Wegen grüner Wand vor Gericht

Erbitterter Streit um Begrünung eines Mehrfamilienhauses in Schwabing

45 Jahre hat es gedauert bis die 14 Meter hohe Wand komplett mit Efeu begrüntwar – nun soll sie wegen Dämmmaßnahmen entfernt werden. Dagegen wehrt sich Vera Stühler.
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45 Jahre hat es gedauert bis die 14 Meter hohe Wand komplett mit Efeu begrüntwar – nun soll sie wegen Dämmmaßnahmen entfernt werden. Dagegen wehrt sich Vera Stühler.

Schwabing: Weil Efeu entfernt werden soll, liefern sich Eigentümer und Nachbarin einen Rechtsstreit.

Seit etwa einem Jahr tobt ein erbitterter Streit um die Begrünung eines Mehrfamilienhauses in der Hörwarthstraße. Die Eigentümergemeinschaft will den Efeu entfernen lassen, um an der Wand Dämmplatten anzubringen. Darüber ist die Nachbarin, Vera Stühler, bestürzt. Beide Parteien streiten seit letztem Jahr vor Gericht. Dieses hat nun einen Sachverständigen beauftragt, zu prüfen, ob die Begrünung wirklich weg muss.

„45 Jahre hat es gedauert bis die 15 Meter breite und 14 Meter hohe Wand vollständig begrünt war“, sagt Stühler. „Die Begrünung wird regelmäßig auf meine Kosten von einem Fachmann gepflegt.“ Die Heilpraktikerin und Psychotherapeutin wohnt in der dritten Generation in einer Villa, die neun Meter entfernt neben dem Wohnhaus steht. Um den Blick auf die kahle Wand erträglicher zu machen, hätten sich Stühlers Eltern mit dem Bauträger schriftlich darauf geeinigt, die Wand mit Efeu zu bepflanzen. „Leider geschah dies ohne Grundbucheintrag und darauf beruft sich nun die Gegenseite“, sagt Stühlers Rechtsanwalt Erwin Hackl.

„Am schlimmsten ist, dass die Wand nach der Dämmung nie wieder bewachsen werden darf“, betont Stühler. Die Schwabingerin hatte zunächst eine Einigung mit der Eigentümergemeinschaft angestrebt. „Die Gegenseite zeigte keinerlei Bereitschaft auf meine Mandantin einzugehen und die Wand zumindest nach der Dämmung wieder zu begrünen“, sagt Hackl. 

Inzwischen hat sich die Schwabingerin an den Verein Green City gewandt. „Dass die geplante Dämmung unbedingt notwendig ist, bezweifle ich“, sagt Wolfgang Heidenreich (Foto) vom Begrünungsbüro des Vereins. „Der Efeu hat an sich schon eine Dämmfunktion.“ Im Winter halte der Efeu das Haus warm und im Sommer würde er es vor Hitze schützen. „Die Wand-Begrünung dämpft außerdem den sehr lauten Schall der Kirchenglocken“, sagt Heidenreich. Hinzu kämen die Tiere, welche im Efeu lebten und denen der Lebensraum genommen würde. „Es heißt immer, die Stadt muss grüner werden und dann wird überall Grün entfernt“, sagt Heidenreich. Viele Bürger würden sich deshalb an Green City wenden.

Energetische Maßnahmen seien an dem Haus dringend erforderlich

Die Eigentümer sehen in ihrer Maßnahme dagegen eine dringende Notwendigkeit. „Bei dem Gebäude in der Hörwarthstraße handelt es sich um ein Anwesen mit Erstellung und Planungsstand Anfang der 70er-Jahre“, sagt Christian Pfeffer von der Hausverwaltung des Gebäudes, der Sollner Grundbesitzverwaltung GmbH. „An Gebäuden dieses Alters sind in der Regel aus verschiedensten Gründen energetische Maßnahmen erforderlich.“ Zur Energieeinsparung und dem Wohnwerterhalt solle nun die einzige nicht gedämmte Wand des Gebäudes bearbeitet werden. Zudem betont Pfeffer: „Die Nachbareigentümerin hatte und hat kein Recht, eine fremde Fassade mit Efeu bewachsen zu lassen.“ Eine erneute Begrünung nach Anbringung der Dämmung sei nicht vorgesehen und auch nicht gewünscht.

Laura Felbinger

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