Ein Stadtviertel im Wandel

Seit 130 Jahren ein Teil von München (2): Wie sich Schwabing nach der Eingemeindung entwickelt hat

Eine historische Postkarte zeigt den Kaiserplatz.
+
Eine historische Postkarte zeigt den Kaiserplatz.

Historischer Tag: Am 20. November 1890 wurde Schwabing eingemeindet. Ein Historiker erklärt, wie sich das Viertel danach entwickelt hat.

  • Vor 130 Jahren wurde Schwabing nach München eingemeindet.
  • Historiker Thomas Jacobi erklärt im Gespräch mit Hallo mehr über die Entwicklung des Viertels.
  • Auch seinen historischen Lieblingsplatz verrät er.

Schwabing - Bereits 130 Jahre ist es her, dass Schwabing am 20. November 1890 ein Teil von München wurde. Hallo blickt anlässlich des historischen Datums auf die Stadtteilgeschichte zurück.

Eingemeindung vor 130 Jahren (Teil 1) : Wie Schwabing am 20. November 1890 zum Münchner Stadtteil wurde

Schwabing nach der Eingemeindung - so hat sich das Viertel im Laufe der Zeit entwickelt

„Nach der Eingemeindung reichten die Grenzen Schwabings im Süden bis zur Georgenstraße, im Osten bis zum Englischen Garten, im Westen bis zur Winzererstraße und im Norden bis da hin, wo jetzt der Mittlere Ring ist“, erklärt der ortsansässige Historiker Thomas Jacobi. Die nächste große Veränderung stand bereits 1909 an: „Da wurde aus dem westlichen Teil der 26. Bezirk, Schwabing-West, geschaffen“, so der 55-Jährige.

Thomas Jacobi, ein Historiker aus Schwabing-West, weiß allerhand über die Eingemeindung des zentralen Stadtteils.

In den folgenden Jahren sei Schwabing zunehmend bürgerlich geprägt worden. „Es wurden Bürgerhäuser gebaut und um die Jahrhundertwende sind auch Leute, die nur wenig Geld hatten, nach Schwabing gezogen“, so der Historiker.

Schwabing im Ersten Weltkrieg: „Kritik an der schlechten Versorgung“

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges habe dann eine große Kriegsbegeisterung geherrscht. „Je länger der Krieg aber anhielt, desto stärker wurde die Kritik an der schlechten Versorgung.“ Zentrale Figuren der Zeit waren der Anarchist Erich Mühsam, der in Schwabinger Lokalen verkehrte, sowie Kurt Eisner, Anführer der Novemberrevolution von 1918 in München. „Eisner hat die Menschen organisiert und in ihrer Unzufriedenheit bestärkt.“

Bomben haben das Nordbad während des Zweiten Weltkrieges zerstört.

Schwabing während der NS-Zeit: „Ein Ort für NS-Bonzen“

Durch den Zweiten Weltkrieg (siehe Kasten) wurden schließlich viele Schwabinger Gebäude zerstört: „1945 waren 52 Prozent der Wohnungen in Schwabing-West beschädigt“, so Jacobi. „Es hat gedauert, bis die Wunden des Krieges geschlossen waren.“ Dennoch habe Schwabing noch immer als Künstlerviertel gegolten – und viele Kreative kamen zurück. Bis heute gilt Schwabing, das heute mit Schwabing-West (vierter Stadtbezirk) und Schwabing-Freimann (zwölfter Stadtbezirk) als einziges Viertel doppelt vertreten ist, als Künstlerviertel.

Zwischen Widerstand und NS-Bonzen

„Viele Nazis hatten in Schwabing ihre Wohnungen – Ernst Röhm hat zum Beispiel in der Hohenzollernstraße gewohnt“, so Jacobi. Durch zahlreiche Lokale und Cafés habe es aber auch für linksgerichtete Geister immer wieder Möglichkeiten gegeben, sich im Viertel zu treffen. „Zum Beispiel in der ‚Brennessel‘ an der Ecke Leopoldstraße/Nikolaiplatz.“ Dort seien aber auch die Nationalsozialisten gerne gewesen. „Das war eine Eigenart von Schwabing: Zeitgleich, auf engstem Raum kamen Leute zusammen, die sehr gegensätzliche Positionen vertraten.“ Der Krieg hat im Münchner Stadtteil tiefe Wunden hinterlassen, in der Reichskristallnacht hat es auch viele Schwabinger Juden getroffen. „Schwabing war ein Täterort“, so Jacobi. Heute erinnern Stelen an ermordete Juden – wie beispielsweise jene an der Clemensstraße, die dem jüdischen Historiker Michael Strich gedenkt. Durch die Uninähe lebten bereits zur NS-Zeit viele Studenten im Viertel – so auch die Geschwister Scholl, die in der Franz-Joseph-Straße 13 wohnten und Widerstand gegen das Regime leisteten. „Schwabing war zwar ein Ort für NS-Bonzen, aber gleichzeitig auch ein Ort für den studentischen Widerstand der Weißen Rose.“ 

Auch Jacobi fühlt sich dort wohl. Sein historischer Lieblingsplatz: der Kaiserplatz mit der St. Ursula-Kirche.

Die Geschichte Schwabings hat Reinhard Bauer 2019 im Buch „Schwabing im Wandel der Zeit“ (WIKOMmedia Verlag) aufgearbeitet. Thomas Jacobi hat das Werk mit Beiträgen ergänzt.

Auch interessant:

Meistgelesen

Das wird neu in der Münchner Mitte – BA-Chefs exklusiv in Hallo
Das wird neu in der Münchner Mitte – BA-Chefs exklusiv in Hallo
Maskenpflicht und Attest - sie dürfen auch ohne Maske unterwegs sein
Maskenpflicht und Attest - sie dürfen auch ohne Maske unterwegs sein
Corona-Ticker München: Drei Todesfälle - aktuelle Fallzahlen steigen weiter an - Virus-Krise bedroht Traditionshäuser
Corona-Ticker München: Drei Todesfälle - aktuelle Fallzahlen steigen weiter an - Virus-Krise bedroht Traditionshäuser
Mundschutz selber machen: Münchner Schneider erklärt, auf was Sie beim Nähen von Masken achten müssen
Mundschutz selber machen: Münchner Schneider erklärt, auf was Sie beim Nähen von Masken achten müssen

Kommentare