„Das ganze ist wie ein Bilderbuch, in dem man sitzt“

Hier entsteht das erste Theaterstück für Babys

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In der Schauburg soll es eine Aufführung für Kinder ab drei Monaten geben.  Josefine Rausch (li.) und Anna Grüssinger verantworten das Stück „Lumi“.

Schwabing – Kleinkinder haben im Theater nichts zu suchen? Das Kinder- und Jugendtheater „Schauburg“ sieht das anders und sucht jetzt nach einem Probepublikum für eine Aufführung für Babys

Eltern mit Babys sieht man für gewöhnlich nicht im Theater. Schließlich können die Kleinen dem Stück in der Regel noch gar nicht folgen. Anders ist das beim Kinder- und Jugendtheater Schauburg am Elisabethplatz. Dort soll es nun ein Theaterstück mit und vor allem für Babys geben. Dafür sucht das Haus nach einem Probepublikum.

„Lumi“ heißt das Tanztheater und funktioniert ganz anders als übliche Theaterstücke. „Wir erzählen keine Geschichte, wir schaffen einen gemeinsamen Erfahrungsraum“, sagt die Tanzpädagogin Anna Grüssinger (32), die gemeinsam mit der Theaterpädagogin Josefine Rausch (29) das Stück verantwortet. Konkret heißt das, es gibt feste Sequenzen und Teile, bei denen die Künstlerinnen spontan mit den Babys interagieren. Eltern sitzen mit ihren Kleinen auf dem Boden, so dass diese einfach loskrabbeln können, wenn sie wollen. „Wichtig ist, dass wir flexibel auf die Kinder reagieren. Deshalb brauchen wir mehrere Testdurchläufe – um zu sehen, was funktionert“, erklärt Rausch.

Anna Grüssinger (links) und Josefine Rausch verantworten das Stück „Lumi“.

Während des Stücks wird viel mit Licht und Schatten gearbeitet, es gibt live Musik und Tanz. „Das ganze ist wie ein Bilderbuch, in dem man sitzt“, beschreibt Rausch die Performance. „Wir achten darauf, dass es keine Reizüberflutung für die Babys ist, sondern eher ruhig und reduziert“, erklärt sie. Grüssinger ergänzt: „Das Stück soll auch für die Begleitpersonen wie eine kleine Auszeit sein – zum Durchatmen.“ Gesprochen werde nicht. Die Bewegung steht in der Aufführung im Vordergrund. Deshalb werden Babys für die Proben gesucht, die noch nicht laufen können. „Babys drehen sich zum Beispiel vom Bauch auf den Rücken. Beim zeitgenössischen Tanz, den wir verwenden, gibt es ähnliche Elemente“, sagt Grüssinger. Der Raum spiele für das Stück eine große Rolle, er soll eine möglichst gemütliche Wohlfühlatmosphäre verbreiten.

Seit November sind Grüssinger und Rausch mit den Proben beschäftigt. Für die Entwicklung des Stücks waren sie bereits in Krippen. Zudem wird die Schauburg vom belgischen Theater De Spiegel unterstützt, das sich seit Jahrzehnten der Arbeit für die Allerkleinsten widmet.

Für Grüssinger und Rausch ist es das erste von ihnen inszenierte Stück für Babys. Die Intendantin der Schauburg Andrea Gronemeyer, die 2017 vom Jungen Nationaltheater Mannheim nach München gewechselt hat (Hallo berichtete), hat bereits Erfahrung: „In Mannheim hatten wir eine Produktion für Babys. Das wurde sehr stark angenommen“. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger George Podt, der den Fokus auf Stücke für Jugendliche gesetzt hat, will sie ein Programm für alle Alterstufen bieten – von drei Monaten bis hin zum jungen Erwachsenenalter. „Mit der musisch-ästhetischen Erziehung kann man gar nicht früh genug anfangen“, sagt sie. Wie ein Kinderarzt das Theater einschätzt, lesen Sie im Interview.

Laura Felbinger

Die Uraufführung von „Lumi“ findet am Samstag, 16. März, statt.
Weitere Informationen unter: www.schauburg.net

Hallo München-Interview: "Kann schöne Erfahrung sein"

Prof. Dr. Stefan Eber, Delegierter des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte.

Prof. Dr. Stefan Eber, Delegierter des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, erklärt ob und inwiefern ein Theater für Babys Sinn macht.

Was nimmt ein Kind ab drei Monaten wahr?
Ab drei Monate kann das Kind auf jeden Fall mehrere Meter sehen und Bewegungen sowie Musik wahrnehmen.

Wie reagieren Kinder in einem so jungen Alter denn voraussichtlich auf das Theaterstück?
Unterschiedlich. Mitmachen werden sie wohl nicht. Es kann sein, dass die acht bis neun Monate alten Babys fremdeln, vielleicht also abwehrend reagieren. Ob das Kind Vertrauen hat, hängt auch vom Verhalten der Eltern ab.

Bringt Theater den Babys etwas?
Wenn die Atmosphäre passt, kann das eine schöne Erfahrung für Kinder und Eltern sein. In dem Alter haben die Babys zwar noch kein Langzeitgedächtnis, aber es existiert ein unterbewusstes Gedächtnis für Dinge wie Musik und Bewegung. Schaden tut es sicher lich nicht.

Test-Publikum gesucht!

Im Rahmen der Proben lädt das Produktionsteam am Freitag, 1. Februar (11.30-12.30 Uhr), Donnerstag, 21. Februar (11.30-12.30), und Samstag, 23. Februar (11.00-12.00 Uhr), zu Probenbesuchen in die Schauburg ein. Hierfür können sich Eltern mit ihren Babys ab sofort anmelden. Die Babys sollten mindestens drei Monate alt sein. Nähere Informationen und Anmeldung zum Probenbesuch unter michaela.oswald@schauburg.net.

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