Er malt die Gesichter der Geschichte

Schwabings alter Meister: Kanzler-Maler Günter Rittner wird 90

Günter Rittner
1 von 15
Günter Rittner
2 von 15
3 von 15
4 von 15
5 von 15
6 von 15
7 von 15
Günter Rittner portraitierte auch den ehemaligen Landtagspräsidenten Alois Glück für das Maximilianeum.
8 von 15
Günter Rittner portraitierte auch den ehemaligen Landtagspräsidenten Alois Glück für das Maximilianeum.

Ihm saßen schon die Kanzler Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger, das CSU-Urgestein Franz Josef Strauß und Stars Modell: Günter Rittner aus Schwabing. Der Meistermaler feiert jetzt seinen 90. Geburtstag.

Mit fast 90 hat man noch Träume: „Angela Merkel möchte ich unbedingt noch malen“, erklärt Günter Rittner. Für andere Senioren würde sich dieser Wunsch vermessen bis verrückt anhören, Rittner würde damit nur seine Tradition fortführen: Mit seinen Portraits von Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger gründete Helmut Schmidt die Kanzlergalerie im Bundeskanzleramt.

Und auch wenn Rittner am 11. März 90 wird, steht er immer noch regelmäßig an seiner Staffelei. „Ich male in einem Zimmer in meiner Wohnung an der Friedrich-Loy-Straße“, erklärt der 89-Jährige, der seit 1998 dort lebt. Zuvor hatte er 30 Jahre in einer 220 Quadratmeter großen Atelierwohnung an der Isabellastraße gewohnt. Dort hat er 1975 auch den späteren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß gemalt. Viermal eine Stunde habe der CSU-Vorsitzende für ihn gesessen, normal sind sechs mal zwei Stunden. „Als ich ihm erklärte, ein Maler müsse seinem Modell unter die Haut schauen, antwortete er schlagfertig: ,Ach, deswegen haben sie ein rotes Hemd an.‘“ Generell habe Strauß viel von sich aus erzählt.

Andere Modelle verwickelt Rittner gezielt in Gespräche. „Wenn man nach den Enkeln fragt, entspannen sich die meisten und lächeln.“ Ansonsten achtet er darauf, nicht zu viele Anweisungen zu geben. „Wie sich die Menschen hinsetzen, ihre Haltung – das ist charakteristisch, das will ich einfangen“, betont der Künstler. „Ein Portrait darf nicht wie ein Foto sein, das ist furchtbar langweilig – es soll erzählen, was das Wesentliche an dem Menschen ist.“

Diese Form der Malerei ist sein großes Talent – von klein auf, als Sechsjähriger zeichnete er seine Familie. 1945 geriet er in englische Kriegsgefangenschaft, wo er erst Mitgefangene und dann den Lagerkommandanten malte. Nach seiner Entlassung kam er nach München, besuchte die Akademie der Bildenden Künste. Mittlerweile gehören zu seinem Werk Portraits von Heinz Rühmann, Curd Jürgens, Marcel Marceau, Senta Berger, Walter Scheel, Nobel-Preisträger, Schriftsteller und eben viele Politiker. Die wichtigsten 75 Portraits und andere Werke sind 1997 in dem Bildband „Menschenbilder“ im Hirmer Verlag erschienen. Auch Landschafts- und Städtebilder fertigte der Maler. Bekannt sind seine Münchner Darstellungen vom Viktualienmarkt und aus dem Englischen Garten. „Aber das ist nicht wirtschaftlich“, erklärt er nüchtern. Seine Portraits hingegen verkaufen sich für rund 20 000 Euro.

Rittner selbst hat einen 37-jährigen Sohn, Cornelius, der als Webdesigner arbeitet. Von dessen Mutter ist er geschieden, lebt mittlerweile allein in Schwabing. In seinem Wohnzimmer hat Rittner sein Portrait von dem Kammerspiele-Schauspieler Rudolf Vogel hängen. Das ganze Ensemble hat er 1965 bis 1967 einzeln gemalt. „Die Therese Giehse hat danach über ihr Portrait gesagt: ,Da sind sie – die typischen Bernhadiner-Augen.‘ So etwas vergisst man nie.“

Maren Kowitz

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Wir lassen die Ideen sprießen: Hallo München sucht Praktikanten!
Wir lassen die Ideen sprießen: Hallo München sucht Praktikanten!
Stammstreckensperrung von 19.- 22. Oktober: Das müssen Sie wissen
Stammstreckensperrung von 19.- 22. Oktober: Das müssen Sie wissen

Kommentare