Weihnachten 2017

Tanne als Lichtbringer: Die Geschichte der Christbaumbeleuchtung

Echte Kerzen bekamen 1882 in Amerika durch die weltweit erste Lichterkette Konkurrenz.
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Echte Kerzen bekamen 1882 in Amerika durch die weltweit erste Lichterkette Konkurrenz.

München: Paradies und Erleuchtung oder doch ein heidnischer Brauch?

Für viele ist er der symbolische Mittelpunkt des Weihnachtsfestes: ein geschmückter und leuchtender Weihnachtsbaum. Doch was es mit seiner Geschichte auf sich hat, ist umstritten.

Für den Theologen Manfred Becker-Huberti liegt sein Ursprung im sogenannten Paradiesspiel. Der 24. Dezember ist in der Kirche der Gedenktag für Adam und Eva. Den Krippenspielen gingen im Mittelalter die Paradiesspiele voraus, die den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies vorführten – samt dem Baum der Erkenntnis. „Und weil es damals noch keine Requisiteure gab, blieb der Paradiesbaum auch im anschließenden Krippenspiel stehen“, erklärt Becker-Huberti.

Für Rainer Wehse, Volkskundler an der LMU (kl. Foto), ist diese Theorie reine Spekulation, er hält einen heidnischen Ursprung für wahrscheinlicher. Der Baum sei schon immer Kulturinstrument gewesen und vermutlich habe man sich einfach Grün ins Haus holen wollen. „Einer der ersten dokumentierten und geschmückten Weihnachtsbäume tauchte im späten 16. Jahrhundert am Hof von Hannover auf, wohlhabende Bürger waren schließlich für die Ausbreitung verantwortlich“, sagt Wehse. Der erste geschmückte Weihnachtsbaum in München wurde 1830 in der Residenz aufgestellt. 

Nach Becker-Hubertis These hat man im 17. Jahrhundert damit begonnen, Kerzen auf den Baum zu stecken. Als Symbol für Gott, der als Licht in die Dunkelheit kam. „Ursprünglich ging es also um Erleuchtung und nicht um Beleuchtung“, sagt Becker-Huberti. Wehse will das nicht bestätigen, er ist der Meinung, dass die Beleuchtung einfach auf die dunkle Jahreszeit zurückzuführen ist.

Amerika modernisierte diese Tradition und setzte als erstes Land elektronische Beleuchtung ein: Edward Johnson, der Vizepräsident der Edison Electric Light Company, schmückte 1882 seinen Christbaum mit der weltersten Lichterkette. Nur wenige Haushalte hatten zu dieser Zeit überhaupt einen Stromanschluss und elektrisches Licht. Wer sich diesen weihnachtlichen Spaß damals leisten konnte, musste mehrere hundert US-Dollar, also ein kleines Vermögen, ausgeben. Der Durchbruch zum Massenprodukt kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der weiter fortschreitenden Elektrifizierung der Haushalte. 1903 brachte General Electric das erste bereits verkabelte Kerzenset heraus. Dieses war einfach nutzbar und kostete nur noch zwölf US-Dollar.

In den 30er-Jahren hatten die elektrischen Weihnachtsbaumkerzen in den USA ihre wächsernen Vorgänger nahezu verdrängt, in Europa dauerte es deutlich länger. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Technikwelle auf den europäischen Kontinent.

Übrigens: Das Neueste auf dem Markt sind kabellose LED-Funkkerzen, die beispielsweise mit dem Smartphone gesteuert werden können. Diese werden also wie echte Kerzen ohne störendes Kabel an den Baum gesteckt und können bequem per Handy oder Fernbedienung an und aus geschaltet werden.
dbo

Brandgefahr

Brennender Weihnachtsbaum in Deggendorf

Nach Aussagen der Branddirektion schwankt die Anzahl der Christbaumbrände in München in den letzten Jahren zwischen drei und sechs. Die Brände sind nicht ausschließlich durch Kerzen verursacht, auch ein Brand eines künstlichen Baumes mit Lichterkette ist bekannt. Hierbei handelte es sich um einen technischen Defekt an der Kette. Die Branddirektion möchte aber insbesondere davor warnen, Wunderkerzen am Baum anzubringen oder die Kerzen ein letztes Mal am trockenen Baum im Januar vor dem Abschmücken zu entzünden.

Edmund Stoiber, Ex-Ministerpräsident

Edmund Stoiber

„Für mich leuchtet es zu Weihnachten am schönsten in Nymphenburg, Schwabing und Hohenschäftlarn im Süden von München, wo meine drei Kinder mit ihren Familien leben. Dort werden in der Weihnachtszeit die Augen meiner Enkel leuchten, besonders die von Caecilia, meiner mit sechs Wochen jüngsten Enkelin. Wenn an Heiligabend die Lichter des Christbaums brennen und meine Frau und ich das miterleben, spüren wir, was für unser persönliches Leben wirklich wichtig ist.“

Iberl-Bühnen-Chef Georg Maier

„Für mich leuchtet München immer dann besonders schön, wenn ich auf dem Weg zum Theater-Auftritt durch den Christkindlmarkt am Marienplatz schlendere und in dem Gewusel von Menschen plötzlich strahlende Kinderaugen entdecke. Gegen dieses Leuchten verblassen sämtliche weihnachtliche Lichterketten, die unsere Münchner Straßen und Kaufhäuser so schön zieren.“

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