Wissenschaft

Dem Urvogel auf der Spur

Christian Foth (li.) und Oliver Rauhut mit einer Rekonstruktion ihres Forschungsobjekts.

MAXVORSTADT Die Münchner Dino-Forscher Dr. Oliver Rauhut und Dr. Christian Foth untersuchen einen Archaeopteryx und finden heraus: „Fliegen ist ein Abfallprodukt“

Alte Knochen, verstaubte Keller, ein bisschen Indiana Jones – das Büro im zweiten Stock der Münchner Paläontologie an der Richard-Wagner-Straße tut nicht viel, um mit Klischees über Dino-Forscher zu brechen. Am Boden stapeln sich Kisten mit Knochen, Fossilien lehnen an der Wand. Mittendrin: zwei Wissenschaftler, die mit ihren ganz und gar nicht verstaubten Forschungsmethoden neue Erkenntnisse gewonnen haben, wie die Vögel zum Fliegen gekommen sind.

Dr. Oliver Rauhut (44) und Dr. Christian Foth (29) haben zusammen mit Dr. Helmut Tischlinger das bislang besterhaltene Fossil des Urvogels Archaeopteryx untersucht und festgestellt: Federn sind nicht zum Fliegen entstanden – sondern das Flugvermögen hat sich erst entwickelt, als die Federn schon längst da waren. „Fliegen ist ein Abfallprodukt der Evolution“, sagt Foth – oder „ein vorteilhaftes Nebenprodukt“, wie es Rauhut nennt.

Das Fossil (Foto rechts) hat ein Privatsammler im Altmühltal entdeckt und 2011 den Wissenschaftlern zumForschen zur Verfügung gestellt. Es ist das elfte bekannte Fossil eines Archaeopteryx – doch kein anderes zeigt das Federkleid des Urvogels so detailliert. Mit UV-Fotografien und Mikroskop haben Foth und Rauhut die versteinerten Federn systematisiert. Die Vielfalt überrascht: Der Urvogel hatte Federn zur Wärmeisolation und zum Brüten, aber auch als Tarnung oder Schmuck. „Wären Federn primär für das Flugvermögen entstanden, dann hätten wir aus funktionalen Gründen nicht so eine Vielfalt“, erklärt Foth.

Nichtsdestotrotz gehen die Forscher davon aus, dass der Archaeopteryx fliegen konnte – wenn wohl auch mehr schlecht als recht. „Nicht besser als ein Huhn“, glaubt Foth. Da könnte jetzt die aerodynamische Forschung ansetzen. Ob Foth und Rauhut dann wieder dabei sind, ist noch offen. Rauhut: „Zum Forschen kommt man neben der ganzen Verwaltungsarbeit leider selten.“ ist

 

Hier gibt’s den Archaeopteryx zu sehen

Das jetzt untersuchte Archaeopteryx-Fossil wird zwar aus Sicherheitsvorkehrungen nicht in München ausgestellt – doch das Paläontologische Museum an der Richard-Wagner-Straße 10 zeigt eine Lebendrekonstruktion und Fossilien-Abgüsse des Urvogels. Geöffnet ist Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr sowie Freitag von 8 bis 14 Uhr. Infos: www.palmuc.de.

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