Studenten drehen einen Satire-Kurzfilm über die Zukunft der Landeshauptstadt

München 2025 – Leben in der Zeltstadt?

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Die Geschichte: Martha (Gro Swantje Kohlhof) und Gustav (Vincent Redetzki) müssen in einem Zelt leben, weil sie sich die Miete in München nicht leisten können. 

Maxvorstadt – Wegen der hohen Mieten müssen Münchner künftig in Zelten leben. Diese dunkle Zukunfts-Aussicht mit einer Prise schwarzem Humor zeigen Studenten der Filmhochschule in einem neuen Kurzfilm

Regisseur Julius Grimm (Mitte) und die beiden Producerinnen Katharina Kolleczek (links) und Lea Neu.

Seit Jahren steigen die Münchner Mieten kontinuierlich – ebenso wie die Zahl der Wohnungslosen. Gab es in der Landeshauptstadt laut dem Amt für Wohnen und Migration im Jahr 2008 noch 2356 akut wohnungslose Menschen, sind es im Jahr 2017 bereits 6158. Wie diese Entwicklung wohl in ein paar Jahren aussehen wird? Eine Gruppe von Studenten der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) hat nun ein Gedankenexperiment gewagt, das gewissermaßen Gentrifizierung im Mikrokosmos darstellt.

„Eigenbedarf“ nennt sich der etwa 15 minütige Kurzfilm, der mit einer Prise schwarzem Humor den Münchner Wohnungsmarkt kritisiert. Die Geschichte spielt am Rande Münchens im Jahr 2025. „Die Menschen leben in Zelten, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können“, sagt Julius Grimm (31). Für den Regisseur und Drehbuchautor ist es sein Abschlussfilm. Im Zentrum der Geschichte steht ein junges Pärchen, Martha (Gro Swantje Kohlhof) und Gustav (Vincent Redetzki), die in einem Zelt wohnen. „Für die beiden ist das Leben im Wald soweit in Ordnung – bis ein Großinvestor kommt und plötzlich Luxuszelte anbietet“, erzählt Grimm. Zwar diskutieren die Figuren im Film über verschiedene Lösungsansätze, doch zu einem Schluss, wie man das Problem der Gentrifizierung in den Griff bekommen kann, kommt weder das Pärchen noch die Filmschaffenden selbst.

Gentrifizierung haben die Studenten zum Teil selbst erlebt. „Ich wohne in einer WG in der Maxvorstadt. Dort ist die Miete in Ordnung. Wenn ich mir aber die Miete für andere Wohnungen in gleicher Lage ansehe, wird mir bewusst, dass ich eigentlich nie ausziehen darf, wenn ich im Viertel bleiben will“, sagt Grimm. 

Die düstere Vorstellung, auf der der Film basiert: Münchner müssen künftig in Zelten leben, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können.

Für den Dreh in der Bavaria Filmstadt hatten die Studenten über soziale Netzwerke einen Aufruf gestartet, weil sie möglichst viele Zelte benötigten. „Wir haben insgesamt 40 Zelte bekommen, die wir aus allen Ecken Münchens abgeholt habe. Die Menschen haben auch ihre Hilfe angeboten, manche sind nun Komparsen“, erzählt die Produktions-Studentin Lea Neu (25). „Die Leute wollten unser Thema gerne unterstützen. Die meisten haben einen Bezug dazu. Wenn man in München jemandem erzählt, dass man eine Wohnung sucht, ist die Reaktion oft ähnlich wie bei einem Schicksalsschlag.“

Bis Ende Januar wollen die Studenten den Dreh beendet haben, dann geht es an die Postproduktion. Bis „Eigenbedarf“ fertig ist, wird es wohl noch ein gutes halbes Jahr dauern. Anschließend wollen sie den Film bei Festivals einreichen. Zudem wird er voraussichtlich im Sommer bei der Jahresschau in der Filmhochschule, Bernd-Eichinger-Platz 1, laufen.

Weitere Infos zum Projekt Eigenbedarf gibt es auf Facebook

Laura Felbinger



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