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Zeichen setzen gegen Antisemitismus

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Auf dem St.-Jakobsplatz sollen die Münchner am Freitag ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen.
Auf dem St.-Jakobsplatz sollen die Münchner am Freitag ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen. © dpa

Die Anfeindungen werden wieder lauter: In letzter Zeit meldete die Polizei vermehrt antisemitische Taten. Jetzt wird der OB aktiv

„Das ist der jüdische Stadtrat. Sie haben hier nichts zu suchen.“ Worte, die sich CSU-Stadtrat Marian Offman anhören musste, als er auf einer AfD-Kundgebung die Stimme erhob, um dem Redner zu widersprechen. „Ein paar Leute haben dann versucht, mich wegzuschubsen“, berichtet er. Es ist ihnen nicht gelungen. „Ich zeige weiter mein Gesicht. Auch wenn die Vorurteile gegen Juden wieder lauter skandiert werden.“

Tatsächlich nimmt auch in München der Antisemitismus zu: Im Jahr 2017 registrierte die Polizei 51 antisemitische Straftaten. Eine starke Steigerung: 2016 waren es 37 Delikte, 2015 nur 24.

„Der Antisemitismus war nie weg und ist in den letzten Jahren wieder erstarkt“, erklärt auch Charlotte Knobloch von der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Antizionismus und absurde Theorien wie die jüdische Weltverschwörung würden verbreitet – bei Rechtsextremen, zum Teil aber auch bei Linksextremen und bei Bürgern aus bestimmten arabischen Kulturkreisen. „Das Judentum ist der kleinste gemeinsame Nenner“, so Knobloch.

Solche Erfahrungen hat auch Philip Egbune (38) aus Unterföhring gemacht. Er hat vorher im Osten Deutschlands gelebt, dort sei es noch schlimmer gewesen: „Dort wurde ich zum Beispiel einmal in einer Diskothek als Untermensch beleidigt“, sagt er. „Hier fühle ich mich freier und angenommener und kann mich mit Kippa wohlfühlen.“ Doch auch in München gibt es Gegenden, wo er die Kopfbedeckung versteckt. „Wenn ich im Bahnhofsviertel, wo viele Menschen aus dem arabischen Kulturkreis leben, bin, dann zeige ich die Kippa nicht“, sagt er. Ihn macht zudem der Rechtsruck in der Bevölkerung große Sorgen. „Der Ausgang der Wahlen war ein Schock“, sagt er. „Wir haben sogar darüber gesprochen, dass wir uns eigentlich überlegen müssten, in welche Länder wir im schlimmsten Fall ausweichen könnten.“

Terry Swartzberg sieht das anders: „Ich fühle mich sicher und wohl in dieser toleranten Stadt. Ich trage seit Jahren eine Kippa und habe nur positive Erfahrungen damit gemacht.“C. Schuri

„Zusammenstehen gegen Antisemitismus“ ist das Motto der Solidaritätsaktion, zu der OB Dieter Reiter am Freitag, 8. Juni, auf dem St.-Jakobs-Platz aufruft. Es wird an die Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge vor 80 Jahren erinnert und ein Zeichen gegen Diskriminierung gesetzt. Beginn: 14.30 Uhr.

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