Aus der Traum von der Medaille

Kaputtes Sprunggelenk: Münchens Ski-Star kann bei der WM in Garmisch nur zuschauen

München Er war in der Form seines Lebens, überzeugte zuletzt mit Top-Ten-Platzierungen im Weltcup, kam beim Super-G in Gröden sogar auf den zweiten Platz – und wollte so gerne eine WM-Medaille holen. Doch statt mit waghalsigem Tempo die Kandahar-Piste herunterzujagen, wird Stephan Keppler Anfang Februar bei der Weltmeisterschaft in Garmisch höchstens im Ziel stehen – an Krücken. Der 27-Jährige ist bei der Abfahrt in Wengen vor knapp zwei Wochen gestürzt und hat sich dabei so schwer verletzt, dass die Saison vorzeitig beendet sein dürfte – aus der Traum von der WM-Medaille. Für den Profisportler ein Rückschlag, den er allerdings bemerkenswert gelassen wegsteckt: „Ich trauere der verpassten Chance nicht nach, schaue lieber optimistisch in die Zukunft“, betont er im Hallo-Interview. Für den Optimismus hat er auch allen Grund: Denn verläuft die Reha, die er in Bad Wiessee absolviert, gut, kann der Wahl-Münchner schon in sechs bis sieben Wochen wieder auf Skiern stehen – und erneut ans Limit gehen, denn „wer nach einer Verletzung anfängt nachzudenken, wird nie wieder schnell“. Doch das will der Rennfahrer auf jeden Fall wieder sein, um sein Fernziel zu erreichen: bei Olympia 2018 auf dem Trepperl stehen. Warum Stephan Keppler ein höheres Risiko eingeht als manch anderer, wofür er neben dem Skifahren noch Zeit hat und wer ihn in der Zwangspause tröstet, hat er im A bis Z verraten. Tanja Bitterer Adrenalin-Kick: Sicherlich mit einer der Gründe, warum ich Abfahrer bin. Bruder: Habe einen älteren und einen jüngeren. Beide sind auch mal gut Ski gefahren. Heute arbeiten sie aber ganz normal. Chance: Mit der Form, die ich hatte, wäre die Chance auf eine WM-Medaille auf jeden Fall da gewesen. Ich trauere der verpassten Chance aber nicht nach – ich schaue lieber optimistisch nach vorne. Disziplinen: Die schnellen Disziplinen sind mein Zuhause. Abfahrt und Super-G haben mir mit 18 gleich viel besser gefallen als Slalom und Riesenslalom. Ehrgeiz: Wenn man nach vorne kommen will, muss man ehrgeizig sein. Feiern muss man auch können, gerade wenn es mal gut gelaufen ist. Man kann sich ja nicht nur auf den Sport versteifen. Gröden: Der zweite Platz im Super-G in Gröden ist mein bislang bestes Ergebnis. Und das, obwohl die Strecke nicht meine liebste ist. Hobbies: Neben dem Skisport bleibt nicht viel Zeit für anderes. Manchmal gehe ich mit Freunden zum Bowlen. Idol: Kjetil André Aamodt. Er war mit Abstand der beste Skifahrer und hat alles gewonnen, was man gewinnen kann. Und ein super Typ ist er auch noch dazu. Jammern gibt’s nicht als Abfahrer. Wehwehchen hat jeder, aber das Jammern überlassen wir anderen. Kneipentour: Bin eher der Clubgänger. Gehe gern in die 089-Bar, ins Heart und ins Baby – das ist alles von meiner Wohnung in der Landwehrstraße aus schnell zu erreichen. Limit: Da bewege ich mich öfter mal drüber – wohl auch bei meinem Sturz in Wengen. Es ist nicht immer leicht zu merken, wo das Limit ist. München ist die schönste Stadt in Deutschland. Komme ursprünglich von der Schwäbischen Alb, wohne hier jetzt aber schon seit acht Jahren. Bin nach München gegangen, weil die Berge nah sind. Und weil meine damalige Freundin hier ihr Studium angefangen hat. Neureuther: Der Felix ist ein guter Typ und ein guter Skifahrer. Hoffentlich zerreißt er was bei der WM. OP hab ich gut überstanden. Es war schon meine siebte. Jetzt geht die Reha los, und in sechs bis sieben Wochen müsste ich eigentlich wieder fit sein. Pisten mag ich hart, eisig, schnell und schwer. Qualen gehören auch dazu, gerade im Sommertraining. Wenn man im Winter schnell sein will, muss man sich im Sommer quälen. Ich mag am wenigsten Ausdauertraining, zum Beispiel Radfahren. Risiko gehe ich immer ein hohes ein. Eigentlich lebe ich von dem höheren Risiko, das ich eingehe – das macht mich schneller. Was alles passieren kann, darüber denkt man nicht nach, man blendet das aus. Wer nach einer Verletzung anfängt nachzudenken, wird nie wieder schnell. Sturz: Der in Wengen war eigentlich ein ganz normaler – mit blöden Folgen. Die Verletzungen sind eigentlich harmlos. Nur ist der Zeitpunkt dafür denkbar schlecht. Trost bekomme ich jetzt von meiner Freundin, von Freunden und der Familie. Mir wird es grad fast schon zu viel des Trostes. Verletzungen hatte ich schon so einige. Die schwerste war ein Kreuzbandriss. Das Dauerhafteste sind aber die Bandscheibenvorfälle, weil die ja nicht mehr gut werden. Hatte schon drei davon. WM: Möchte auf jeden Fall mal vor Ort sein und meine Teamkameraden unterstützen, wenn es sich neben der Reha ausgeht. X-Mal bin ich schon ins Ziel gekommen und wusste nicht, warum ich langsam war. Das sieht man dann erst bei der Videoanalyse. Yes! Denkt man sich dann, wenn man schnell war. Zahn: Hab mir beim Sturz einen Eckzahn ausgeschlagen. Der neue ist aber schon drin.

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