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Hier feiern trockene Alkoholiker ein etwas anderes Fest

Der trockene Wasserball: So feiern Alkoholkranke den Münchner Fasching

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Auf dem „Wasserball“ des „Club 29“ feiern hauptsächlich trockene Alkoholiker. Mittendrin: Maria Scholz aus Feldmoching. In Hallo schildert sie ihren bewegender Weg aus der Sucht.

Maxvorstadt – Bunte Kostüme, gute Laune – und Alkohol. Das gehört für viele an den Faschingstagen zusammen. In München beweist der „Wasserball“ des „Club 29“, dass es auch ohne Alkohol geht

Maria Scholz bettelte an einer Tankstellen-Theke kurz vor 6 Uhr morgens um eine Flasche Wodka. Beim Abstützen an der Verkaufstheke sah sie, dass sie zwei verschiedene Schuhe trug. Es war der Moment, in dem die Feldmochingerin erkannte, wie tief sie in der Alkoholsucht steckte – und der Beginn eines langen Kampfes, der sich über 21 Entgiftungen und zwei Entwöhnungstherapien hinzog. 

Seit dem 28. Juli 2010 ist Scholz trocken. Jetzt leitet sie seit sieben Jahren im „Club 29“ eine Sucht-Selbsthilfegruppe für Frauen und hilft den einzigen alkoholfreien Faschingsball Münchens, den Wasserball, zu organisieren.

Bunte Perücke und schönes Glas mit Wasser: So feiert Maria Scholz am Wasserball.

Geholfen hat Scholz letztendlich der Rat eines Oberarztes bei der Entlassung: „Gehen Sie nicht gleich nach Hause“. Sie fuhr direkt aus der Therapie in den „Anker“, eine Kontakt- und Begegnungsstätte des „Club 29“ an der Dachauer Straße 29. „Ich kam zum Mittagessen. Es gab Servietten, man wünschte sich guten Appetit – plötzlich hatte ich eine Familie. “

Die Einsamkeit war es, die Scholz 2006 zur Flasche trieb. „Meine Eltern waren gestorben, meine Ehe längst geschieden und ich fühlte mich nicht gebraucht.“ Mit ihrem Bruder baute sie das Elternhaus in Feldmoching aus. „Angefangen hat es mit der Feierabendhalben mit den Handwerkern.“ Bald musste es Wein sein, dann Wodka. 

„Ich habe nur heimlich daheim getrunken – hinter geschlossenem Rollo. Mir ging es nur um den Effekt, nichts mehr zu wissen.“ Doch der Effekt am Morgen war hart: Zittern, Sehstörungen, hoher Blutdruck. „Ich erkannte die Entzugserscheinungen nicht.“ Stattdessen trank sie einen Melissengeist vor der Arbeit – das Hausmittel ihrer Oma. Auffällig in der Arbeit sei sie nie geworden, habe sogar Filialleitungen übertragen bekommen – allerdings häuften sich die Ausfälle. Nach mehreren Gesprächen wurde der Fachverkäuferin nach 15 Jahren gekündigt.

Auch hier war es der „Club 29“, der sie auffing. „Ich ging jeden Tag zu den Treffen – ich brauchte diese Routine.“ Sie traf auf Menschen, die dasselbe durchmachten, und auf Sozial-Pädagogen, die fragten: „Wie können wir Ihnen helfen?“. „Meine Tochter oder mein Bruder haben meistens gesagt: ,Wir können Dir nicht helfen – lass doch einfach das Glasl stehen.‘“

Das Vertrauen der Familie zurückzugewinnen sei das Schwerste, gibt die Feldmochingerin zu. „Meine Tochter hat den Kontakt stark eingestellt.“ Wenn an Weihnachten nur eine „Whats App“ von ihr kommt – das sind die Momente, in denen Scholz auch heute noch stark sein muss. „Da denke ich ganz kurz: Gut, dass ich nichts im Haus habe.“

Doch mittlerweile ist es kein Kampf mehr für sie, auf jeden Tropfen Alkohol zu verzichten. Für viele andere schon. „Deswegen freuen wir uns so, wenn der ,Club 29‘ den Wasserball veranstaltet – es gibt genug Gelegenheiten, zu denen man standhaft bleiben muss. Jeder Biergarten-Besuch ist ein Test für uns. Der Wasserball ist ein Fest.“

Maren Kowitz

Der Wasserball – Säfte in schönen Gläsern

Auf der Getränkekarte stehen verschiedensten Säfte, Softdrinks, Wasser – sie werden selbstverständlich in schönen Gläsern mit reichlich Dekor serviert.

Der Wasserball des „Club 29“ findet am Freitag, 1. März, ab 20 Uhr im Ausbildungshotel St. Theresia, Hanebergstraße 8, statt. Der Eintritt kostet zwölf Euro. Es spielen „The Gigolos“ und es gibt Showeinlagen der Garden „Schleißheimer Narrenrat“ und „Moosacher Faschingsclub“. Wer will, kommt verkleidet – anderen werden Faschings-Accessoires am Eingang zur Verfügung gestellt. 

„Wir wollen auch Fasching feiern wie alle anderen“, betont Maria Scholz. „Auf diesem Ball denkt man nicht daran, dass man krank ist – und man ist keinen Versuchungen ausgesetzt, muss nicht den ständig den Suchtdruck in Zaum halten.“ Auf der Karte stehen verschiedensten Säfte, Softdrinks, Wasser – „in schönen Gläsern, das ist wichtig“, so Scholz.

So bekommen Betroffene Hilfe

Auf Basis einer Schätzung des Referates Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München von 2015 lässt sich sagen, dass rund 200 000 Münchner in einer Weise Alkohol konsumieren, die zumindest als problematisch zu bezeichnen wäre. In München kann von einer Anzahl von mehr als 20 000 alkoholkranken Menschen ausgegangen werden.

  • Der Bezirk Oberbayern finanziert unter anderem in München diverse Einrichtungen, in denen Personen mit Alkoholerkrankung Unterstützung erfahren: betreutes Einzelwohnen oder therapeutische Wohngruppen für Münchenmit seelischer Behinderung, stationäre Einrichtungen für suchtkranke Menschen, Suchtberatungsstellen, Kontakt- und Begegnungsstätten und Kontaktläden.
  • „Der Club 29“ (www.club29.net), ein Selbsthilfeverein für suchtkranke Erwachsene und deren Angehörige, hat 23 Selbsthilfegruppen mit rund 260 Teilnehmern, beraten werden außerdem rund 400 Personem im Jahr und die Kontakt- und Begegnungsstätte „Der Anker“ sieht 21 Plätze pro Tag vor.
  • Das Blaue Kreuz (www.blaues-kreuz-muenchen.de) hat 2018 1119 Münchner mit Suchtproblematik und 266 Angehörige oder Kollegen von Betroffenen beraten. In den rund 60 Selbsthilfegruppen werden 800 Besucher begleitet.

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