Zwischen Arien & Anekdoten

Zwei Jubiläen: Bayerische Staatsoper wird 100 – Nationaltheater 200

1918 wurde das Nationaltheater vom König an das Volk übergeben – seither heißt es Bayerische Staatsoper.
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1918 wurde das Nationaltheater vom König an das Volk übergeben – seither heißt es Bayerische Staatsoper.

München - Ein festliches Doppeljubiläum: Im Rahmen der Feierlichkeiten blickt Staatsoper-Sprecher Christoph Koch auf besondere Highlights zurück

450 verschiedene Veranstaltungen jährlich, 1000 Mitarbeiter, 2101 Plätze, 60 000 Kostüme: Das ist die Bayerische Staatsoper in Zahlen. Heuer wird ein Doppeljubiläum gefeiert: die Staatsoper wird 100 Jahre alt, das Nationaltheater 200 Jahre. Im Herbst steht eine Festwoche auf dem Programm – vom 21. September bis 3. Oktober finden Festkonzerte und ein Tag der offenen Tür statt.

Staatsoper-Sprecher Christoph Koch blickt mit Hallo auf besondere Highlights zurück.

Jetzt kommen die Feierlichkeiten langsam in Fahrt: Die Münchner können außerhalb des Gebäudes einen Rundgang durchs Haus unternehmen. Wie das? Sie nehmen auf einem Stuhl Platz, setzen eine Brille auf und reisen virtuell durch das Haus – ab 9. Juli tourt der Stuhl durch München.

Fit für die Zukunft also, das beweist die Staatsoper auch in puncto Livestream: Mittlerweile können Aufführungen via Internet auch Opernfans am anderen Ende der Welt sehen. „Von München nach Nebraska“, sagt Sprecher Christoph Koch. Bis zu 250 000 Zuschauer erreichen die Münchner via Livestream. „Das öffnet Tore und das müssen wir ausbauen.“

Was hätte Richard Wagner wohl dazu gesagt? Viele seiner Werke – „Meistersinger“, „Rheingold“, „Die Walküre“ – wurden am Max-Joseph-Platz uraufgeführt. Und das obwohl der Komponist das gar nicht wollte – „er hatte die Absicht, den Ring als Ganzes uraufführen zu lassen“, erzählt Koch. Aber da hatte er die Rechnung ohne Ludwig II. gemacht. Der bestand auf die sofortige Aufführung der ersten beiden Teile in München. Der Monarch setzte sich durch und nahm Streiterein mit Wagner in Kauf. „Im Guten sind sie nicht auseinander gegangen“, so Koch. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Oper in Schutt und Asche. Sie sollte abgerissen werden und einem Neubau weichen.

Einen Riesenärger gab es auch nach dem Zweiten Weltkrieg: Damals lag die Oper in Schutt und Asche. Sie sollte abgerissen werden und einem Neubau weichen. Die Münchner gingen auf die Barrikaden, gründeten den Verein „Freunde des Nationaltheaters“ und machten sich für den Wiederaufbau stark – 1963 wurde sie eröffnet.

In Hallo München blickt der Staatsoper-Sprecher auf besondere Highlights zurück. Ines Weinzierl

Uraufführungen

Uraufführungen: Zu ihnen hat die Staatsoper eine ganz besondere Verbindung.

Wagners „Meistersinger“ und Mozarts „Idomeneo“ wurden in München uraufgeführt. Vor 40 Jahren feierte Komponist Aribert Reimann mit „Lear“ auch eine Uraufführung in München – „diese Oper eroberte von München aus die ganze Welt“, sagt Sprecher Christoph Koch. „Man ist mit diesen Aufführungen ganz eng verbunden und ist besonders stolz darauf.“ Man hat es in Auftrag gegeben und schlussendlich erobert es die Opernhäuser der Welt.

Aufwendig

Die Oper „Saint Francois d’Assise“ feierte ihre Premiere im Jahr 2011: Ein buntes Unterfangen.

176 Liter Farbe, 40 Liter Kunstblut sowie 40 Liter Mehlbrei und Tapetenkleister: Diese Materialien wurden bei jeder Aufführung der Oper „Saint Francois d’Assise“ (Premiere: 2011) benötigt, erzählt Sprecher Christoph Koch. „Die ganze Farbe wurde auf Leinwände gesprüht.“ Keine Farbe aber 10 000 Liter Wasser werden bei „Wozzeck“ (Premiere: 2008) auf die Bühne gespült. Wichtig ist dabei die Wassertemperatur – „die Sänger dürfen sich nicht erkälten“.

Ganz Neu

Discjockey Paul van Dyk trat im Rahmen der Festspiele 2013 bei „Dyk meets Verdi“ in der Staatsoper auf.

Discjockey Paul van Dyk in der Oper! Im Rahmen der Festspiele 2013 trat er bei „Dyk meets Verdi“ in der Staatsoper auf. „Das war ein ungewöhnliches Experiment“, so Koch. Der Musiker hat damals sofort zugesagt und keine Gage verlangt, so Koch. Er hat zu seiner elektronischen Musik immer wieder Verdi eingespielt. Er agierte im Orchestergraben, während das Publikum nicht im Zuschauersaal saß, sondern auf der Bühne Platz nahm.

Musiker en masse

„Die Soldaten“feierte im Jahr 2014 Premiere: Sie galt zuvor immer als unaufführbar.

134 Musiker waren bei der Opernaufführung „Die Soldaten“ (Premiere: 2014) aktiv. Sie galt immer als unaufführbar, weil sie unzählige Musiker erfordert. „Aber man hat einen Weg gefunden“, sagt Sprecher Koch. Musiker saßen im Orchestergraben, hinter der Bühne, in den Logen und wurden sogar auf eine Probebühne gesetzt.

Die drei Hausgötter

Wolfgang Amadeus Mozart

Komponisten gab es viele an der Oper – aber dreien ist ein Raum gewidmet: der Hausgötter-Saal. Die Hausgötter sind Richard Strauss, Richard Wagner und Wolfgang Amadeus Mozart. Als letztgenannter lebte, stand das Nationaltheater noch nicht. Dennoch macht er das Trio komplett, denn seine Werke wurden im Cuvilliéstheater uraufgeführt.

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