Blühendes Rot gegen das unsinnige Blutvergießen

Mohnblumen gegen das Vergessen

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Walter Kuhn inmitten eines Meers von Mohnblumen auf dem Königsplatz.

Maxvorstadt – Auf dem Königsplatz wird ein blühendes Zeichen für den Frieden gesetzt – Am Sonntag (11. November) ist die feierliche Eröffnung – Hallo war bereits vorab vor Ort

Der Königsplatz hat sich blutrot gefärbt. 3000 Mohnblumen aus Stoff erinnern dort an das erste große Blutvergießen des letzten Jahrhunderts. Am 11. November jährt sich der Tag des Waffenstillstands von Compiègne und damit das Ende des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal. Etwa 17 Millionen Menschen mussten damals ihr Leben lassen. Daran will Künstler Walter Kuhn mit seiner Mohnblumeninstallation erinnern. „Never Again“ lautet der Titel des Projekts – nie wieder Krieg (Hallo berichtete).

Die meisten Zeitzeugen leben inzwischen nicht mehr, viele junge Menschen wissen kaum etwas über den Ersten Weltkrieg. Ganz so, als sei Gras darüber gewachsen oder eben Blumen. Rote Mohnblumen waren mitunter das erste, was nach dem Krieg auf den verwüsteten Schlachtfeldern wuchs. In Großbritannien erinnern die sogenannten „Remembrance Poppies“ an gefallene Soldaten.

Die Kunstseide-Mohnblumen haben einen Durchmesser von 80 Zentimeter. Die kräftigen Drahtstiele sind fest in der Erde verankert. Etwa hundert freiwillige Helfer haben dort mit Pressluftbohrern 45 Zentimeter tiefe Löcher in die Erde gebohrt, zunächst hohle Eisenrohre und dann die Blumen hineingesteckt.

Auch die Finanzierung ist inzwischen gesichert. „Am Anfang war das ein riesen Zirkus“, so Kuhn. Es hatte einigen Schriftverkehr mit der Stadt gegeben. Kuhn kalkulierte rund 80 000 Euro für die Aktion ein. Die Unterstützung der Bezirksausschüsse Maxvorstadt und Schwabing-West und des Kulturreferats reichte bei Weitem nicht. Doch Kuhn fand weitere Sponsoren und bot Patenschaften für Mohnblumen an. Für eine Spende von 20 Euro konnte man Pate für eine Mohnblume werden. „Auch hier haben wir sehr viele Unterstützer gefunden“, freut sich Kuhn. Nach über 400 Patenschaften wurde das Paten-Projekt sogar abgebrochen. „Die Kosten waren gedeckt und mehr brauchen wir nicht“, sagt Kuhn. Einen Gewinn hätte er auch nicht machen dürfen, sonst hätte die Stadt das Projekt nicht finanziell unterstützt. Daher kann Kuhn seinen Plan, die Mohnblumen nach der Aktion für den guten Zweck zu verkaufen und das Geld der Flüchtlingshilfe zur Verfügung zu stellen, auch nicht in die Tat umsetzen. „Nach dem Abbau dürfen sich alle, die irgendwie beim Projekt geholfen haben, eine Mohnblume nehmen“, sagt Kuhn.

Neben den Mohnblumen wird es auf dem Königsplatz auch noch einen schwarzen, begehbaren Hohlkörper geben, in dem über kleine Lautsprecher Lesungen von Antikriegsliteratur zu hören sind. Die Texte haben Schüler der Anita-Augspurg-Berufsoberschule eingesprochen.

Laura Felbinger

Von Sonntag, 11. November, bis Sonntag, 2. Dezember, zieren 3000 Stoff-Mohnblumen den Königsplatz. Die Eröffnungsfeier der Installation findet am Sonntag, 11. November, um 11 Uhr auf dem Königsplatz statt. Mehr Infos zum Projekt gibt es unter www.niemalswieder.com.

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