Durchgang an der Walter-Gropius-Straße

Künstler bringt mit Bürgern Farbe in Schwabinger Unterführung

Martin Blumöhr gestaltet die Unterführung an der Walter-Gropius-Straße 1 um.
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Martin Blumöhr gestaltet die Unterführung an der Walter-Gropius-Straße 1 um.

Schwabing - Aus der Tristesse zum farbenfrohen Kunstwerk: Das plant Martin Blumöhr mit der Unterführung in Schwabing

Hässliche Schmierereien, triste Fließen, eine dunkle Atmosphäre: So sieht die Unterführung an der Walter-Gropius-Straße 1 direkt neben der U-Bahnstation Nordfriedhof heute aus. Das soll sich ändern: Der Künstler Martin Blumöhr (37) plant dort ein 350 Quadratmeter großes Kunststück – und jeder Bürger kann sich daran beteiligen.

„Die Leute sollen mir ihre persönlichen Geschichten erzählen“, erklärt Blumöhr. „Mich interessiert, was für sie das Viertel ausmacht.“ Passend dazu hat er dem Projekt den vorläufigen Namen „Svapinga“ gegeben – so hieß der Ort Schwabing früher. Einige der Erlebnisse, Anekdoten und Erinnerungen verarbeitet Blumöhr dann in seinem Kunstwerk. Auf diese Weise hat er bereits mehrere Unterführungen im München gestaltet, zum Beispiel den „Tunnelblick“ am Pasinger Bahnhof, die Dom-Pedro-Unterführung an der Landshuter Allee oder die Karl-Gayer-Unterführung in Allach.

Unterstützung aus dem Bezirksausschuss

Der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann hat Blumöhr für das Projekt an der Walter-Gropius-Straße bereits seine Unterstützung zugesagt. Auch die Autobahndirektion, in deren Zuständigkeit die Unterführung fällt, hat zugestimmt. Demnächst wird eine Website online gehen, über die Bürger Beiträge, Ideen und Geschichten einbringen können. Im Juni soll dann die Umgestaltung starten. Zuerst werden die Fließen verspachtelt, anschließend beginnt Blumöhr zu malen.

Vorab wird er Kontakt zu Vereinen, Viertelkennern, Historikern und weiteren Institutionen aufnehmen, um Anregungen für sein Gemälde zu sammeln. „Und wenn ich dann daran arbeite, kann mich jeder ansprechen und Vorschläge machen“, sagt er.

Denn Skizzen, wie das Kunstwerk einmal aussehen soll, macht Martin Blumöhr vorab nicht. Stattdessen arbeitet er intuitiv und lässt sich von den Ideen treiben. „Das ist super spannend“, sagt er. „Man weiß vorher nie, wie sich der künstlerische Prozess entwickelt.“

So entstehen bunte Bilder mit vielen Details und zum Teil auch grotesken Elementen. Blumöhr arbeitet mit einem Mix aus verschiedenen Techniken: Acryl-Malerei, Air-Brush-Szenen, Graffiti und Tuschezeichnungen verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk.

In Schwabing könnte das Riesen-Gemälde zum Beispiel den Charme des Künstlerviertels, charakteristische Punkte wie den Englischen Garten oder die Seidlvilla oder das Hochhausviertel zeigen. Kritische Blicke in die Vergangenheit und in die Zukunft sollen ebenfalls dabei sein. „Ich werde auf alle Fälle die NS-Zeit aufgreifen, zum Beispiel mit zerstörenden Elementen“, erklärt Blumöhr. Auch das Thema Gentrifizierung möchte er in das Kunstwerk einfließen lassen. „Verschiedene Ebenen fließen ineinander über“, erklärt Blumöhr.

Bis alles fertig ist, steht Martin Blumöhr viel Arbeit bevor. Die Umgestaltung der Unterführung wird voraussichtlich über ein Jahr dauern.

Claudia Schuri

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