn haben wir verzichtet, sein Krähen könnte Nachbarn stören.“ Die Eltern haben den wetterfesten Stall gezimmert, kümmern sich im Wechsel um die Fütterung und Pflege des Federviehs an Wochenenden oder Schließzeiten. Eine feste Kooperation mit einem Tierarzt stellt sicher, dass die Hühner gesund, geimpft und frei von Hühnergrippe sind.

Das KVR hat auch da ein Auge drauf: „Laut Viehverkehrsverordnung müssen die Tiere dem örtlichen Veterinäramt angemeldet und registriert werden, in erster Linie wegen der Tierseuchenbekämpfung.“ Das heißt, ein Tierarzt muss sie regelmäßig impfen und kontrollieren.

Auch das Seniorenheim St. Martin in Giesing ist als Hühnerhalter gemeldet: „Babette und Pablo sind Teil einer Abteilung, in der die Menschen nicht mehr selbständig das Haus verlassen können. Der Kontakt zu den Zwerghühnern tut den Bewohnern gut“, bestätigt Thomas Matern von Münchenstift.

Auch das Seniorenheim St. Martin in Giesing hält Hühner.

Alternative für Menschen mit Tierhaarallergie

Familie Pötzsch aus dem Südwesten von München hat sich ihre Hühner nur gemietet. Eine Tierhaarallergie haben Hund und Katz als Haustiere in der fünfköpfigen Familie ausgeschlossen. „Wir haben von Miethühnern gehört, waren begeistert. Hanni, Nanni, Rosi und Resi sind seit Ende Juli und noch bis November bei uns.

Unsere Töchter Luzie, Elijana und Olivia lieben sie sehr, füttern sie mit Zucchini, Mehlwürmern und Körnern!“ Der große Garten sei ideal: „Die Kinder sind viel mit den Hennen im Freien. Morgens nach dem Aufstehen geht’s erst mal nach den Eiern schauen!“ Vier Stück sind es pro Tag, „das Eigelb ist dunkler, schmeckt intensiver.“

Gegacker und lachende Gesichter: Die Münchner, die bereits Hühner haben, möchten sie nicht mehr missen.

An den Abschied von den Hühnern und die Tränen ihrer Töchter im Herbst mag Pötzsch gar nicht denken: „Entweder wir mieten die vier im nächsten Jahr wieder – oder wir schaffen uns doch eigene an!“

Wer ausprobieren will, wie groß seine Hühner-Liebe ist, kann die Tiere beispielsweise bei Tine Strobel mieten (www.strobels-huehner.de).         

Gut zu wissen

Hahn und Henne sind Kleintiere, ihre Haltung grundsätzlich im Wohngebiet erlaubt. Vermieter müssen der Haltung zustimmen, die Hausgemeinschaft ebenso. Die Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung (TierSchNutztV) legt fest, wie Hühner gehalten werden sollen, was Auslauf, Futter und Stall betrifft. Das KVR, das Veterinäramt und die Tierseuchenkasse müssen informiert werden.

Marie-Julie Hlawica

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