Theresienwiese

Münchens berühmtester Maibaum-Räuber

1 von 12
2 von 12
3 von 12
4 von 12
5 von 12
6 von 12
7 von 12
8 von 12

Theresienwiese: 1964 hat Tino Bauer mit Spezln das Stangerl am Viktualienmarkt geklaut –mit vielen Tricks und List.

Die Zeitungsartikel von damals hat Tino Bauer (gr. Foto) immer noch: Ein Riesencoup hatte ihn und seine Spezln 1964 zu Berühmtheiten gemacht: Sie hatten den Maibaum gestohlen, der für den Viktualienmarkt gedacht war. Ein prestigeträchtiges Unterfangen, das in diesem Jahr wieder gelungen ist. Die Burschen aus Neufinsing, Unterföhring und Ismaning rückten mit einem extra angefertigten Gestell an – und klauten den Baum, der mit einem 1,8 Tonnen schweren Traktorgewicht gesichert war. „Raffiniert“, kommentiert der 92-jährige Maibaum-Räuber aus Massenhausen (Kreis: Freising), „aber sie haben wenig Auslöse gekriegt.“

Bauer weiß, wovon er spricht: Er, sein Bruder Georg, sechs Massenhauser und ein Münchner Zahnarzt hatten damals zehn Hektoliter Bier, 1000 Mark und eine lebenslange Wiesnboxe mit den Münchner Brauereien ausgehandelt. Auch heute noch besucht Bauer fünf- bis sechsmal seine Maibaumräuber-Boxe im Augustinerzelt.

Für die diesjährigen Diebe ließen die Brauereien nur Bier und Brotzeit springen – einen Tisch auf der Wiesn lehnten sie ab. „Mei, es war damals halt eine andere Zeit“, erklärt der immer noch topfite Bauer, der verschmitzt grinst, wenn er von seiner Diebestour erzählt – wie ein Lausbub, der sich über einen Streich freut.

„Es war ein warmer Frühlingstag und wir saßen am Stammtisch“, erzählt er. „Da haben wir uns gedacht, heute wäre doch ein guter Tag zum

Maibaumstehlen.“ Gesagt, getan. Kurzerhand machten sich die Massenhauser mit einem Unimog auf den Weg zur Lagerstätte, einem Bauhof in Sendling. „Dort hat mein Bruder mit dem Pförtner verhandelt“, erinnert sich Bauer. Seine Geschichte: Die Truppe arbeite bei einem Malerunternehmen und müsse den Baum abholen, da dieser noch einen historischen Anstrich benötige – dabei war das Stangerl bereits bemalt. Doch Georg Bauer wirkte so überzeugend, dass er nach einer Stunde die Erlaubnis bekam, den Baum aufzuladen. Wiederum zwei Stunden später machten sich die Diebe auf den Weg durch die Stadt. Nur: Ein über 30 Meter langer Stamm ist nicht gerade unauffällig. „Wir waren mitten unter den Leuten“, sagt Tino Bauer. „Jeder hat gesehen, dass wir einen Maibaum dabei hatten.“ Die jüngeren Burschen wollten schon abbrechen – da griffen die beiden Bauer-Brüder wieder in die Trickkiste.

Sie meldeten sich bei der Polizei. „Wir haben gesagt, dass wir ein Langholzfuhrwerk transportieren müssen und um Begleitschutz gebeten“, erzählt Bauer. Die Polizei hatte dafür natürlich keine Zeit, sie wusste jetzt aber, dass ein Baumstamm durch München gefahren wird – nicht aber, was es in Wirklichkeit damit auf sich hat. Die anderen Burschen waren wieder beruhigt, gemeinsam transportierte die Gruppe den Maibaum nach Massenhausen. Dort stieg mitten in der Nacht ein großes Fest: „Das ganze Dorf war auf den Beinen“, schwärmt Bauer. „Frauen waren mit Nachthemden draußen, die Musik hat gespielt“.

Gefeiert wurden nach ihrem diesjährigen Klau auch die Burschen aus dem Umland – wenn auch nicht für ihr Verhandlungsgeschick.

Claudia Schuri

Der neue Maibaum am Viktualienmarkt wird am Montag, 1. Mai, bereits am frühen Morgen von der Feuerwehr mit dem Kran an seinem angestammten, ganz zentralen Platz aufgestellt. Die Maifeier beginnt um 13 Uhr. Dann übergibt Andreas Steinfatt, Vorsitzender des Vereins Münchener Brauereien, den Baum offiziell an Oberbürgermeister Dieter Reiter und das Münchner Kindl.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare