„Lenin erfand sich in München“

Auf Lenins Spuren durch Schwabing

In dem Haus, vor dem Dr. Willibald Karl steht, lebte Lenin vor fast 120 Jahren.
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In dem Haus, vor dem Dr. Willibald Karl steht, lebte Lenin vor fast 120 Jahren.

Schwabing: Historiker zeigt, wo der berühmte Russe lebte, die Revolution plante und welches Bier er trank.

In Schwabing plante Lenin die Russische Revolution – genauer gesagt im Haus an der Kaiserstraße 46. Im Herbst 1901 ließ sich der russische Revolutionär in dem Eckhaus nieder, welches Dr. Willibald Karl (73) am Samstag, 24. Juni, bei einer kostenlosen Führung im Umkreis des Schwabinger Doms zeigt – dort, wo Lenin lebte und wirkte, bis der von der russischen Zarendynastie Gesuchte entdeckt wurde und 1902 nach London floh. Das Haus gehörte damals dem Sozialdemokraten Georg Rittmayer, der darin auch sein Gasthaus „Zum goldenen Onkel“ hatte, ein unter Münchner Sozis geschätzter Treffpunkt.

Während seines Aufenthalts in der Landeshauptstadt gründete Lenin die Zeitung „Iskra“ (zu Deutsch: „Funke“), in der er unter anderem sein berühmtes Hauptwerk „Was tun?“ veröffentlichte. Zu dieser Zeit, als Lenin aus der Schweiz nach München kam, wo er etwa ein Jahr verbrachte, nahm er, eigentlich Wladimir Iljitsch Uljanow, seinen Decknamen „Lenin“ an. „Lenin erfand sich in München“, sagt Karl.

Der Historiker kennt viele interessante Anekdoten rund um den Mann, der vor 100 Jahren die Russische Revolution auslöste. Beispielsweise liebte Lenin das Hofbräu-Bier. Zum einen wegen des Geschmacks, zum anderen amüsierte ihn die Abkürzung HB. „Das war ein bisschen Heimat für Lenin“, sagt Karl. Denn HB war auch die Abkürzung der russisch revolutionären Volksbewegung, welcher sein Bruder Alexander angehört hatte.

Doch Lenin hatte in München nicht nur Politik im Sinn, sondern auch das Vergnügen. „Es gibt Überlieferungen seiner Frau Nadeschda Krupskaja, die besagen, dass Lenin die Oper geliebt hatte“, erzählt Karl. „Wagner Opern waren ihm am liebsten. Er soll sogar so ergriffen gewesen sein, dass er bei Vorstellungen in Tränen ausbrach.“ Der Gründer der Sowjetunion soll in der Oper geweint haben? Mehr solcher interessanter Anekdoten erzählt Karl bei seiner Führung.

laf 

Beginn von Dr. Willibald Karls „Lenin-Führung“ ist am Samstag, 24. Juni, um 16 Uhr in der Vorhalle von St. Ursula am Kaiserplatz. Die Teilnahme ist kostenlos. Um eine Spende zur Erhaltung des Baudenkmals St. Ursula wird gebeten. Weitere Infos gibt es unter Telefon 383 77 03.

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