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Kreative Aktionen machen Münchner Kindern Lust aufs Lesen

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Mit Katzen als Zuhörer liest es sich leichter.
Mit Katzen als Zuhörer liest es sich leichter. © rea

München: Am Montag, 23. April, wird mit dem Welttag des Buches das Lesen gefeiert. Um Kinder dazu zu motivieren, greift man in München tief in die Trickkiste.

Sabine Zett hat das Buch zum Welttag des Buches geschrieben.
Sabine Zett hat das Buch zum Welttag des Buches geschrieben. © kn

Am Montag, 23. April, ist Welttag des Buches. Dazu bekommen 1,2 Millionen Viert- und Fünftklässler im Rahmen der Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ ein Buch überreicht. Zum Auftakt ihrer Deutschlandtour liest die Autorin Sabine Zett (Foto) in München vor 250 Schülern. Im Hallo-Interview spricht sie darüber, wie Kinder zum Lesen gebracht werden können und was sie von Projekten wie Lesen im Tierheim oder beim Friseur (s.u.) hält. 

Frau Zett, haben Kinder in Zeiten des Internets überhaupt noch Interesse an Büchern? 
Es wird tatsächlich nicht mehr so häufig zu einem Buch gegriffen. Die Freizeit wird weniger und die Konkurrenz mit elek­tronischen Geräten ist groß. Es ist wichtig, dass Kinder von Klein auf lernen, sich mit einem Buch zu beschäftigen.

Können dabei auch kreative Leseaktionen helfen? 
Unbedingt. Manchmal muss man eben in die Trickkiste greifen. Ich mache das auch bei meinen Schul-Lesungen.

Wie zum Beispiel? 
Mir ist es wichtig, dass die Kinder nicht nur zuhören, sondern mitmachen können. Ich habe auch schon an ungewöhnlichen Orten gelesen, zum Beispiel im Riesenrad oder vor einem Haifisch-Aquarium.

Warum ist Lesen so wichtig? 
Es ist zum Beispiel gut für die Rechtschreibung und stärkt die Fantasie und die Empathie. cla

Kinder motivieren – Tiere entspannen

Mit Katzen als Zuhörer liest es sich leichter.
Mit Katzen als Zuhörer liest es sich leichter. © rea

„Ein großes Tier, ein kleines Tier, ihre Geschichte siehst du hier...“, liest Matteo Bartoli (11) fließend aus dem bunten Buch in seinem Schoß vor. Er hockt auf einem Katzenhaus,vom Kratzbaum daneben springt der getigerte Zeki zu ihm und lugt über seine Schulter. „Hast du das gesehen?“, fragt Matteo seine beste Freundin Lynn (10), die heute mit ihm die Katzen im Münchner Tierheim besuchen darf, und liest noch ein bisschen schneller. Er weiß: Wenn sie das Buch fertig haben, dürfen sie mit den Tieren noch ein bisschen spielen. Das ist der Deal bei „Kinder lesen Katzen vor.“ 

Das Projekt hat Laura Henning (31) vom Tierschutzbund München vor einem halben Jahr ins Leben gerufen. 30 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren nehmen bisher daran teil, einige sind bereits auf der Warteliste. Die Kinder kommen einmal wöchentlich für rund 30 Minuten zum Vorlesen ins Katzendorf. „Es ist bewiesen, dass Kinderstimmen beruhigend auf Katzen wirken“, erklärt Henning die Idee des Projekts. „Gleichzeitig motiviert es die Kinder. Viele trauen sich nicht, vor einem großen Publikum vorzulesen oder haben eine Leseschwäche.“ Im Tierheim können sie ungestört und in ihrem Tempo vorlesen – egal, wie gut oder schlecht sie darin sind. 

„Daheim würde ich nie lesen“, sagt Matteo und schüttelt sich am ganzen Körper. „Da sitzt man allein vor dem Buch und nichts passiert.“ Nicht so wie bei den Katzen – seinen Lieblingstieren. „Da macht das Spaß“ und Lynn ergänzt: „Und es ist gut für die Schule“. Seinen Lesestoff bringt Matteo immer von daheim mit, auch wenn im Tierheim ein ganzes Regal voller Bücher zur Verfügung steht. „Das ist das Schöne“, sagt Mutter Andrea. „Die Kinder beschäftigen sich wieder von sich aus mit Büchern.“ Informationen und Anmeldung für das Projekt bei Laura Henning unter 92 10 00 782 oder per E-Mail an katzenvorlesen@tierschutzverein-muenchen.de rea

Vorlesen für einen günstigen Haarschnitt

Konzentriert sitzt Jonas (7) im Friseurstuhl. Wort für Wort liest er die Geschichte über die Abenteuer von

Bei Danny Beuerbach bekommen Kinder, die vorlesen, einen günstigeren Haarschnitt.
Bei Danny Beuerbach bekommen Kinder, die vorlesen, einen günstigeren Haarschnitt. © cla

Biene Maja und deren Freund Willi vor. Derweil schnippelt Danny Beuerbach (33) an den Haaren des Buben. Der Friseur aus der Isarvorstadt im März das Projekt „Book a look“ ins Leben gerufen. Die Idee dahinter: „Kinder lesen mir eine Geschichte vor, während ich die Haare schneide, und bekommen dafür 50 Prozent Rabatt“, erzählt Beuerbach. 

Das Projekt ist ursprünglich entstanden, weil Beuerbach selbst mehr lesen wollte. „Das habe ich aber zeitlich nicht geschafft“, erzählt er. Also kam ihm die Idee, sich bei der Arbeit vorlesen zu lassen, zunächst von Erwachsenen. Daraus hat sich die eine Kinder-Leseaktion gewickelt. „Mir geht es darum, Kinder zum Lesen zu motivieren“, sagt er. „Es ist nicht wichtig, wie gut jemand ist, sondern dass er Spaß daran hat.“ Angst vor dem Vorlesen braucht kein Kind haben. Wenn jemand ein bisschen stockt macht das nicht, dann greift Beuerbach ein. 

Er hat bereits mit anderen Friseuren in München Kontakt, die sich ebenfalls an der Aktion zu beteiligen wollen. Auch in der Schweiz, in London, Amsterdam, Straßburg und Luxemburg wird er das Projekt vorstellen. „Und ich könnte mir vorstellen, selbst ein Kinderbuch über den Friseurbesuch zu schreiben“, sagt er. „Dann könnten Kinder beim Friseur eine Geschichte über den Friseur lesen.“ 

Schon jetzt gibt es im Salon eine große Auswahl an Büchern: Von Wickie über Märchen bis hin zu dem Biene Maja-Buch, das sich Jonas ausgesucht hat. Er geht in die erste Klasse und liest auch Zuhause gerne: „Am liebsten Ninjago Bücher von Lego“, erzählt er. Aufgeregt, dem Friseur etwas vorzulesen, war er nicht. „Ist ja gar nicht so schwer und es macht Spaß.“ cla

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