Kulturbohéme, Altbauen und Oscarmagnet

So spannend war das „wahre Schwabing“

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Der Schelling-Salon an der Ecke Barer Straße/Schellingstraße ist Münchens ältestes Wiener Cafe-Restaurant. Zu den früheren Stammgästen gehörten unter anderem Wassily Kandinsky und Wladimir Iljitsch Lenin.

Maxvorstadt - Die Münchner Stattreisen entführen Teilnehmer mit einer neuen Vierteltour in die Vergangenheit

Kristin Holighaus

Was ist übrig vom „wahren Schwabing“? Kristin Holighaus (50, Foto) von Stattreisen führt in einer neuen Tour durch die Türken- und Schellingstraße, die viele als „wahres Schwabing“ verorten – schließlich sind hier nicht nur die Kneipen, die für die Mitglieder des Simplicissimus oder der Elf Scharfrichter wichtig waren, auch viele Künstler der Schwabinger Bohéme lebten hier. Holighaus spricht auch über aktuelle Entwicklungen wie den Umbau des ARRI- zum Premium-Kino und Mietpreiserhöhungen. Laura Felbinger

Die neue Tour startet am Samstag, 10. März, um 14 Uhr. Treffpunkt ist die Verkehrsinsel am Siegestor. Weitere Termine unter www.stattreisen-muenchen.de.

Unbeliebter Ort am Stadtrand

Die Akademie der Bildenden Künste

Der Bau der Akademie der Bildenden Künste München gab im 19. Jahrhundert Anlass für eine lange Diskussion im Stadtrat. Der Grund: Die Professoren wollten keinen Standort am damals nur spärlich besiedelten Stadtrand. 1886 bezogen die Künstler dennoch das Gebäude in der Akademiestraße. Seitdem wurden hier große Künstler unterrichtet wie Wassily Kandinsky und Alfred Kubin.

Vom kleinen Laden zum Oscarmagnet

Das Arri Kino in der Türkenstraße

1917 wurde die Arnold & Richter Cine Technik (ARRI) in einem ehemaligen Schuhgeschäft in der Türkenstraße gegründet. Heute hat die Firma 1500 Mitarbeiter und Standorte auf der ganzen Welt. Für ihre Filmtechnik hat die Firma mittlerweile ganze 19 Oscars gewonnen. Derzeit wird das ARRI-Kino, Türkenstraße 91, zu einem Premium-Kino umgebaut.

Der Beginn der Gentrifizierung

Neubauten und Luxussanierungen sind in der Maxvorstadt allgegenwärtig. Im Februar wurde ein historisches Treppenhaus im Miet-Komplex Schellingstraße 25 und 27 abgerissen, kurz bevor es die Denkmalschutzbehörde begutachten wollte. Ihren Ursprung haben diese Veränderungen in den 60er Jahren, als Wohnhäuser aufgekauft und später zu Uniinstituten umgewidmet wurden. Zeitgleich wurden Wohngebäude durch neue, teure Mietshäuser ersetzt. Nachdem sich eine alte Dame aus dem Fenster gestürzt hat, weil sie ihre Wohnung verloren hatte, gab es 1971 die ersten großen Proteste.

Erinnerung an Georg Elser

Jeden Tag leuchtet der Schriftzug am Georg-Elser-Platz.

Jeden Abend um 21.20 Uhr leuchtet Silke Wagners Kunstwerk, der Schriftzug „8. November 1939“, am Georg-Elser-Platz. An diesem Tag und zu dieser Uhrzeit wollte Georg Elser ein Attentat auf Adolf Hitler verüben. Doch Hitler verließ den Saal früher als geplant und die Bombe hinter seinem Redepult ging erst hoch, als er nicht mehr da war.

Wo Wedekind und Ringelnatz speisten

Es war die Anlaufstelle der Künstler und Kreativen in München: Das Wirtshaus Alter Simpl.

Es war das Wohnzimmer der Schwabinger Bohème: Das Wirtshaus Alter Simpl. 1903 zog Wirtin Kathi Kobus von der Trinkstube Dichtelei mit ihren Stammgästen, darunter Frank Wedekind, Ludwig Thoma und Joachim Ringelnatz, in die Türkenstraße 57 um. Angelehnt an die Satirezeitschrift Simplicissimus gab sie dem Wirtshaus den Namen Simpl. In den 60er Jahren wurde daraus Alter Simpl.

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