Ein schräger Schacht gegen den Bierrausch?

Die Nachtschwärmertheke, die das Viertel spaltet

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An dem U-Bahn-Schacht, der im Viertel gerne als Nachtschwärmertheke genutzt wird, erhitzen sich die Gemüter.

Schwabing – Kommt es im langen Streit um das 24-Stunden-Kiosk an der Münchner Freiheit bald zu einer Lösung? Der Bezirksausschuss will sich in der kommenden Sitzung mit dem Problem befassen

Im Streit um den 24-Stunden-Kiosk an der Münchner Freiheit könnte es bald zu einer Einigung kommen. Im Zentrum des Konfliktes steht eine improvisierte Freiluft-Theke, die für Frust bei den Bewohnern im benachbarten Haus sorgt. Ein Anwohner fordert im Bezirksausschuss (BA) sogar ein Alkoholverkaufsverbot für den Kiosk ab 22 Uhr. „Es kam schon oft vor, dass um drei, vier Uhr in der Früh Leute saufen, laut grölen und Musik hören. Wir haben dann die Polizei gerufen, um das Ganze aufzulösen: Aber schlafen konnten wir nicht mehr“, beklagt der Anwohner.

Die zuständige Polizei sieht es weniger dramatisch. Diese berichtet dem BA, dass sie im vergangenen Jahr im Schnitt ein bis zwei Mal im Monat im Bereich des Kiosks intervenieren musste – dies sei im Stadtvergleich nicht ungewöhnlich. Außerdem weist die Polizei darauf hin, dass der Bierausschank nicht auf den Kiosk allein zurückzuführen ist. Bier kann man auch in einen der zahlreichen anderen Geschäfte um die Münchner Freiheit herum kaufen.

„Wenn ich kein Bier mehr verkaufen kann, lohnt sich der 24-Stunden-Betrieb nicht mehr: mit Brötchen und Zigaretten alleine rechnet sich der Kiosk nicht“, merkt der Besitzer Matthias Kehr an.

Auch Kioskbesitzer Matthias Kehr weiß, dass der nahegelegene U-Bahnschacht von einigen seiner Kunden gerne als „Liegefläche“ verwendet wird.

Zudem verschärft ein Objekt die Situation. Direkt zwischen Kiosk und dem Haus des Anwohners befindet sich ein gut drei auf drei Meter großer Belüftungsschacht der U-Bahn auf Brusthöhe. Für Nachtschwärmer eine einladende Ablage und Sitzfläche.

Werner Lederer-Piloty von dem Bezirksausschuss Schwabing-Freimann hat für beide Seiten Verständnis: „Ich kann nachvollziehen, dass es manchen Anwohnern dort zu laut ist.“ Gleichzeitig sieht der BA-Chef den 24 Stunden geöffneten Würfel als eine Bereicherung für das Viertel. Deswegen wird sich der Bezirksausschuss bei seiner nächsten Sitzung im März mit einem Lösungsvorschlag auseinandersetzen, der jetzt von mehreren Beteiligten kam: Man könne den Schacht abschrägen und so den nächtlichen Besuchern ihre „Liege“ nehmen.

Obwohl Kehr zustimmt, dass der Belüftungsschacht mit seinen Besuchern ein Problem darstellt, sieht er die Wurzel des Streites allerdings woanders: „Öffentliche Plätze sollen mehr belebt werden, das Rauchverbot verändert die Kneipenkultur junger Menschen: Die sind immer mehr draußen. Und Anwohner stören sich dann häufig an Menschen, die sich nachts an Plätzen versammeln und dem damit verbundenen Lärm.“ Diese Thematik könne man auch mit einen schrägen Lüftungsschacht nicht aus der Welt schaffen.

Daniel Schubert

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