Trümmerhaufen statt Kultur

Alles noch viel schlimmer: „Theater ...und sofort“ vermutlich erst 2018 wieder auf

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In den WCs sind mittlerweile die Decken runter gekracht – mitsamt Lampe (li.), die im Gegensatz zu einem Großteil der Einrichtung sogar ganz geblieben ist.
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In den WCs sind mittlerweile die Decken runter gekracht – mitsamt Lampe (li.), die im Gegensatz zu einem Großteil der Einrichtung sogar ganz geblieben ist.
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Maxvorstadt: Die Folgen des eindringenden Wassers vor einigen Wochen treffen „Theater ...und sofort“-Chef Heiko Dietz (Foto) noch viel heftiger als bisher befürchtet.

Es steht schlecht um das „Theater... und sofort“ – richtig schlecht. „Der Schaden ist schlimmer als erwartet“, klagt Leiter Heiko Dietz. Mittelfristig gibt es zwar auch Lichtblicke, die aktuelle Bestandsaufnahme fällt allerdings verheerend aus.

„Mittlerweile ist alles verschimmelt – auch die komplette Bestuhlung, die wir zunächst unter den Planen in Sicherheit gewogen hatten“, sagt Dietz. In den Toiletten sind mittlerweile Teile der Decken hinuntergestürzt. Das Wasser hat sogar die Brandschutzverschalungen von den Stahlträgern im Zuschauerraum gelöst. Diese liegen nun in Stückchen auf dem Boden und sind noch dazu höchstwahrscheinlich aus Asbest. Was früher ein beliebtes Theater war ist nun ein einziger Trümmerhaufen.

Grund für die Verwüstung im Theater war der Dauerregen im Sommer. Als der Innenhof, der zugleich das Dach des Theaters ist, im Juli saniert wurde, wurde die schützende Asphaltschicht abgenommen. Nach wochenlangem Dauerregen drang Wasser in das Theater ein und weichte Wände, Böden und das Interieur auf (Hallo berichtete). „Die Vermieterin hat erste Angebote für eine Kernsanierung im sechsstelligen Bereich eingeholt“, sagt Dietz. Wer letztlich für den Schaden aufkommt, ob Vermieterin oder Baufirma stünde noch offen.

Ab sofort wird alles aus dem Theater geräumt, damit dieses trocken gelegt werden kann. Zumindest der Innenhof ist inzwischen renoviert. Eine Wiedereröffnung des Theaters war eigentlich für Ende November geplant, Dietz ist da jedoch wenig zuversichtlich: „Ob es überhaupt noch dieses Jahr wieder geöffnet werden kann – wer weiß.“ Für den Schauspieler, Regisseur und Leiter des Theaters ist die Situation existenzbedrohend. Eine Miete muss der 49-Jährige für die verwüsteten Räume zwar nicht zahlen, dennoch müssen laufende Kosten von 500 bis 600 Euro pro Monat bezahlt werden und das trotz komplett fehlender Einnahmen. Dutzende Veranstaltungen mussten wegen der Zerstörung bereits abgesagt werden.

Lichtblick: Mittlerweile schwappt dem Theater eine Welle der Unterstützung entgegen. Die Leiter von HochX-Theater, Blutenburg-Theater, Theater Kleines Spiel, Issa-Bühne, Drehleiher, Teamtheater Salon und Fraunhofer Theater stellen ihre Bühnen für Veranstaltungen zur Verfügung, die im zerstörten Theater nicht stattfinden können. „Zumindest 10 von 94 Vorstellungen können wir so retten“, sagt Dietz.

Nicht nur dem „Theater... und sofort“ geht es schlecht. Auch andere private Bühnen kämpfen um ihre Existenz. „Die Förderung für die Freie Szene ist niedrig“, sagt Ute Gröbel, Vorstandsmitglied des Netzwerks Freie Szene München und Künstlerische Leiterin des Theaters HochX. Daher würden freie Theater einer Katastrophe nicht standhalten können. Gröbel will sich nun mit der Bitte an die Stadt wenden, ein Budget für in Not geratene freie Theater einzurichten. Indes hat die Stadt Kontakt zu Dietz aufgenommen. Mitarbeiter des Kulturreferats treffen sich mit ihm, um über Hilfe seitens der Stadt zu beraten.

Laura Felbinger

Infos auf www.undsofort.de

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