Wer war der rätselhafte Autor wirklich?

100 Jahre Räterepublik: Auf den Spuren eines Phantoms

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Auf diese Weise würdigte der französische Comicautor „Golo“ B. Travern. Die Karikatur mit Hut und Zigarre ist keine Interpretation von Golo: Travern trug Hüte und rauchte.

Der rätselhafte Autor war nicht nur rätselhaft, sondern auch sehr erfolgreich. Drei Oscars und mehr als 30 Millionen verkaufter Bücher. Und doch weiß bis heute niemand wer er wirklich war.

Schwabing - B. Traven, Ret Marut oder Otto Feige, hinter den Mann mit den vielen Namen steht eines der größten literarischen Geheimnisse des vergangenen Jahrhunderts. Weltweit wird der rätselhafte Autor bis heute verehrt.

Verfilmung des rätselhaften Autors gewann drei Oscars

Er verkaufte mehr als 30 Millionen Bücher, die zum Teil verfilmt wurden. Die wohl bekanntesten Verfilmungen sind: „Das Totenschiff“ und „Der Schatz von Sierra Madre“. Letzterer gewann drei Oscars.

Jetzt, am 2. Mai um 14 Uhr, wird eine Gedenktafel in der Clemensstraße 84 zu seinen Ehren enthüllt. Zu Zeiten der Räterepublik von 1915 bis zum Tag seiner Flucht lebte der Autor in Schwabing. In München wurde der Autor unter dem Namen Ret Marut für seine anarchistische Zeitung „Der Ziegelbrenner“ bekannt. In welcher er als Unterstützer der Räterepublik Falschmeldungen anderer Medien aufdeckte und sich gegen Krieg, Bürgertum und Kirche positionierte.  In der Münchner Räterepublik deckte er Falschmeldungen anderer Medien auf.

Er entkam dem Schießbefehl gerade noch

Am zweiten Mai entkam er vor genau 100 Jahren einen Schießbefehl, der im Jahr 1919 durch die weißen Truppen verhängt wurde. Bis 1921 publizierte er von Köln aus den „Ziegelbrenner“ weiter und kämpfte damit gegen den anwachsenden Einfluss des Nationalsozialismus in Deutschland. „Das Wort muß sein, bevor das Feldgeschrei und die Parole sein können“, schrieb er im Dezember 1920.

Traven flüchtete schließlich nach Mittelamerika, welches er über London erreichte. Von Mexiko aus und mit einem neuen Namen publizierte der rätselhafte Autor weiter kriegsfeindliche, kapitalismuskritische Literatur, die in über 25 Sprachen übersetzt wurde.

Seine Werke sind auch heute noch aktuell

Beate Kirchner ist Mitglied der Internationalen B. Traven Gesellschaft, sie fasziniert die Aktualität seiner Werke: „Er schreibt von Indigenen, die keine Rechte haben, von Heimatlosen ohne Papiere auf Schiffen.“

Außerdem sticht der Autor mit einer bestimmten Qualität noch bis heute hervor: „Autoren stellen gerne ihre Person in den Vordergrund und nicht mehr ihre Werke, er hat das genau andersrum gemacht.“ Traven begründete seine Bemühungen unbekannt zu bleiben mit dem bekannten Zitat: „Nicht meine Person ist wichtig meine Werke sind wichtig.“

Wahre Identität wurde nie aufgedeckt

Über das vergangenen Jahrhundert hinaus versuchten Journalisten und Autoren, unter anderem auch der berühmte „rasende Reporter“ Egon Erwin Kirsch, seine wahre Identität aufzudecken. Erst 2012 gelang es einem Literaturwissenschaftler des Heinrich-Heine-Institut, mithilfe von gesammelten Informationen etlicher Berichte und Artikel, eine Biografie von Traven zwischen 1882 und 1924 zu verfassen.

Demnach entpuppte sich Traven als Maschinenschlosser und Gewerkschaftssekretär Otto Feige aus Schwiebus, damals eine preußische Provinz Brandenburg. Er verstarb vor 50 Jahren in Mexiko City am 26. März. Im Zuge dessen, wird bis zum 26. März 2020 das „B. Traven Jahr“ mit Lesungen und Vorträgen weltweit zelebriert. Daniel Schubert

Veranstaltungshinweis

Am 2. Mai findet in der Seidlvilla, Nikolaiplatz 1B, eine Veranstaltung über B. Travens statt. Ab 19.30 Uhr wird über die Lebensgeschichte und Rolle in der Räterepublik des Autors gesprochen und diskutiert. Travens Stieftochter Malú wird aus unveröffentlichten Briefen ihres Stiefvaters vorlesen. Während Timothy Heyman, der aus Mexiko eingereist ist, über neue Erkenntnisse über Travens Herkunft referiert.

Das Ende der Räterepublik: 100 Jahre später werden die Kämpfe reinszeniert.

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