Querkopf mit Rampensau-Gen

Christoph Süß im großen Interview: Ist er ein Querkopf mit Rampen-Sau-Gen?

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Seit 1998 moderiert Christoph Süß die Sendung "Quer" im BR (donnerstags, 20.15 Uhr)

BR-Moderator Christoph Süß bekommt den mit 5000 Euro dotierten Ernst-Hoferichter-Preis. Ob der Kabarettist Tabu-Themen kennt und ob sich CSU-Politiker über seine Sendung „Quer“ beschweren, lesen Sie hier in Hallo.

Sein eigenwilliger Blick auf die bayerische Polit-Szene im Besonderen und das Münchner Leben allgemein hat Christoph Süß zum großen TV-Star gemacht. Seit 1998 moderiert der ehemalige Philosophie-Student donnerstags das Satiremagazin „Quer“ – seine Fangemeinde reicht weit über die Grenzen des Freistaats hinaus. Doch der 47-Jährige kann noch mehr: Neben seiner wöchentlichen Sendung im Bayerischen Fernsehen befindet sich Süß auch als Kabarettist, Moderator, Musiker und Autor auf der Erfolgsspur. Der Münchner hat eine Menge Lorbeeren eingeheimst – und wird nun auch mit dem Ernst-Hoferichter-Preis geehrt: Er erhält die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung (Sparte Kabarett) im Literaturhaus. Die Fach-Jury glaubt, der „Quer“-Moderator verfüge über ein „Rampensau-Gen“ und lasse zudem „die Sau bravourös vom Gängelband“. Darüber kann Christoph Süß nur schmunzeln: „In unserem Beruf muss man sich soweit überschätzen, dass man sagt: Ja, ich stelle mich vorne hin.“ Es sei ein Unterschied, ob man auf der Bühne oder vor der Kamera stehe. „Auf die Bühne zu gehen, ist immer aufregend. Man hat einen direkten Zugang zum Publikum, das sich gerne bemerkbar macht.“ Vor der Kamera gehe es „mechanischer“ zu. „Wenn man aber, wie bei ,Quer’, ein lustiges Team hat, dann kann das recht unterhaltsam sein.“ Kann sich der Sendlinger ein Leben außerhalb Münchens vorstellen? „Mir fehlt die Auslandserfahrung. Berlin zum Beispiel“, lacht er. Frankreich oder Spanien hätte er als Student gerne besucht. „Damals fehlte das Geld. Heute die Zeit.“ Bühne frei für Christoph Süß – von A bis Z.

Auszeichnung: Ob ich, wie die Jury für den Hoferichter-Preis meint, wirklich das „Rampensau-Gen“ trage? Ich denke schon. Es gehört wohl ein wenig Selbstüberschätzung dazu, um sich auf die Bühne zu stellen. Das gehört zu unserem Job.

BR: Vor knapp 17 Jahren bin ich zum Bayerischen Rundfunk gekommen. Florian Neubauer, der damals die Moderatoren vom „Schlachthof“ gecoacht hat, schlug mich vor. Das war meine Chance und ich hatte Glück.

CSU : Die Mächtigen in Bayern haben wohl inzwischen herausgefunden, dass man Satire größer macht, wenn man sich über sie erregt. Deswegen finden einige in der CSU „Quer“ lustig. Das macht uns kleiner.

Descartés : Mit dem Philosophie-Studium an der LMU habe ich versucht, einen Überblick über das Leben zu bekommen. Über meins und so generell. Ich versuche es heute noch.

Eitelkeit : Erscheint mir nicht so schlimm, animiert sie uns doch zur regelmäßigen Körperpflege. Und zwei Mal in der Woche bin ich im Fitnessstudio. Dort schwankt man zwischen Eitelkeit und Selbsthass. Ich kenne beides.

Fassung: Es gibt nicht so leicht etwas, das mich aus der Fassung bringt. Ich denke, dass ich meine Gefühle meist im Griff habe.

Gaudi: Bin nicht so der Partymensch. Dort wo sich viele Menschen versammeln, meldet mein Stammhirn oft: Gefahr! Was ist, wenn es brennt? Aber ich finde es okay, wenn sich andere amüsieren.

Humor: Wenn jemand meinen nicht mag, dann respektiere ich das. Gleichwohl gibt es immer die Möglichkeit das Programm zu wechseln. Deswegen sehe ich kein Problem.

Ilse Aigner: Ich weiß nicht, ob Ilse Aigner die nächste Seehofer ist. Ich möchte dazu keine Prognose abgeben.

Jugend: Ich war hauptsächlich mit meinen persönlichen und seelischen Wehwehchen beschäftigt – das aber erscheint mir normal. Wird wohl den meisten so gehen. Ich war hauptsächlich mit meinen persönlichen und seelischen Wehwehchen beschäftigt – das aber erscheint mir normal. Wird wohl den meisten so gehen.

Kabarettisten: Satire darf alles. Die Frage ist aber – muss sie auch alles? Wichtig erscheint mir, dass Satire sich gegen die Mächtigen positioniert und mit den Nicht-Mächtigen solidarisiert.´

Lebe deine Träume: Das ist ein recht repressiver Anspruch. Da kann man schon leicht scheitern. Vielleicht ist es vernünftiger zu versuchen, bescheidener zu sein. Träume deinen Traum und versuche zu lieben, was dir das Leben bietet. Oder so. Könnte ein Kalenderspruch sein.

Münchner Schickeria: Die gibt es wohl. Ich lese darüber ab und an in den Medien. Ich gehöre aber nicht dazu. Die kommen aber bestimmt gut ohne mich zurecht.

Nebenrolle: Zwar habe ich in meiner Studienzeit hin und wieder mal durch Darsteller-Jobs Geld verdient. Aber ich wollte nie wirklich Schauspieler werden. Wenn man mich aber ab und zu bei einer schönen Produktion mitspielen lässt, freue ich mich.

Off: Es gibt keine Tabuthemen, die wir bei „Quer“ aus Prinzip nicht behandeln würden.

Pegida: Es scheint mir so, als würden hier allgemeine Ängste aller Art auf eine Minderheit projiziert. Dabei aber haben Muslime ja gar keine Macht in unserer Gesellschaft. Eine Angst vor Islamisierung habe ich nicht.

Quer: Es läuft gut und es macht Spaß. Wie lange ich die Sendung noch machen kann, weiß ich nicht. Ist nur bedingt meine Entscheidung. Ich versuche generell nicht allzu sehr über die Zukunft nachzudenken. Sie passiert sowieso.

Religion: Ich bin nicht gläubig, denn ich halte die ganzen Konzepte für nicht überzeugend. Selbstverständlich interessiere ich mich für Religion und das theologische Denken.

Sendling: Ich hätte schon mal Interesse, in einer anderen Stadt zu leben. Es hat sich aber so ergeben, dass mein Job und mein Lebensmittelpunkt nun mal in München liegen. Aber das ist ok. Ist ja eine schöne Stadt.

Toleranz: Im historischen Vergleich leben wir in München in einer toleranten Gesellschaft. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir uns großzügige Haltungen leisten können, weil hier viele so reich sind.

Unterhaltung: Ich sitze im Frühjahr gern vor der Pinakothek auf einer Parkbank und schaue den Menschen zu, wie sie mit ihren Hunden spielen und Bier trinken. Das scheint mir eine Art von bewältigtem Frieden zu sein.

Verwandlung: Zwischen dem privaten und dem öffentlichen Christoph Süß gibt es sehr große Unterschiede. Der private ist bissl langweilig.

Watschn: Jeder hat schon mal eine Watschn in seinem Leben kassiert. Oder auch mehr als einmal. Ich auch.

X-Euro: Ich kann mir vorstellen, dass man sich in manchen Teilen München leicht ausgeschlossen vorkommt, wenn man kein sechsstelliges Jahresgehalt hat. Ich aber hatte Glück und darf es genießen, Dinge die ich mir leisten könnte, nicht zu kaufen.

Yes! Vieles was ich erreicht habe, ist nicht Ergebnis von Leistung, sondern von glücklichen Umständen.

Zeit: Soll man ja angeblich immer einsparen. Nur, wenn man sie spart, bekommt man sie am Ende des Lebens doch nicht ausbezahlt. Deswegen soll man sich die Zeit auch einfach nehmen.

Interview: Konstantinos Mitsis

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