1. hallo-muenchen-de
  2. München
  3. München Mitte

Schwacher Student, starker Sportler

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Faris Al Sultan

. Ein großer Erfolg für den Münchner Triathleten. Aber nicht sein größter – den erzielte der heute 31-Jährige, als er als Jugendlicher die Magersucht bezwang. „Um Leistung zu bringen, musste ich essen“, erklärt der Moosacher. Seitdem ging seine sportliche Karriere steil nach oben. Faris Al Sultan lief als 16-Jähriger seinen ersten Marathon – mit gefälschter Altersangabe, weil er nach den Regeln noch zu jung war für die Belastung eines 42,195-Kilometer-Laufs. Übers Schwimmen kam er schließlich zum Triathlon-Sport – mit einem einzigen Ziel: „Ich wollte auch ein Eisenmann sein“, betont er. Das gelang ihm in beeindruckender Manier vor vier Jahren auf Hawaii, als er mit fünfminütigem Vorsprung ins Ziel stürmte – jubelnd und mit hochgestreckter Bayern-Flagge in den Händen (Foto). So ausgelassen kennen ihn seine Fans – wenn Faris Al Sultan privat unterwegs ist, wirkt er dagegen eher schüchtern, ist zurückhaltend: „Auf der Straße werde ich selten erkannt und angesprochen“, sagt der Spitzenathlet, der darüber nicht traurig ist – im Gegenteil: „Ich habe zum Glück meine Ruhe, wenn ich zuhause bin.“ Ruhe, die der Moosacher benötigt, um gewissenhaft für die großen Wettkämpfe zu trainieren. So strampelt Faris Al Sultan dieser Tage nicht nur am Gardasee, sondern auch rund um München seine Kilometer ab, joggt durch den Olympiapark und schwimmt im Feldmochinger See. Als nächstes Reiseziel steht dann Kalifornien auf dem Plan. In ein paar Wochen fliegt der 31-Jährige dorthin ins Trainingslager, um sich auf den Ironman vorzubreiten. Mit einem Erfolg auf Hawaii rechnet er diesmal allerdings nicht. Warum, hat er, wie noch so einiges mehr, im Portrait von A bis Z verraten. Tanja Bitterer Abu Dhabi: Da fahre ich seit zehn Jahren regelmäßig hin. Hat sicherlich zu meinem Erfolg beigetragen. Die Tourismusbehörde von Abu Dhabi ist auch der Hauptsponsor meines neu gegründeten Teams. Beinrasur: Muss sein als Triathlet. Rasierte Beine sind für mich mittlerweile der Normalzustand. Wenn ich haarige Beine vor mir radeln sehe, muss ich überholen, weil ich es nicht anschauen kann. Charakter: Bin ein totaler Chaot. Was mir schon alles in den Wechselzonen passiert ist… Mr. Bean ist nichts dagegen. Ich habe zum Beispiel schon mal meine Schwimmbrille nach dem Wechseln in die Bremse meines Radls geschmissen. Doping: Ist vor allem im Ausdauersport ein Problem, das in manchen Ländern wie Spanien niemanden interessiert. Eltern: Können mit Sport gar nichts anfangen, haben mich aber immer unterstützt. Fast Food: Nach den Wettkämpfen gehe ich gern Burger essen. Gegner: Ab einem gewissen Punkt ist einem der Gegner egal. Es geht dann nur darum, dass die Schmerzen aufhören und man ins Ziel kommt. Man kämpft vor allem gegen sich selbst. Hawaii: Als ich das erste Mal Bilder vom Ironman gesehen habe, wollte ich auch ein Eisenmann sein. Diesmal wird es für ganz vorne aber nicht reichen, da die Vorbereitung bislang nicht optimal lief. Irak ist die Heimat meines Vaters. Ich war einmal 2006 dort, aber nur im kurdischen Teil. Jugend: War immer sehr aktiv, habe mich aber dick gefühlt. Mit 14 habe ich stark abgenommen und war wohl auch magersüchtig – ich machte Nulldiät und wog mich fünfmal am Tag. Über den Sport hat sich das normalisiert. Denn um Leistung zu bringen, musste ich essen. Kommerzialisierung wünschen wir uns einerseits, weil wir Geld verdienen wollen. Andererseits wollen wir den Sport authentisch halten. Das führt zu Konflikten. Durch die vielen Teilnehmer sind manche Rennen keine Einzelrennen mehr. So ändert sich der Charakter des Sports. Leistungssport hält geistig jung, aber macht körperlich alt. Moosach: Da komme ich her. Hier steht mein Elternhaus, und hier lebe ich, wenn ich nicht gerade in der Welt unterwegs bin. Das sind im Jahr vielleicht drei Monate. Wenn ich in München bin, treffe ich meine Freunde aus Schulzeiten – auch zum Schafkopfen. Normal: Einen normalen Tag gibt es bei mir nicht. Die Trainingsphasen sind recht unterschiedlich. Während ich früher aber täglich trainiert habe, gibt es jetzt auch reine Ruhetage. Seit ich über 30 bin, brauche ich auch mal Auszeiten. Oktoberfest: Das letzte Mal war ich dort vielleicht vor fünf Jahren. Bin zu der Zeit immer im Trainingslager in Kalifornien. Partnerin: Nehme ich nicht so wahnsinnig ernst, gibt’s aber. Sie macht auch Triathlon und lebt in München. Wir sind mehr oder minder seit fünf Jahren zusammen. Ich möchte mich aber noch nicht verpflichten. Quälerei: Muss man mögen. Gehört zum Ausdauersport absolut mit dazu. Religion: Ich bin Moslem, aber das nehme ich auch nicht so wahnsinnig ernst. Ich bete nicht fünfmal am Tag und habe auch Probleme mit dem Ramadan, der würde das Training schwer hemmen. Aber ich versuche, kein Schweinefleisch zu essen und betrinke mich nicht ständig. Studium der Geschichte und der Kultur des Nahen Orients habe ich abgebrochen, als klar war, dass ich höchstens ein mittelmäßiger Student, aber ein sehr guter Triathlet bin. Taktik: Sollte beim Triathlon eigentlich keine Taktik geben. Ich bin eher der Haudrauf-Typ. Urlaub habe ich so richtig schon lang nicht mehr gemacht. Dafür reise ich zu den Wettkämpfen und zum Training an die schönsten Orte der Welt. Nur um am Strand rumzuliegen, ist mir die Zeit zu schade. Urlaub ist für mich, daheim zu sein. Verlieren: Muss man lernen, muss man können. Ich kann gut verlieren, ärger mich aber über mich selber, wenn ich nicht alles gegeben habe, und über die anderen, wenn sie nicht fair waren. Wetter: Ist in Deutschland viel zu schlecht. Im Wettkampf mag ich es heiß und trocken. X-Mal bin ich schon den Jebel Hafeet in den Emiraten hochgefahren. Der Berg ist mittlerweile sehr bekannt, weil er als tolle Auto-Strecke gilt und in einem Spot einer Automarke vorkommt. YouTube: Schau ich selten an – wir Triathleten sehen uns ein bisschen in der Verpflichtung, die Leute vom Computer wegzubringen und in den Wald zum Laufen zu bekommen. Zünftig: Eine zünftige Brotzeit ist was Schönes. Dazu gehören Radieserl, ein gescheiter Käse, Brezen, Brot, saure Gurkerl, ein halbes Hendl, ein Steckerlfisch – und a Maß.

Auch interessant

Kommentare