Obdachlos

"Das ist kein Leben"

Vom "Wolpertinger Express" zum Obdachlosen – Walter Reinhardt haust in einer Tiefgarage.

Ganz unten. So lässt sich am besten beschreiben, wo Walter Reinhardt angekommen ist. Ein kleiner Raum in einer Tiefgarage. Knapp zwei Quadratmeter groß. Vollgestopft mit Kartons, dazwischen eine Iso-Matte, ein Schlafsack ein paar persönliche Sachen. So lebt Walter Reinhardt seit über sechs Wochen.

Wirklich gut gemeint hat es das Leben mit dem 57-Jährigen eher selten. Asthma, zwei künstliche Knie, Probleme mit den Bandscheiben – seit 2008 ist Reinhardt Rentner. Doch die Freude am Leben, die hat er sich nie nehmen lassen. Wann immer das Wetter und seine Gesundheit es zugelassen haben, war der gelernte Friseur mit seinem kuriosen Wolpertinger Express in der Stadt unterwegs. Komplett in weiß-blau mit Tracht und weißem Rausche-Bart. Ein echter Hingucker. Ein Original. Mit den Spenden, die er für die Fotos, die Touristen und Einheimische von ihm und seinem Gefährt gemacht haben, hat er seine kleine Rente aufgebessert und den Kindern in der Altstadt Süßigkeiten geschenkt. „Man lernt Leute kennen, ist an der frischen Luft. Eine schöne Zeit.“ 

Doch Ende November ist es damit vorbei. Reinhardt bekommt einen Anruf. Er muss raus aus seiner Wohnung. Sofort. Ohne Vorwarnung. Denn seine Vermieterin hat ihre Wohnung nur untervermietet. Ohne Erlaubnis. Plötzlich steht Walter Reinhardt auf der Straße. „Das war ein Schock für mich“, sagt er. 

Seitdem ist Reinhardt auf der Suche. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Auf der Suche nach dem Glück. Gefunden hat er beides nicht. Rastlos zieht der 57-Jährige durch die Stadt, wärmt sich in Cafés auf,   stöbert in Zeitungen nach Wohnungsanzeigen. „Ins Männerwohnheim will ich nicht“, sagt er. „Ich trinke keinen Alkohol und ich habe Angst, bestohlen zu werden.“ 

Walter Reinhardt versucht dennoch, Optimismus auszustrahlen. Er redet gerne von seiner Zeit auf seinem Wolpertinger Express, wie ihn die Leute fotografiert haben, wie er den Kindern auf dem Marienplatz Schokolade geschenkt hat. Doch ganz verbergen kann er seine Angst nicht. Die Angst vor der Kälte, die nachts durch alle Fugen in seinen Schlafsack kriecht. Die ihn krank macht. „Es geht einem echt beschissen. Das ist kein Leben“, fährt es aus ihm heraus. 

Wie es jetzt mit ihm weitergeht? „Keine Ahnung“, sagt er. Weiter nach einer Wohnung suchen, die er sich leisten kann. Weiter durch die Stadt ziehen. Bis er sein Glück gefunden hat. Solange geht er jeden Abend zurück in seinen Verschlag in der Tiefgarage. 

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