Bewohner wollen nicht aufgeben

Mieter bangen um ihre Zukunft: Schleißheimer Straße 90 droht Abriss

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Maxvorstadt: Mehr als eine Abfindung ist für die Mieter anscheinend nicht drinnen, doch die Bewohner und Mieterbeirätin Britta Gürtler wollen nicht aufgeben. 

Reinhard Zettl muss seinen Friseursalon im Falle eines Abrisses für immer schließen.

Seit 30 Jahren betreibt Reinhard Zettl (56) nun schon einen Friseurladen an der Schleißheimer Straße 90. Hier hat er sich etwas aufgebaut, vor drei Jahren sogar für 50 000 Euro saniert. Nun steht er vor dem Aus, hat berechtigte Existenzangst. Die neusten Entwicklungen bestärken diese. 

Mietern wurde erzählt, es werde lediglich saniert

Zur Vorgeschichte: Den Mietern in der Maxvorstadt wurde erzählt, dass der neue Eigentümer der Vorder- und Rückgebäude an der Schleißheimer Straße 90 sanieren will. In der jüngsten Bezirksausschuss-Sitzung erzählen Mieter, man habe ihnen für die Zeit der Sanierung sogar Ersatzwohnungen angeboten. Doch was die Viertelpolitiker in dieser Sitzung vor sich auf dem Tisch liegen haben, geht in eine völlig andere Richtung: Es ist ein Antrag auf Neubau.

Investor will alles mit Geld regeln

Nun hat der Unterausschuss getagt. Dort hat Stefan Heß, Emissär der Ariston Real Estate AG, deren Tochter HAG die Gebäude gekauft hat, Bilder vom Zustand des Hauses präsentiert. Dass saniert werden muss, steht außer Frage: Richtige Bäder fehlen, der Keller ist verschimmelt. Ob deshalb abgerissen werden muss, ist eine andere Frage.

„Der Investor will natürlich Geld verdienen und bei einem Neubau kann er höhere Mieten verlangen“, sagt Gerhard Mittag (CSU). Weil einige Bewohner Staffelmietverträge haben, ist eine Mieterhöhung durch Modernisierung nicht zulässig. Eine Sanierung wäre für den Eigentümer daher sehr unwirtschaftlich, was ihn wiederum dazu berechtigt, im Falle eines Hausabrisses den Mietern zu kündigen – sofern ein positiver Baubescheid vorliegt. 

Die Stadt will sich noch nicht zum Neubau-Antrag äußern. „Das Bauantrags-Verfahren wird aktuell geprüft“, sagt Planungsreferats-Sprecher Ingo Trömer. 

Einzige Chance: Mietergemeinschaft?

Für Reinhard Zettl bedeutet ein Abriss das Ende seines Friseursalons. „Meine Existenz ist bedroht!“, klagt er. „Ich habe sehr viel Geld in meinen Salon investiert, über die Jahre an die 150 000 Euro. Ich werde mir einen guten Rechtsanwalt nehmen müssen.“ 

Im Falle eines freiwilligen Auszugs bietet die Firma zwar Abfindungen an, aber „die sind mit etwa 16 000 Euro zu gering und machen nicht wett, dass die Menschen raus müssen und auch sicher nichts vergleichbar bezahlbares in der Lage finden werden“, betont Mieterbeirätin Britta Gürtler (CSU, kl. Foto). „Den Mietern bleibt jetzt nur übrig, sich in einer Mietergemeinschaft zusammenzuschließen, sich einen Anwalt zu nehmen und sich vor allem nicht einzeln einschüchtern zu lassen.“

laf

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