Stadtdekanin Barbara Kittelberger (61) von A bis Z

So will München Luther feiern

Feiertag, Fest auf Odeonsplatz, lange Nacht – Stadtdekanin verrät Pläne zu „500 Jahre Reformation“.

Ein Tag, an dem alle frei haben, ein großes Fest am Odeonsplatz, eine lange Luther-Nacht und vieles mehr – so erlebt München die Feierlichkeiten zu 500 Jahre Reformationstag. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine Thesen, die die damalige Kirche revolutionierten und spalteten. Den Ursprung ihrer Gründung feiert die evangelische Kirche über ein Jahr lang: „Seit zehn Jahren bereiten wir uns auf dieses Reformationsjubiläum vor. Es ist gut, sich der eigenen Tradition bewusst zu sein“, betont Stadtdekanin Barbara Kittelberger. Die 61-Jährige wirkt bereits am Samstag, 8. Oktober, an einer absoluten Premiere mit, die das Lutherjahr einläuten soll: ein virtueller Kirchentag, bei dem rund um die Welt ein zentraler Gottesdienst im Internet gefeiert wird. Die Markuskirche an der Gabelsbergerstraße 6, Sitz der Stadtdekanin, beteiligt sich von 15 bis 18.30 Uhr an dem Projekt. „Die Menschen können vor Ort oder per Live-Stream über www.churchfestival.org im Internet dabei sein“, erklärt Kittelberger. „Es wird auch Vorträge, Workshops und eine Skype-Konferenz mit unserer Partnerstadt Kiew geben.“ Über die Zukunft und die Vergangenheit ihrer Kirche spricht die Münchner Stadtdekanin hier von A bis Z. Maren Kowitz

Austritte: Bayernweit werden wir jedes Jahr leider um etwa zwei Prozent weniger. Jeder Austritt ist einer zu viel. Aber man muss respektieren, dass der Lebensplan gerade anders läuft.

Botschaft: Die revolutionärste Luther-Botschaft: Ich bin als Mensch angenommen und darf so sein, wie ich bin – mit meinen Ecken, Kanten und ungeraden Linien auf denen Gott gerade schreiben wird, wie es so schön heißt.

Christus: Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm haben gerade geschrieben, dass das Reformationsfest ein Christusfest ist, das man ökumenisch feiern will. Man muss nicht an Dingen rütteln, die im Moment nicht zu klären sind – damit verschwendet man Energie, Kraft und Lust.

Dekanat: Das Dekanat München umfasst die Stadt und den Landkreis München sowie Teile von angrenzenden Landkreisen. Insgesamt sind es 67 Gemeinden mit insgesamt rund 266 000 Mitgliedern.

Evangelisten: Nach ihnen sind unsere ältesten Kirchen benannt – die Matthäuskirche am Sendlinger-Tor-Platz, ursprünglich 1835 an der Sonnenstraße eingeweiht, die Markuskirche an der Gabelsbergerstraße, die 1877 eingeweiht wurde, die Lukaskirche an der Isar und die Johanneskirche in Haidhausen.

Feiertag: Dass der 31. Oktober 2017 einer sein wird, finde ich ganz wunderbar. Auf diese Weise sind alle eingeladen, 500 Jahre Reformation mitzufeiern.

Gene: Ich bin durch und durch Protestantin, mein Vater und meine Großväter waren evangelische Pfarrer.

Historie: Am 2. Juni 1799 gab es Münchens ersten evangelischen Gottesdienst im Grünen Salon von Schloss Nymphenburg. Die protestantische Caroline von Baden, Frau des Kurfürsten Max, hat sich in den Ehevertrag das Recht auf Ausübung ihres Glaubens schreiben lassen.

Integration: In der Flüchtlingsfrage müssen wir unsere ganze Kraft für die Integration einsetzen, das ist keine leichte Aufgabe. Unsere Landeskirche unterstützt drei Jahre lang Gemeinden und Dienste mit 20 Millionen Euro, um Angebote aufzuzeigen.

Jugend: Die Evangelische Jugend München bekommt ab Mitte 2017 eine Jugendkirche: die Rogatekirche, am Innsbrucker Ring.

Klinikum Schwabing: Dort war ich als Seelsorgerin von 1991 bis 2004. Ich habe immer an den Grenzen des Lebens gearbeitet, war auf den Aids-Stationen und im Intensivbereich tätig.

Lange Nacht: Am 27. Oktober 2017 planen wir eine lange Luther-Nacht, bei der alle Gemeinden und evangelischen Einrichtungen ihre Türe öffnen und etwas gestalten: Konzerte, Aktionen, Vorträge.

Musical: Das Pop-Oratorium „Luther“ kommt am 18. März in die Olympia­halle. 3000 Münchner werden bei der bundesweiten Produktion mitsingen.

Niedrigschwelliges Angebot für Krisen- und Lebensberatung ist die Münchner Insel, die wir 1972 in ökumenischer Zusammenarbeit gegründet haben. In diese Einrichtung am Marienplatz kann man spontan kommen, um sich anonym Rat zu holen.

Odeonsplatz: Dort feiern wir am 29. Juni 2017 ein wunderbares Fest. An diesem Donnerstagabend wird es Aktionen, Essen und Musik geben – um unsere Kirche zu feiern und den Arm in die Gesellschaft auszustrecken.

Pecca fortiter hat Luther gesagt – sündige tapfer! Wenn man nichts tut, vergeudet man seine Gaben. Etwas falsch zu tun, ist besser als gar nichts getan zu haben.

Quo vadis, Ökumene? Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strom arbeiten beide in München und sind beide Sozialethiker. Das hilft an vielen Punkten, nicht auf das Trennende zu schauen, sondern auf das Gemeinsame.

Rat der Religionen: haben wir im Juli gemeinsam mit Vertretern aller Religionen in München gegründet. Wir als Kirche müssen verdeutlichen, dass alle Religionen erst einmal ihren Wert haben. In diesem Rat wollen wir im Miteinander im Gespräch bleiben und Fragen beantworten.

Sanierung: Wir wünschen uns für die Markuskirche, dass bei der Sanierung des Altstadtrings und der Oberflächengestaltung Räume deutlich werden. An der Johanneskirche am Preysingplatz sieht man, wie erlebbarer Kirche wird, wenn sie noch einen zusätzlichen Platz hat.

Therapeutin: Ich habe eine Ausbildung zur Familien- und Paartherapeutin gemacht. Die zentrale Frage ist immer die: Wie gelingt es, dass beide Seiten ihr Anliegen sagen können und am Ende beide ihr Gesicht bewahren können?

Unterricht: Der Religionsunterricht ist manchmal der erste und einzige Ort, wo Kinder noch etwas von den christlichen Botschaften erfahren. Es geht in erster Linie um Wissensvermittlung. Biblische Geschichten, etwas über andere Religionen zu erfahren – das gehört zur kulturellen Bildung dazu.

Von Anfang an sind wir als Dekanat sowohl im Bündnis „München ist bunt“ als auch im „Bündnis für Toleranz gegen Rassismus und Rechtsextremismus“. Da erheben wir unsere Stimme gegen Pegida und alle Menschen mit rechtem Gedankengut.

Weihnachten: Das Weihnachtsoratorium von Bach wurde für verschiedene Tage geschrieben. Dieses Jahr werden wir erstmals in den Dekanatskirchen die passenden Kantaten am jeweiligen Feiertag aufführen.

X: Ich liebe Kreuzungen und Überraschungen, auch wenn sie anstrengend sind, weil sich dadurch neue Wege ergeben.

Youtube: Dort rappe ich mit den Kreuzrappern, einer Jugend-Gruppe der Kreuzkirche. Die hatten mich gebeten, bei einem Werbe-Song für das Jugendkonvent mitzumachen – komplett mit Sonnenbrille und Käppi.

Zusammenhalt: Der Flüchtlingszustrom hat bewirkt, dass wir als evangelische Kirche uns ganz schnell mit dem Gemeinwesen zusammengeschlossen haben.

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