Harald Martenstein Lesung ins Lustspielhaus

"Ich lasse mich gerne mal ablenken"

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Harald Martenstein ist Kult. Mit seinem neuen Buch "Die neuen Leiden des alten M." gastiert er zur Lesung im Lustspielhaus. Zuvor sprach er mit Hallo München unter anderem über Glühbirnen und Gasteig.

Er schreibt bisweilen auch so, dass nicht jeder seiner Meinung ist – wenn er sich denn mal zum Schreiben gezwungen hat. Denn Harald Martenstein lässt sich auch mal gerne ablenken und poliert dann lieber Besteck als Texte.

Irgendwie scheint er aber doch die Zeit gefunden zu haben, denn der 61-jährige Autor und Kolumnist hat mit „Die neuen Leiden des alten M.“ ein neues Buch fertiggestellt. Am Donnerstag, 15. Januar, kommt der Wahl-Berliner damit zur Lesung ins Lustspielhaus. Was er aus seiner Zeit in München vermisst und warum er Kolumnist geworden ist, lesen Sie im Interview mit Hallo München.

Herr Martenstein, wie wird man Kolumnist?

Das hatte ganz pragmatische Gründe. Als ich angefangen habe, für eine kleine Zeitung zu schreiben, gab es 20 Pfennig pro Zeile. Da habe ich lokale Termine wahrgenommen. Und wenn man dann von einem Termin mit einem 15-Zeiler zurückgekommen ist... Da war es äußerst schwierig, sich nennenswerte Geldbeträge zu erschreiben. Für die Glosse gab es mehr, so um die 40 Pfennig. Und als ich angefangen habe, habe ich gemerkt, dass es mir Spaß macht und ich auch ein gewisses Talent dafür habe. Also habe ich es bei meinen späteren Jobs auch gemacht.

Woher erhalten Sie Ihre Ideen? 

Entweder ist etwas passiert, von dem ich das Gefühl habe, dass man darüber schreiben kann. Oder ich habe mich über etwas geärgert. Ärger ist ohnehin eine hilfreiche Sache. Oft ist es aber auch so, dass ich das Gefühl habe, dass es sich lohnt, ein Thema von einer neuen Seite zu betrachten. Dann muss man versuchen, alles zu vergessen, was zu dem Thema geschrieben wurde und es mit einem neuen, naiven Blick betrachten.

Worum geht es in „Die neuen Leiden des alten M.“?

 Es handelt stärker von Krankheiten und körperlichen Gebrechen. Die versuche ich aber von der lustigen Seite zu sehen.

Es geht auch um Meinungen, wie gehen Sie mit bösen Leserbriefen um? 

So viele böse sind da gar nicht dabei. Die meisten sind positiv. Ich kann wirklich nicht sagen, dass ich mit Hassbriefen zugeschüttet werde. Aber das findet sich auch immer darunter. Und dann schreibe ich aber in der gleichen Tonlage zurück. Der Gesprächspartner hat die Tonlage ja vorgegeben. Es wäre unhöflich, in einer anderen zu antworten.

Sie beschreiben auch, dass Sie sich mitunter schwer tun, sich hinzusetzen und mit dem Schreiben anzufangen. 

Ja, das nennt sich Prokrastination, das ständige Verschieben von wichtigen Aufgaben. Man tut dann etwas, was nicht getan werden müsste, spült Geschirr, räumt die Küche auf oder tauscht Glühbirnen aus.

Schreiben Sie zu Hause oder in der Redaktion? 

Mal so mal so, ich habe ein Büro in der Redaktion, da arbeite ich gerne. Und es diszipliniert mich auch ein bisschen, da ich mich ja, wie gesagt, gerne auch mal ablenken lasse.

Sie haben ja in München gelebt. Gibt es Lieblingsecken?

 Also ich habe am Gasteig gewohnt, und da, in dieser Ecke am Ostbahnhof, bin ich ganz gerne, weil mir die Gegend natürlich vertraut ist aus meiner Münchner Zeit. Und dort gibt es dieses wunderbare Stadtbad, wie eine alte römische Therme. So etwas habe ich in Berlin noch nicht gefunden.

Wo lebt es sich denn schöner?

Als Berliner muss ich natürlich sagen: in Berlin. Wobei München natürlich die sanftere und lieblichere Stadt ist. Berlin ist rauer, härter.

Comedian Carolin Kebekus hat es sogar mit Hobbingen verglichen. 

(lacht) Ja, das ist ein guter Vergleich. München ist schon putziger als Berlin.

Harald Martenstein Donnerstag, 15. Januar, Lustspielhaus, Occamstraße 8, U-Bahn: Münchner Freiheit, Beginn ist um 20.30 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr, Karten für 22 Euro unter Telefon 34 49 74 Verlosung Hallo München verlost 5x2 Karten. Schreiben Sie eine e-Mail mit Ihrer Telefonnummer an gewinn@hallo-muenchen.de oder eine Karte an die Redaktion, Dessauerstraße 10, 80992 München. Einsendeschluss ist der 13. Januar, Stichwort: Martenstein

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