Wiesn

Kuratoriums-Chef will eingelagerte Wiesn-Exponate zugänglich machen

Auch im Alltag immer ein Fan der Wiesn: Selbst die Bilderrahmen in Hermann Memmels Haus in Trudering stehen im Zeichen der Schausteller.
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Auch im Alltag immer ein Fan der Wiesn: Selbst die Bilderrahmen in Hermann Memmels Haus in Trudering stehen im Zeichen der Schausteller.
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Eine Wiesn-Erlebniswelt: Die Schausteller-Stiftung wird 40.

Es wäre vermutlich ein Touristen-Magnet, der seinesgleichen sucht: die Volksfest-Erlebniswelt, von der Hermann Memmel träumt. Der 77-Jährige ist seit Gründung Vorsitzender der „Münchner Schausteller Stiftung“. Diese feiert heuer ihr 40-jähriges Bestehen (siehe unten) und hat das Ziel, die Geschichte der Schaustellerei zu dokumentieren und zu würdigen. „Wir sahen Kulturgut in Gefahr“, erinnert sich Memmel heute. Denn Kaufhäuser erwarben damals in großem Stil Wiesn- und Volksfest-Requisiten für ihre Schaufensterdekorationen.

So trug die Stiftung in den vergangenen vier Jahrzehnten viele hundert Exponate von der Wiesn und anderen Volksfesten zusammen, die aktuell im Museumsdepot der Stadt schlummern. Schiffschaukeln, Orgeln, historische Autoscooter, Kasperltheater, Kostüme und Figuren: „Es ist sicherlich die umfangreichste Sammlung dieser Art in ganz Europa“, betont Memmel. Nur einen Bruchteil davon sieht man in der Abteilung „Schaustellerei“ des Stadtmuseums und einmal im Jahr im Museumszelt auf der Oidn Wiesn.

Zum Jubiläum der Stiftung betont Memmel deshalb: „Mein Traum ist es, das alles in einer Halle ausstellen zu können, in die dann der Opa mit seinem Enkel reingeht und ihm zeigen kann, was es früher mal auf einem Volksfest und auf der Wiesn gab.“ Echte historische Exponate könnten sich dort mit Multimedia-Einblendungen, Buden und sogar einem Biergarten ergänzen, hofft Memmel.

Als Ort wäre ihm die unmittelbare Nachbarschaft zum Verkehrsmuseum auf der Theresienhöhe am liebsten. Doch selbst an weniger zentral gelegenen Orten ist der Traum schwer umzusetzen: „Die Stadt ist Opfer ihres Erfolgs – geeignete Objekte sind unbezahlbar.“ Dabei war es von Anfang an Ziel der Stiftung, entsprechende Exponate auch dauerhaft auszustellen.

Um diesem Ziel jetzt, zum 40., zumindest ein bisschen näher zu kommen, möchte der ehemalige SPD-Stadtrat ein ähnliches, aber leichter umzusetzendes Projekt schon heuer in Angriff nehmen: eine Homepage, auf der man all die bunten Volksfest-Exponate, die die Stiftung zusammengetragen hat, zumindest digital betrachten und sich von ihnen verzaubern lassen kann.

Marco Litzlbauer

Zur Person

Der gebürtige Münchner Hermann Memmel war von 1994 bis 2008 Mitglied des Bayerischen Landtags und von 1972 bis 2002 Münchner SPD-Stadtrat. Als solcher stellte er 1973 nicht nur den Antrag, die Messe auf das Flughafengelände zu verlegen, sondern erarbeitete sich auch als erster den inoffiziellen Titel Wiesn-Stadtrat. Viele Wiesn-Traditionen gehen auf seine Initiativen zurück. Beispielsweise dass die Musik in den Zelten bereits ab Mittag spielt, dass die Wiesn, wenn der Tag der Deutschen Einheit auf einen Montag oder Dienstag fällt, entsprechend verlängert wird, und schließlich sogar die „Oide Wiesn“, die es seit 2010 gibt. Dort übernimmt er auch traditionell das Anzapfen des ersten Fasses.

Die „Münchner Schausteller-Stiftung“

Ins Leben gerufen wurde die „Münchner Schausteller-Stiftung“ 1976 – unter anderem auf Antrag von „Wiesn-Stadtrat“ Hermann Memmel. Als Startkapital zum Erwerb von Exponaten übergaben die beiden Münchner Schaustellervereine eine Summe von 11 000 D-Mark. Die konstituierende Sitzung fand allerdings erst 1977 statt. Eigentlich hätte die Jubiläums-Feier schon 2016 steigen sollen, nach der Bluttat am Olympia-Einkaufszentrum verschob man die nicht-öffentliche Veranstaltung im Augustiner-Keller auf den 22. März und bezieht sich nun auf die konstituierende Sitzung. Im Stiftungsrat sitzen immer vier Stadträte, vier Schausteller und das Stadtmuseums-Oberhaupt. Als Memmel 2002 aus dem Stadtrat ausschied, ernannten ihn die Schausteller zum „Ehrenschausteller“, um nicht auf ihn verzichten zu müssen.

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