Parteien klagen über extrem viele kaputte Plakate

Zerstörungswut im Wahlkampf

Zahlreiche Wahlplakate in der Stadt werden zerstört oder abgehängt. Die Parteien befürchten, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht ist
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Zahlreiche Wahlplakate in der Stadt werden zerstört oder abgehängt. Die Parteien befürchten, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht ist

München – Der Wahlkampf ist an seinem Höhepunkt angelangt – Wütende Bürger machen ihrem Ärger Luft, indem sie Wahlplakate zerstören – Der Schaden liegt im vierstelligen Bereich

Wahlplakate werden beschmiert, zerrissen oder verschwinden spurlos. Die Parteien in München haben im Vorfeld der Landtagswahl mit extremem Vandalismus zu kämpfen. Der Schaden gehe in einen mittleren bis hohen vierstelligen Bereich, teilten einige Parteien auf Hallo-Nachfrage mit.

„Es sind nicht nur etwas mehr Zerstörungen, sondern deutlich mehr und mit mehr Gewalt als bisher“, sagt CSU-Geschäftsführer Frank Gübner. Im Schnitt erhalte er täglich zehn Meldungen über beschmierte oder kaputte Plakatständer. „Wir kommen mit dem Anzeigen bei der Polizei nicht mehr hinterher.“

Die Zerstörungswut in dieser Wahlperiode sei besonders groß, erklärt Anna Schmidhuber.

Ates Gürpinar von der Linken schätzt, dass bisher ein Drittel der Wahlplakate seiner Partei in München zerstört wurde oder verschwunden ist. Er befürchtet, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht ist: „Wir gehen davon aus, dass dies in den nächsten Tagen und Wochen noch zunehmen wird.“ Der Grund: „Die politische Situation im Land hat sich zugespitzt.“ Der Polizei haben die Linken den Vandalismus bisher nicht gemeldet, da die Aufklärungswahrscheinlichkeit gleich null sei.

Auch die AfD sei Ziel „massiver Plakatzerstörungen“, so der Kreisvorsitzende aus München West/Mitte, Markus Walbrunn. In seinem Stimmkreis München-Pasing hätten 70 Prozent der Plakatständer eine Überlebensdauer von 24 bis 48 Stunden. Deshalb habe die Partei inzwischen verstärkt sogenannte Hohlkammerplakate in einer Höhe von 2,5 Metern oder mehr angebracht. „Dies ist leider nötig, da sonst abseits von sehr stark frequentierten Straßen eine annähernd einhundertprozentige Verlustquote droht.“

Der ÖDP wurden im Frühsommer 100 Ständer gestohlen und 50 weitere zerstört. Das habe man bei der Polizei angezeigt, teilte Andreas Klauke, Plakatierungsbeauftragter der Partei, mit.

Stündlich gehen mehrere Beschwerden über neue Zerstörungen bei den Parteien ein. Nicht alle werden bei der Polizei zur Anzeige gebracht.

Viele Parteivertreter beobachten sehr systematische Zerstörungen. Katharina Walter von der FDP sagt: „Unsere Plakate wurden zum Teil sehr professionell beschädigt.“ So sei der Slogan einer Kandidatin mit Aufklebern von „Aus Liebe zur Freiheit“ zu „Aus Liebe zum Geld“ geändert worden. Die Sticker hätten dieselbe Schriftart und Farbe wie das Original gehabt. Plakate der Grünen wiederum seien in Milbertshofen und Schwabing flächendeckend mit blauer Farbe beschmiert worden, so Anna Schmidhuber. Auch sie hat den Eindruck, dass die Zerstörungswut bei dieser Wahl besonders hoch ist.

Die Bayernpartei klagt, dass an einigen Stellen ihre Plakate abgeräumt und durch Motive anderer Parteien ersetzt werden.

Möglicherweise ist die Zuspitzung der politischen Situation einer der auslösenden Faktoren für die Zerstörungswut.

Das beobachten auch die Freien Wähler (FW). Allerdings sei es meist nicht nachweisbar, dass diejenigen, die die neuen Plakate anbringen, auch für das Verschwinden der alten verantwortlich seien. Der FW-Stadtvorsitzende Michael Piazolo hat ebenfalls den Eindruck, dass die Verluste heuer wesentlich höher sind. Er glaubt, dass sich die derzeit allgemein etwas aufgeheizte Stimmung auf diese Weise entlädt.

Die SPD hat bisher keine größeren Schäden zu beklagen. Allerdings beobachtet Sprecher Arno Laxy eine „verhaltene bis ablehnende Haltung zu wahlkämpfenden Parteien“.

Die Polizei kann die allgemeine Wahrnehmung nicht mit Fallzahlen bestätigen. Sie führt das Zerstören von Wahlplakaten als Sachbeschädigung und nicht als extra Delikt.

Andreas Schwarzbauer

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