Koks, Rotlicht und Schulden: Der tiefe Fall des CSU-Stadtrats

Schlagbauer: Einmal pro Woche ins Bordell?

Wiesn-Stadtrat (CSU) tritt von allen Ämtern zurück. Staatsanwaltschaft ermittelt - von Drogenmissbrauch im Rotlicht-Milieu ist die Rede. Das Protokoll der Affäre.

Ein Beben ging durch München, als am Donnerstag bekannt wurde: Wiesn-Stadtrat Georg Schlagbauer (44) tritt mit sofortiger Wirkung von all seinen öffentlichen Ämtern zurück – als Landesinnungsmeister und stellvertretender Bundesinnungsmeister des bayerischen Fleischerhandwerks, als Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern sowie als Münchner Stadtrat. Über seinen Anwalt ließ er verlauten, dass dringende gesundheitliche und familiäre Gründe ihn zu diesem Schritt zwingen würden. Doch der Zusatz „Privates hat zu keinem Zeitpunkt Auswirkungen auf seine Amtsführung gehabt“ ließ hellhörig werden.

Auch in der CSU-Fraktion brach Hektik aus. Manuel Pretzl und Evelyne Menges beraumten eine Sondersitzung an, nur wenige Stunden nach Schlagbauers Erklärung. Zeitgleich erklärte Florian Weinzierl von der Staatsanwaltschaft München I: „Wir haben Ermittlungen gegen Georg Schlagbauer eingeleitet wegen des Verdachts auf Erwerb von Betäubungsmitteln.“ Der 44-Jährige habe sich selbst angezeigt.

Die Vorwürfe: Der Besitzer eines Metzgereibetriebs habe Drogen im RotlichtMilieu konsumiert. Im Club Extasia in Trudering soll der Vater von zwei Kindern Kokain erhalten haben. „Die Polizei ist mit 30 Leuten bei uns angerückt und hat die Räume durchsucht“, sagt der Betreiber des Etablissements, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Wir sind ein drogenfreier Nachtclub – wobei ich für die Zimmer meine Hand nicht ins Feuer lege. Da darf ich nicht kontrollieren.“ Auf die Frage, wie oft Schlagbauer im Extasia gewesen sei, antwortet der Mann: „So einmal die Woche, manchmal mehr.“

Bei den Besuchen soll es allerdings nicht nur um Drogen gegangen sein, sondern auch um Sex – beides habe Schlagbauer wohl nicht immer bezahlt. Der Club-Chef soll gegenüber dem 44-Jährigen Forderungen in Höhe von 14 000 Euro erhoben haben. Doch es gab Streit. Schlagbauer empfand die Summe angeblich als zu hoch. Gegenüber der Polizei gab er laut tz an, sich nicht mehr länger erpressen lassen zu wollen.

In CSU-Kreisen reagierte man geschockt auf diese Enthüllungen (siehe Kasten). Schlagbauer habe seit einem Jahr getrennt von seiner Frau gelebt. Man habe zwar von Affären und einer Freundin aus Osteuropa gewusst, aber dieses Ausmaß sei niemandem bekannt gewesen. Der schnelle Aufstieg sei ihm vermutlich zu Kopf gestiegen, sagt ein Partei- freund. „Er hatte auch gute Kontakte zu Bundeskanzlerin Angela Merkel und war einfach wichtig für die deutsche Handwerkskammer. Es ist eine Tragödie.“ mhz

 

Stimmen zur Affäre

„Es ist wieder eine äußerst betrübliche Nachricht. Das Thema ist sehr ernst und sehr ärgerlich.“ Horst Seehofer, Bayerns Ministerpräsident

„Georg Schlagbauers Rücktritt von allen öffentlichen Ämtern ist der Sachlage angemessen und folgerichtig. Ich wünsche Georg Schlagbauer, dass er nun die Zeit und Ruhe findet, seine persönlichen Probleme in den Griff zu bekommen.“ Vize-Bürgermeister Josef Schmid

„Der Rücktritt von Georg Schlagbauer ist notwendig und unausweichlich. Es stehen schwerwiegende Vorhaltungen im Raum, die umfassend aufzuklären sind.“ Ludwig Spaenle, Kultusminister

„Die CSU-Stadtratsfraktion ist bestürzt. Georg Schlagbauer war lange Mitglied der Fraktion, für die er vielfältige Ämter bekleidet hat. Wir wünschen ihm, dass er diese für ihn und seine Familie existentielle Krise meistern kann.“ Manuel Pretzl, stellvertretender Vorsitzender der CSU-Fraktion

„Es ist eine schwierige Situation für die CSU, die gelöst werden muss. Er war nicht gerade mein politischer Freund, aber ich empfinde es als tragisch und bin geschockt.“ Günther Westner, CSU Maxvorstadt

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