Robo-Rat statt Warte-Frust

Sensation: Das IT-Referat möchte Roboter in Bürgerbüros testen

Ein Roboter wie „Josie“ könnte Bürgern bald im KVR mit Rat und Tat zur Seite stehen.
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Ein Roboter wie „Josie“ könnte Bürgern bald im KVR mit Rat und Tat zur Seite stehen.

München - Es ist wie im Science-Fiction-Film: Ein Roboter soll in Zukunft in Ämtern mit Rat und Tat beiseite stehen. Alles über die neue Technik

Nur 27 Services des Kreisverwaltungsreferats lassen sich online erledigen, für alle anderen muss man ganz altmodisch eine Nummer ziehen und vor Ort sein. Doch auch das könnte bald mit einem Hauch Zukunft verbunden sein: Geht es nach IT-Referent Thomas Bönig, stehen in den Ämtern bereits 2019 in einem Testlauf humanoide Roboter den Bürgen mit Rat und Tat zur Seite.

Der Roboter soll in gut frequentierten Bereichen platziert werden und sich bewegen. Bürger können ihn ansprechen und Informationen in verschiedenen Sprachen einholen – wie zum Beispiel Wegbeschreibungen oder Auskünfte zu ihren Anliegen.

Ob der Roboter zukünftig Beamte ersetzt? Das IT-Referat winkt ab: „Eine menschliche Auskunftskraft wird von der Stadt München auch zukünftig bevorzugt werden, da sie viel persönlicher reagieren und auf die Bedürfnisse unserer Bürger gezielter eingehen kann.“ In anderen Worten: entlasten ja, entlassen nein. Und die Kosten? Ein Vertrieb verrät auf Hallo-Anfrage: Rund 20 000 Euro kostet ein Roboter wie auf dem Foto in der Standard-Ausführung, je nach Einsatzgebiet werden nochmals mehrere Tausend Euro für Software fällig.

Die Roboter in den Bürgerbüros sind Teil der Digitalisierungsstrategie der Landeshauptstadt, die unter dem Motto „München digital erleben!“ steht und jetzt im IT-Ausschuss beschlossen wurde. Sie sieht noch weitere Maßnahmen vor: eine stadtweite Bürger-ID (siehe Kasten), ein zentrales Online-Portal sowie die Digitalisierung von Arbeitsschritten der Beamten – etwa die digitale Verarbeitung ihrer Dienstreiseanträge und -abrechnungen. Sebastian Obermeir

Roboter im Praxis-Einsatz

Erfahrungen mit Robotern hat man bereits am Flughafen München gesammelt. In einem vierwöchigen Testlauf hat dort die Roboter-Dame Josie Pepper (Foto) Fluggäste angesprochen und Fragen beantwortet. „Wo ist das beste Restaurant im Flughafen?“, „Wie komme ich zum Gate?“ – alles kein Problem für den 1,20 Meter großen und 28 Kilogramm schweren Roboter. Grün leuchten ihre Augen, wenn Josie Pepper eine Antwort auf eine Frage sucht.

Auch Smalltalk-Gespräche kann Josie Pepper führen, sie flirtet gar mit den Gästen. Josie spricht zwar nur Englisch, prinzipiell sind aber unzählige Sprachen möglich. Und wenn alles gesagt ist, unterhält Josie mit einer Luftgitarren-Einlage.

„Es lief sehr erfolgreich, die Passagiere haben das Angebot begeistert angenommen“, sagt Pressesprecherin Kathrin Stangl. Ob es weiter ausgebaut wird, steht noch nicht fest. In Asien sind Roboter schon in unzähligen Shops im Einsatz, in Deutschland ist der Flughafen München Vorreiter. Doch auch im Rest der Stadt dürften bald die Roboter los sein: Die Ämter der Stadt sind ihr nächstes Ziel.

Digitales Projekt: Die stadtweite Bürger-ID

Das IT-Referat plant neben den Robotern eine „Bürger-ID“, mit der die unterschiedlichen Ausweise und Tickets für die verschiedenen Dienstleistungen der Stadt zusammengeführt werden sollen – ob im Bus, im Schwimmbad oder der Bibliothek. Eine Machbarkeitsstudie wurde beschlossen.

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