„Den Krampus schicke ich jetzt in Ruhestand“

Nur zwei Prozent der Familien wollen Knecht Ruprecht neben Nikolaus sehen

+

München: Viele fürchten sich vor einer maskierten Gestalt vom Perchtenlauf im Wohnzimmer.

Das Kettenrasseln verebbt, die Rute verdorrt – was früher fester Bestandteil des bayerischen Brauchtums war, stirbt aus. „Nur rund zwei Prozent aller Münchner Familien wollen noch einen Krampus“, erklärt der Inhaber eines ortsansässigen Nikolausservices. Bereits in den letzten Jahren war die Nachfrage schrittweise immer weniger geworden, heuer ist es soweit, dass der Unternehmer, der derzeit noch zwei Krampusse und elf Nikoläuse beziehungsweise Weihnachtsmänner vermittelt, sagt: „Den Krampus schicke ich jetzt in den Ruhestand.“

Den Grund der Unbeliebtheit des rußigen Gesellens sieht er in den wieder populären Perchten- oder Krampusläufen, die es dieses Jahr auch wieder zweimal in der Münchner Fußgängerzone gibt (10. Dezember ab 15 Uhr und 17. Dezember ab 16 Uhr). „Viele denken mittlerweile an diese wild aussehen Gestalten mit Masken und glauben, ihre Kinder hätten Angst“, erklärt der 54-Jährige. „So einen würde ich mir auch nicht ins Wohnzimmer holen.“ Doch der klassische Begleiter des Nikolaus, den er – noch – im Angebot hat, ist nicht furchteinflößend, hat nur eine rasselnde Kette am Gürtel, Rute, schwarze Perücke und Bart.

Wieder anderen ist der Krampus zu wenig einschüchternd: Die Eltern und Großeltern, die ihn anfragen, fordern mehr Schrecken. „Teilweise wollen sie, dass der Krampus die Kinder in den Sack steckt oder mit der Rute schlägt“, sagt der Münchner. „So was machen wir natürlich nicht, da stell ich mir immer vor, dass so ein Hanswurst vor meinen eigenen Kinder stehen würde.“

Dass es aber manchmal zumindest mahnende Worte brauchen könnte, steht auf einem anderen Blatt. „Die Kinder werden immer frecher“, beobachtet er, der seit fast 30 Jahren den Nikolausservice betreibt. „Einige reden den Nikolaus an mit ,Halt Dein Maul!‘, ,Was willst denn Du?‘ oder drohen ihm – als Siebenjährige.“

Was ihm trotzdem den Spaß an dem Einsatz erhält: „Dann gibt es doch wieder Kinder, vor allem Mädchen, die den Nikolaus mit roten Bäckchen anhimmeln.“ Wer allerdings noch kurzfristig einen Besuch buchen will, muss flexibel sein. „Die Termine am 5. und 6. Dezember zwischen 16 und 19 Uhr sind meistens schon Anfang des Jahres weg.“ Maren Kowitz

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

München: Was wünschen sich die Bewohner im Lehel? Green City startet Online-Umfrage für neues Projekt
München: Was wünschen sich die Bewohner im Lehel? Green City startet Online-Umfrage für neues Projekt
Corona-Ticker München: Drei Todesfälle - aktuelle Fallzahlen steigen weiter an - Virus-Krise bedroht Traditionshäuser
Corona-Ticker München: Drei Todesfälle - aktuelle Fallzahlen steigen weiter an - Virus-Krise bedroht Traditionshäuser
Maskenpflicht und Attest - sie dürfen auch ohne Maske unterwegs sein
Maskenpflicht und Attest - sie dürfen auch ohne Maske unterwegs sein

Kommentare