Außen pfui, innen hui

Warum ein Bauwerk des 70er-Jahre-Brutalismus nun ein Denkmal ist

Der Gebäudekomplex „Orpheus und Eurydike“, ein 70er-Jahre-Bauwerk im Stil des Brutalismus, steht nun unter Denkmalschutz.
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Der Gebäudekomplex „Orpheus und Eurydike“, ein 70er-Jahre-Bauwerk im Stil des Brutalismus, steht nun unter Denkmalschutz.

Schwabing - Ein Rohbeton-Bauwerk unter Denkmalschutz? Hallo hat nachgehakt, warum das Gebäude mit dem unvergleichlichen „Charme“ der 70er Jahre nun unter Denkmalschutz steht

Gerät man beim Gedanken an die 70er-Jahre ins Schwärmen, denkt man an Schlaghosen, eine Disko-Kugel oder Blümchen im Haar. Die Bauweise dieser Zeit wird einem wohl eher weniger in den Sinn kommen. Nun ist der Gebäudekomplex „Orpheus und Eurydike“, ein 70er-Jahre-Bauwerk im Stil des Brutalismus (roher Beton) an der Ungererstraße in die Denkmalliste aufgenommen worden.

Für Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, hat die Wohnanlage große geschichtliche Bedeutung.

„Die Wohnanlage hat große geschichtliche Bedeutung“, begründet Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, die Entscheidung. „Sie ist das erste große Wohnbauprojekt in Schwabing nach dem Zweiten Weltkrieg und steht in enger Verbindung mit dem Wachstum der Stadt, das durch die Olympischen Spiele 1972 ausgelöst wurde."

Der Komplex besteht aus zwei Gebäuden: dem 13-stöckigen Hochhaus Orpheus und dem aus zwei Flügeln zusammengesetzten neungeschossigen Haus Eurydike. Eine Tankstelle und ein Restaurant sind integriert. Die Gebäude entstanden in den Jahren 1971 bis 1973 nach einem Entwurf der Architekten Jürgen Freiherr von Gagern, Peter Ludwig und Udo von der Mühlen. Von diesem Team stammt unter anderem auch die Amalienpassage in der Maxvorstadt.

Vom Penthouse im obersten Stockwerk kann man die ganze Stadt überblicken.

Von Gagern hat sogar selbst zehn Jahre im Hochhaus Orpheus gewohnt – in einem Penthouse im obersten Stock. Von den Balkonen kann man von der Frauenkirche bis zum Olympiaturm ganz München überblicken und sogar bis in die Alpen sehen.

„Der Bau ist auf den ersten Blick vielleicht nicht schön, aber für seine Zeit innovativ“, sagt Johannes H., der mittlerweile im Penthouse lebt. „Eine Besonderheit des Komplexes ist die farbliche Gestaltung“, erklärt Jürgen Freiherr von Gagern (89) auf Hallo-Nachfrage. Der Architekt ist erfreut und überrascht, dass sein Bauwerk nach über 40 Jahren ein Denkmal geworden ist. „Meine Frau hat das Farbkonzept entworfen. Wir haben die Farben an die Tankstelle angepasst. Die war schon vorher da und hatte ein Anrecht auf das Grundstück“, sagt von Gagern. „Zu der Zeit gab es in der Stadt lauter graue Betonblöcke. Wir wollten dem ein wenig Farbe entgegensetzen.“ laf

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