Neuer Chef der Staatsgemäldesammlung

Er hütet Bayerns Schätze

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Der Thüringer Bernhard Maaz wird ab 1. April Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen.

Auf Schweinekrustenbraten, Isar und Alpen freut sich Bernhard Maaz (53) ganz besonders, wenn es für den Kunsthistoriker bald gen München geht.

Der gebürtige Thüringer Bernhard Maaz wird ab 1. April Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, zu denen auch die Münchner Pinakotheken gehören. In der Szene ist Maaz kein Unbekannter, blickt er doch auf eine beeindruckende Karriere zurück: Nach seinem Studium der Kunstwissenschaften und Archäologie in Leipzig wird er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Staatlichen Museen Berlin, dann Kustos und ab 2003 Leiter der Alten Nationalgalerie. Diese wird unter seiner Führung saniert. 2010 wird Maaz Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister und des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden. Welche Museen er bald in Bayern unter seinen Fittichen hat und wie er eigene Akzente setzt, erklärt er hier von A bis Z. 

Archäologie  war ein Nebenfach im Studium, aber man möchte nie mehr darauf verzichten, die dort aufgenommenen Grundlagen der europäischen Kultur kennengelernt zu haben.

Bildhauer: Zweifellos ist Schadow der bedeutendste deutsche Bildhauer. Er hat die Quadriga auf dem Brandenburger Tor geschaffen, das allbekannte Signet der deutschen Einheit, von dem fast niemand weiß, von wem es stammt: von Johann Gottfried Schadow.

Chef: Als Chef der Münchner Pinakotheken möchte ich unter dem Stichwort „Ermöglichen“ eigene Akzente setzen. Mir ist es wichtig, den Mitarbeitern ihre Projekte, den Besuchern die Freude, den Gebäuden die Sanierung und den Bildern die optimalen Bedingungen zu ermöglichen.

Dresden: Dort war ich als Direktor auch für das Kupferstich-Kabinett tätig. Dadurch kommt man in Berührung mit der Entstehung des Bildes durch Vorzeichnungen sowie mit der Abbildung durch Reproduktionsgraphik. Diese Einbindung des Gemäldes in seinen Kontext hat etwas Erhellendes. Vielleicht werde ich es vermissen. Aber es gibt in München die Staatliche Graphische Sammlung, also auch hier fachlichen Austausch.

Elbe oder Isar? Erst Saale, dann Pleiße, dann Spree, nun Elbe und bald Isar: ein schöner Weg durch gute Lande.

Fälschungen: Die Gefahr einer Fälschung besteht immer, aber der Zuwendungsgeber, der Freistaat Bayern, fordert von uns als den verantwortlichen Kunsthistorikern fachliche Skepsis und kritisches Hinterfragen. Also: Im Zweifel nicht kaufen! Und es gilt: Bezweifle alles, wenigstens ein Mal.

Grünewald: Ich weiß nicht, wie oft ich in der Alten Pinakothek vor der Erasmus-Mauritius-Tafel von Mat­thias Grünewald stand – oft.

Innenarchitektur ist grundlegend! Materialien, Farben, das Wechselspiel zwischen Licht und Wandbespannung, zwischen Fußboden und Paneel, all das macht den Charme eines Museumsraumes aus. Man muss sich dafür viel Zeit nehmen und durch Bemusterungen ausprobieren, welche Raumwirkungen und Stimmungen entstehen, die die Bilder – und mitunter auch die Skulpturen – optimal wirken lassen.

Jugend: Ich denke, dass man nicht genug Aufmerksamkeit darauf legen kann, Kinder an das Museum heranzuführen, die dann als Jugendliche wiederkehren. Gemälde sind voller Menschheitsfragen. Sie spiegeln das Wesen vergangener Gesellschaften wider. Man darf auch nicht vergessen, dass viele Künstler uneins mit ihrer Zeit waren. Das sind Themen, die Jugendliche interessieren. Wir brauchen viele museumspädagogische Angebote.

Kinder: Meine Kinder sind schon aus dem Haus, aber wir waren früher immer wieder in Museen – vom Naturkundemuseum bis zu jenem für Kommunikation. Die Vielfalt macht’s im Leben, Allgemeinbildung bleibt ein hohes Ziel.

Leidenschaft: Außer Kunst liebe ich alte Musik und die Berge, freue mich auf die Alpen und wünsche mir viele freie Wochenenden dort.

München: Ich freue mich auf einen Neustart auf dem Fundament vielfältiger Erfahrungen. Neue Freundschaften, neues Wissen, neue Perspektiven auf die Kunst wie auf das eigene Leben.

Neue Anschaffungen: Mit Geduld und Geld kommt man an bedeutende Ausstellungsstücke. Die besten Werke finden am Ende immer ein Museum.

Ohrhörer: Audioguides sind eine wichtige Vermittlungsform, die allerdings nur die anderen Wege der Information und Vermittlung unterstützen kann: Der Besucher soll primär sehen, aufmerksam schauen!

Pop Art: In diesem Genre wechselt mein Lieblingskünstler immerfort.

Quo vadis: gen Süden, avec plaisir! (Zu Deutsch: mit Freude)

Renovierung: Die Neue Pinakothek wird für rund 60 Millionen Euro renoviert. Bei einer solchen Baumaßnahme wird sorgfältig geplant und alles Notwendige gemacht. Meist ist das Unsichtbare besonders wichtig: Klima- und Sicherheitstechnik, Licht und Entrauchung, Brandschutz und Fluchtwege.

Schäden: Restauratoren in Museen sind unser Gewissen und unsere Helfer. Sie verhindern Schäden und beugen vor. Sie beheben Alterungsfolgen an Kunstwerken und erhalten die Spuren der Geschichte zugleich behutsam. Sie können auch mit Naturwissenschaftlern die Echtheit von Werken bestätigen. Kurz: kein Museum ohne Restaurator.

Technische Universität: Ich habe an der Technischen Universität in Berlin und Dresden gelehrt. Warum nicht auch in München? Räumliche Nähe ist von Vorteil, wenn sie mit geistiger einhergeht.

Umfang: In Dresden hatte ich weit über eine halbe Million Werke in meiner Obhut. In Bayern sind es etwa 30 000, diese aber erstens von erheblicher Bedeutung (von Dürer bis Picasso), zweitens von großer Streuung (etwa in Filialgalerien wie Aschaffenburg und Passau) und drittens von beeindruckender Vielfalt.

Verantwortung trage ich für die Pinakotheken, die Sammlung Brandhorst, die Schackgalerie und zwölf Filialgalerien in Bayern.

Wand: An meiner Wohnzimmerwand hängt das Gemälde eines wenig bekannten Malers, der seiner jüdischen Abstammung wegen ermordet wurde. Seine Tochter hat es mir vor rund 20 Jahren geschenkt.

X -Ray: Ich verwende keine Röntgenstrahlen, um übermalte Bilder sichtbar zu machen. Dafür fehlt mir das Zertifikat, das muss das geschulte Personal machen.

Y -Chromosom: Von beiden Geschlechtern – Männern wie Frauen – gehen noch immer zu wenig ins Museum.

Ziel: Ich hatte lange nicht gewagt, von einer Position wie in München zu träumen. Nun kam die Chance.

Marie-Anne Hollenz

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