Johanneskolleg droht Abriss

Ein Stück Heimat in der Fremde

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„Es ist unser Zuhause in einem für die meisten vollkommen fremden Land“, sagt Ildar Nasyrov (r.). Gemeinsam mit Kumpel Samuel Held kämpft er für den Erhalt des Johanneskolleg.

SCHWABING Johanneskolleg in Schwabing soll abgerissen werden – Studenten kämpfen für Erhalt

Seit zweieinhalb Jahren wohnt Samuel Held im Johanneskolleg (Joko) in Schwabing. Es ist sein Zuhause geworden. So wie für 111 weitere junge Männer, die aus aller Herren Länder kommen und in dem Studentenwohn untergekommen sind. Alle müssen sich ab Oktober etwas Neues suchen. Denn das Heim wird geschlossen und soll abgerissen werden.

Gekauft hat es die Erzdiözese München und Freising. Für das Johannes- und das Ludwigskolleg überwies die Diözese 8,2 Millionen Euro an das Hilfswerk Missio München. Abgerissen werden muss das Heim in Schwabing, da es nicht mehr wirtschaftlich sanierbar sei. Das teilt die Diözese auf Anfrage mit.

Nach dem Abriss des Johanneskollegs sollen laut Erzbistum dort zusätzliche Wohnungen für den angespannten Mietmarkt entstehen. Diese sollen dann vor allem kirchlichen Mitarbeitern wie Kinderpflegern und Erziehern zur Verfügung gestellt werden.

Ersatz für die Studentenwohnungen solle jedoch durch Erweiterungsbauten an diözesanen Wohnheimen geschaffen werden, wie es weiter heißt. Für den Übergang sollen den Bewohnern über den 1. Oktober hinaus Wohnheimplätze in München organisiert werden, unter anderem mit Hilfe des Studentenwerks.

Den 112 Studenten passen diese Pläne gar nicht. Sie wollen den Abriss nicht. „Das Heim soll erhalten werden“, sagt Held. Sein Mitstudent Ildar Nasyrov ergänzt: „Es wohnen Leute aus 43 verschiedenen Ländern im Joko.“ Es sei nicht irgendein Wohnheim in München. „Es ist ein gelebtes und überaus erfolgreiches Experiment zur Integration verschiedenster Nationen, Kulturen und Religionen.“

Die Studenten sammeln fleißig Unterschriften im Internet, auf www.openpetition.de fordern sie Kardinal Marx auf, das Johanneskolleg zu erhalten. „Es ist unser Zuhause in einem für die meisten vollkommen fremden Land“, sagt Nasyrov. „Daher wollen wir unser Joko nicht aufgeben und werden kämpfen.“ Sascha Karowski

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