Einsatz für Bedürftige: Dr. Susanne Pechel erhält Bundesverdienstkreuz

Höchste Ehre für den Engel aus Schwabing

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Dr. Susanne Pechel, Gründerin des Christlichen Entwicklungsdienst (CED), mit Mädchen aus den Armenvierteln Kalkuttas, die die Grundschule durch die Hilfe des CED besuchen dürfen.
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Sie bringt Kindern, die nichts haben, das Lachen zurück: Die Schwabingerin Dr. Susanne Pechel (Foto) engagiert sich in der Entwicklungshilfe, seit sie sechs Jahre alt ist. Mit ihrer Stiftung unterstützt die Tropenmedizinerin eine halbe Million Menschen weltweit. Jetzt erhält sie das Bundesverdienstkreuz.

Die Welt ist ungerecht. Jeder weiß das. Mancher nutzt das als Entschuldigung, untätig zu bleiben. Susanne Pechel, die jetzt das Bundesverdienstkreuz erhält, will das ändern, seit sie sechs Jahre alt ist. Damals fing die heute 50-Jährige an aus alten Cremedöschen ihrer Mutter Spendenbüchsen zu fertigen. Mit 16 Jahren organisierte sie ein Benefizkonzert – in der Schauburg, mit dem Bachchor und Musikern der Philharmoniker, des Gärtnerplatztheaters und des Bayerischen Staatsorchesters. Als der Dirigent sich kurz vor dem Auftritt den kleinen Finger brach und sie keinen Ersatz finden konnte, brachte sie sich kurzerhand das Dirigieren bei und sprang selbst ein. „Von Widerständen darf man sich nicht aufhalten lassen“, betont die Tropenmedizinerin. „Auch in der Entwicklungshilfe hört man oft ein Nein, aber wenn man hartnäckig bleibt, öffnet sich die Tür oder zumindest eine Seitentür.“

Die Schwabingerin muss es wissen, gründete sie doch vor 25 Jahren ihre eigene Stiftung, den Christlichen Entwicklungsdienst (CED), mit dem sie in Indien, Tansania, Peru und Bulgarien Schulen, Waisen- und Krankenhäuser sowie Obdachlosenheime unterstützt.

Am 12. Januar wird Pechel nun dafür das Bundesverdienstkreuz verliehen. „Ich freue mich sehr über diese Anerkennung, weil sie auch die auszeichnet, die mich unterstützen“, betont die Ärztin. Seine Bürofläche bekommt der CED beispielsweise von der Pfarrei St. Joseph in der Tengstraße gestellt. Ansonsten sieht sich die Stiftung als überkonfessionell. „Wir richten uns an alle Humanisten, die den christlichen Grundwerten folgen.“

Dabei liegt ihr persönlich besonders der zwischenmenschliche Kontakt am Herzen. „Die Würde dieser Menschen wird sehr verletzt. Wenn man wieder Kontakt zu ihnen aufnimmt, ihnen Wertschätzung entgegenbringt, gibt man ihnen Würde zurück.“ Den Armen, Hungrigen und Kranken sei es ein großer Trost, wenn sie hören, wie das Geld zusammenkommt, das ihnen helfen soll. „Ich erzähle von den älteren Menschen, die sich mühsam etwas absparen, von Kindern, die Flohmärkte veranstalten oder von dem Jungen, der den Eintritt für sein Steinmuseum gespendet hat.“

Mit den Projekten, die der CED unterstützt, versucht Pechel Versorgungslücken zu schließen. „Deswegen sind wir auch teilweise in den entlegensten Gebieten.“ Ein weiteres Kriterium: „Wir investieren in feste Infrastrukturen, die schon länger vor Ort sind – die sich dann irgendwann auch selbst tragen können. Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten.“

Pechel versucht mindestens einmal im Jahr jedes Projekt zu besuchen, ihre Fachrichtung „Tropenmedizin“ wählte sie, um vor Ort medizinische Hilfe leisten zu können. Und auch ihr anderes Talent nutzt sie für wohltätige Zwecke: die Musik. Bereits als Teenager schrieb sie eigene Lieder, spielte Gitarre und sang. „In den 80er- Jahren bin ich regelmäßig auf den Kleinkunstbühnen Schwabings aufgetreten. Einen Plattenvertrag habe ich zugunsten meines Medizinstudiums abgelehnt“, erklärt sie. Mittlerweile hat sie schon einige CDs aufgenommen – beispielsweise mit Kindern aus einem ihrer Hilfsprojekte in Tansania.

Dass ihre Hilfe oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind? Dass es immer noch mehr zu tun gebe? Das Ausmaß der Not auf der Welt hat für Pechel nichts Demotivierendes: „Als Kind habe ich gesagt, wenn ich nur einem helfen kann, hat es sich gelohnt. Jetzt sind es ein paar mehr geworden“, sagt sie und lächelt stolz. Eine halbe Million Menschen auf der ganzen Welt profitieren von den Projekten des CED. Maren Kowitz

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