Tradition an Heiligabend

Deftiges für Arme

Hmmmm, das duftet! Wolfgang Reithmeier, Küchenchef im Hofbräuhaus, zeigt schon mal das feine Weihnachtsessen.

Wolfgang Reithmeier kocht an Heiligabend für 800 Obdachlose.

Am Herd zischelt die Gasflamme, in der Pfanne brutzelt es leise, der Duft von zerlassener Butter zieht durch den Raum. Chefkoch Wolfgang Reithmeier wendet hastig die Fleischpflanzerl. Ganz still ist er dabei, hochkonzentriert. „Bei der Arbeit spreche ich nie“, sagt er. Tag für Tag bekocht er Hunderte Menschen im Hofbräuhaus. An Heiligabend erwartet ihn eine besondere Aufgabe: Der 53-Jährige kocht für 800 Obdachlose.

„Das hat bei uns Tradition“, erzählt er. Seit drei Jahren ist er Küchenchef im Hofbräuhaus, seitdem steht er jedes Mal am 24. Dezember in der Küche und kocht für die Menschen, die weder Geld noch ein Dach überm Kopf haben.

Was er dabei besonders liebt: Der Moment, wenn alle 800 Essen gleichzeitig an die Tische gebracht wurden und sich die Obdachlosen das Essen schmecken lassen. „Es ist fast magisch“, findet der gebürtige Niederbayer. Denn: „Viele von ihnen sind Einzelgänger. Nur an Weihnachten, da unterhalten sich alle, feiern friedlich zusammen. Und gehen dann wieder getrennte Wege.“ Für den Koch, der schon in Neu Dehli, in der Schweiz und etlichen bekannten Restaurants gearbeitet hat, ein besonderer Augenblick. Heuer steht auf dem Speiseplan: Fleischpflanzerl vom Kalb, frisches Kartoffelpüree und zartes Gemüse aus der Pfanne. „Ein bayerisches Essen“, sagt er. „Deftig – wie es sich zu Weihnachten gehört.“ Ausrichter ist der Katholische Männerfürsorgeverein, dessen Ehrenamtliche den Obdachlosen im Anschluss ans Essen dann Kaffee, Kinderpunsch und Platzerl mit Zimt und Vanille servieren.

Wenn Reithmeier sein Werk getan hat, geht er heim, wo die Familie wartet. Meistens wird es 21 Uhr, bis er fertig ist. Die beiden Kinder, sieben und zwölf Jahre alt, besuchen ihn vorher schon in der Küche. „Sie wollen mich auch sehen“, sagt Reithmeier. Zuhause kann er sich endlich sein Weihnachtsessen schmecken lassen: Suppe mit Steinpilz-Nudeln und Karpfen. Dafür muss er nicht mal kochen – das macht seine Frau. hki

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