Große Chance oder unerforschtes Risiko

Mobilfunk: Gefahr durch Ausbau des 5G-Netzes in München?

Immer mehr Funkmasten in München werden mit 5G aufgerüstet.
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Immer mehr Funkmasten in München werden mit 5G aufgerüstet.
  • Andreas Schwarzbauer
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Der Aufbau des neuen 5G-Netzes ist umstritten. Manche fürchten um ihre Gesundheit. Was Befürworter entgegnen und wie weit der Netzausbau in München ist ...

  • Sendlingerin reagiert sensibel auf Mobilfunkstrahlung und fürchtet daher dem Ausbau des 5G-Netzes in München
  • Kritiker warnt vor stärkerer Strahlung von 5G
  • Befürworter verweist auf Chancen unter anderem für Homeoffice und autonomes Fahren durch neues Mobilfunknetz

München - Sie konnte nicht mehr schlafen, fühlte sich schlapp und konnte sich nicht mehr konzentrieren. So ging es der Sendlingerin Veronika Stauer (35), als sie nach dem Studium in eine neue Wohnung gezogen war.

Sorge wegen Ausbau von 5G in München

„Es fühlte sich an, als würde ich unter Strom stehen. Also habe ich die elektromagnetische Spannung in der Wohnung gemessen.“ Das Ergebnis sei sehr hoch gewesen. Sie zog in eine andere Wohnung. Dort verlegte sie ihr Schlafzimmer in den Raum mit den niedrigsten Mess­ergebnissen, schaffte ihr Handy ab und ging nicht mehr über das WLAN ins Internet. Seitdem fühle sie sich besser. „Ein nicht zu unterschätzender Teil der Bevölkerung reagiert sensibel auf Funkstrahlen“, bestätigt der Münchner Klaus Buchner, ehemaliger Professor für Mathematik und Mobilfunkkritiker.

Veronika Stauer aus Sendling befürchtet eine höhere Strahlenbelastung durch die neuen Handy-Masten für 5G.

Doch nun befürchtet Stauer neue Probleme. Der Grund: der Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes. „Bei 5G ist die Energie stärker und die Frequenzen sind nicht ausgetestet. Außerdem kommen viele Antennen dazu. Man sollte erst schauen, welche Folgen die neue Technologie hat“, sagt Stauer.

Forderungen nach Stopp des 5G-Ausbaus in München

Das fordert auch der Verein für Elektrosensible und Mobilfunkgeschädigte München. Er hat gemeinsam mit 149 weiteren Initiativen aus Deutschland einen offenen Brief an die Politik geschrieben. Der 5G-Ausbau müsse ausgesetzt werden, bis nachgewiesen sei, dass die Technologie unbedenklich sei.

Buchner würde den 5G-Ausbau komplett stoppen: „Es gibt durch 5G eine ganze Reihe von physikalischen Wirkungsmechanismen in den Zellen, die nicht vorgesehen sind“, warnt er. Der Grund: „Bei 5G ist die Strahlungsstärke viel größer.“ Zudem seien die Strahlen stark konzentriert. Dadurch könne es beim Menschen zu Verkrampfungen, Herzrhythmus-Störungen und sogar Krebs kommen.

Experte verweist auf intelligente Antennen bei 5G

Peter Pauli, Professor am Institut für Funkkommunikation an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg, verweist dagegen darauf, dass der bereits seit Jahren etablierte Mobilfunkstandard LTE eine ähnliche Sendefrequenz wie 5G habe. „Deshalb sollten – allein durch die Auswahl der etwas höheren Sendefrequenzen – keine überraschenden neuen gesundheitlich schädlichen Effekte zu erwarten sein.“ Das glauben auch andere Experten.

Zudem komme bei den 5G-Antennen eine intelligentere Technik zum Einsatz: „Haben anfangs die Mobilfunkbasisstationen das zu versorgende Gebiet rundherum mit 360-Grad-Abstrahlung üppig beleuchtet, bemüht man sich bei den neuen 5G-Diensten eine individuelle Richtfunkverbindung aufzubauen, die mit erheblich geringerer Sendeleistung einen Funkkontakt herstellen kann.“ Die Belastung in der Nähe der Sendemasten werde dadurch sogar reduziert.

Vorteile durch 5G bei Netzabdeckung und Downloadraten

Pauli verweist zudem auf die Vorteile der Technologie: Durch 5G könnten alle gut ans Mobilfunknetz angebunden werden und aufgrund der höheren Downloadraten könne – wie von vielen gefordert – „alles Mögliche dauerhaft und von jedem Ort der Welt“ heruntergeladen werden. So sei auch störungsfreies Homeoffice und Homeschooling möglich.

So läuft der Ausbau des 5G-Netzes in München

Vodafone hat in München als erster Anbieter in Europa 5G unabhängig von der Vorgänger-Technologie LTE freigeschaltet. Dadurch seien höhere Bandbreiten und eine Datenübertragung innerhalb von zehn Millisekunden möglich. Vodafone hat in München bisher 84 seiner 506 Stationen auf 5G aufgerüstet. O2 hat zehn Prozent seiner 500 Mobilfunkstandorte mit 5G ausgestattet. Die Telekom habe München bereits komplett mit 5G versorgt, so ein Sprecher.

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